Fachkraft Agrarservice: Einblicke in die spannende Ausbildung

Was macht eine Fachkraft für Agrarservice, wie lange dauert die Ausbildung und wie viel kann man später verdienen?

Diese Fragen beantworten wir dir in unserem Beitrag und haben zudem mit Gerd Dettmer über die Ausbildung zur Fachkraft Agrarservice gesprochen. Lies‘ jetzt rein!

Ausbildung Fachkraft Agrarservice ist noch relativ neu

Es gibt rund 3.300 Unternehmer in Deutschland, die von landtechnischen Dienstleistungen leben. Und die brauchen qualifizierte Arbeitskräfte. Deshalb rief der Bundesverband Lohnunternehmen (BLU) vor zehn Jahren den Ausbildungsberuf Fachkraft Agrarservice ins Leben, den auch Jan Möllerherm gelernt hat. Wir haben uns von Lohnunternehmern die wichtigsten Fragen rund um diesen Beruf beantworten lassen.

Was macht ein Lohnunternehmer?

Du interessiert dich für die Arbeit in einem Lohnunternehmen? Wir klären auf agrajo für dich die Frage: Was macht ein Lohnunternehmer?

Warum gibt es die Ausbildung Fachkraft Agrarservice?

Seitdem es den Ausbildungsberuf Fachkraft Agrarservice, kurz FAS, gibt, wurden circa 1.450 Mitarbeiter von Lohnunternehmen ausgebildet. Doch der Bedarf an Auszubildenden ist weit größer: Der Bundesverband für Lohnunternehmen schätzt, dass rund viermal so viele Arbeitskräfte in den Lohnunternehmen benötigt werden.

Nach deren Erhebungen müssen wegen des Branchenwachstums und der Fluktuation jährlich mehr als 1.000 neue Mitarbeiter eingestellt werden, um den Arbeitskräftebedarf zu decken. Neben diesen beruflichen Aussichten gibt es noch die Möglichkeit, die Prüfung zum Agrarservicemeister abzulegen.

agrajo.com Fachkraft Agrarservice Gerd Dettmer
Dem Betriebsleiter eines Lohnunternehmens, Gerd Dettmer, sind Arbeits- und Sozialverhalten seiner Bewerber sehr wichtig. Bei ihm kommen jährlich 70 Bewerber auf drei bis vier Stellen.

Wie läuft die Ausbildung zur Fachkraft Agrar ab?

Die Ausbildung zur FAS dauert drei Jahre, kann aber mit Abitur oder einer abgeschlossenen Lehre auf zwei Jahre verkürzt werden. In einigen Bundesländern wird ein abgeschlossenes Berufsgrundbildungsjahr vorausgesetzt; das gilt ebenfalls als Ersatz für das erste Lehrjahr.

Den praktischen Teil der Ausbildung übernehmen dann die Ausbildungsbetriebe. Aktuell befinden sich in den drei Jahrgängen etwa 650 junge Leute in der Ausbildung zur Fachkraft Agrar.

Auch Quereinsteiger haben mit einem entsprechenden Nachweis der Praxiserfahrung die Abschlussprüfung abzulegen. In der Regel sollte die Praxiserfahrung dabei 4,5 Jahre betragen. Weitere Informationen sowie Prüfungstermine kannst du bei der jeweiligen Landwirtschaftskammer nachfragen.

Weitere Informationen zur Ausbildung als Fachkraft für Agrarservice erhältst du beispielsweise auf der Seite der Landwirtschaftskammer Niedersachsen oder beim Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Gehalt: Wie viel verdient man in der Ausbildung?

Das Ausbildungsgehalt wird tariflich bezahlt – in deinem Ausbildungsvertrag wird das Gehalt festgelegt. Während der Ausbildung zur Fachkraft Agrarservice verdienst du zwischen 655 € und 765 € pro Monat. Pro Lehrjahr erhöht sich dein monatlicher Lohn.

Was sind die Ausbildungsinhalte zur Fachkraft Agrarservice?

Das lernen die Fachkräfte für Agrarservice in ihrer Ausbildung:

  • Bedienen, Führen, Warten und Instandhalten der Maschinen
  • Pflanzenbau von der Aussaat bis zur Ernte
  • Optimierung der Planung in den Betrieben
  • Wirtschaftliche Zusammenhänge und die betrieblichen Abläufe in Lohnunternehmen
  • Kommunikation, Information und kundenorientiertes Denken und Handeln

Bei der Weiterbildung zum Agrarservicemeister gehören zu den Inhalten die strategische Planung, das Controlling, die Verfahrenskalkulation, die Preisgestaltung, die Organisation und Vermarktung der Dienstleistungen, Rechtsfragen und die Führung von Mitarbeitern.

Wer ist für die Ausbildung als Fachkraft Agrarservice geeignet?

Voraussetzungen: Bildungsabschluss und Praxiserfahrung

Die Ausbildungsbetriebe stellen überwiegend Auszubildende mit Hauptschul- oder mittleren Bildungsabschluss ein. Die Lohnunternehmerin und Präsidentin des Bundesverbands für Lohnunternehmen von Niedersachsen erklärt dazu: „Ein vorheriges Praktikum auf einem Betrieb ist gern gesehen. Und der Stoff während der Ausbildung ist nicht zu unterschätzen, deshalb ist eine Fünf in Mathe oder Deutsch bei uns ein Ausschlusskriterium.“

Lohnunternehmer Dettmer: Auswahlkriterien eines Ausbilders

Lohnunternehmer Gerd Dettmer ergänzt: „Ich lese Zeugnisse von unten nach oben“. Das Arbeits- und Sozialverhalten ist mir sehr wichtig. Bei ihm kommen jährlich etwa 70 Bewerber auf drei bis vier Ausbildungsstellen.

Bewerber sollten generell Interesse an Landtechnik, Pflanzenbau und Betriebswirtschaft mitbringen sowie kundenorientiert, belastbar und zuverlässig sein.

Quereinstieg: Die Qualifikation zum Landmaschinenführer

Eine Alternative für branchenfremde Einsteiger oder gering qualifizierte Schulabgänger kann die Qualifikation zum Landmaschinenführer sein. Hier absolvieren die Kandidaten mehrere Ausbildungsmodule und stellen sich dann freiwillig einer Leistungskontrolle in Form eines Kurztests.

Zu den Kernkompetenzen des Landmaschinenführers gehören:

  • Landtechnik: Maschinenkunde, Einsatzmöglichkeiten und Leistung
  • Arbeiten und Geräte im kommunalen Bereich
  • Pflanzenbau-Grundlagen (Schwerpunkte Mais, Getreide und Grünland)
  • (Sozial-)Verhalten gegenüber Kunden und Kollegen
agrajo.com Fachkraft Agrarservice Gerd Dettmer
Der Umgang mit Kunden und Kollegen ist in der Ausbildung genauso wichtig wie Maschinenkunde und Pflanzenbau-Grundlagen.

Ausbildungsbetriebe: Wer bietet die Ausbildung zur Fachkraft Agrarservice an?

Es gibt deutschlandweit 450 Betriebe, die die Anforderungen erfüllen, um Fachkräfte für Agrarservice auszubilden. Diese Betriebe müssen Dienstleistungen in mindestens drei Kulturen ausführen, mit geeigneter Technik und einer Werkstatt ausgestattet sein und einen geeigneten Ausbilder vorweisen. Die Anforderungen können auch als Betriebsverbund gelöst werden. Den theoretischen Teil der Ausbildung übernehmen bundesweit neun Berufsschulen.

„Sowohl bei Schulen als auch bei Betrieben versuchen wir, das Angebot zu erweitern“, sagt Alfred Schmid, Geschäftsführer des Bundesverbands für Lohnunternehmen. „Die Anerkennung erfolgt über die Landwirtschaftskammern und staatlichen Stellen. Aber wir können auch nicht alle Bewerber nehmen, denn manche Betriebe sehen die Auszubildenden nur als billige Arbeitskräfte“, meint er.


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