Fachkraft Agrarservice

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Es gibt rund 3.300 Unternehmer in Deutschland, die von landtechnischen Dienstleistungen leben. Und die brauchen qualifizierte Arbeitskräfte. Deshalb rief der Bundesverband Lohnunternehmen (BLU) vor zehn Jahren den Ausbildungsberuf Fachkraft Agrarservice (FAS) ins Leben, den auch Jan Möllerherm gelernt hat. Wir haben uns von Lohnunternehmern die wichtigsten Fragen rund um diesen Beruf beantworten lassen.

Warum Agrarservice?

Seitdem es den Ausbildungsberuf FAS gibt, wurden circa 1.450 Mitarbeiter von Lohnunternehmen ausgebildet. Doch der Bedarf ist weit größer: Der BLU schätzt, dass rund viermal so viele Arbeitskräfte in den Lohnunternehmen benötigt werden. Nach deren Erhebungen müssen wegen des Branchenwachstums und der Fluktuation jährlich mehr als 1.000 neue Mitarbeiter eingestellt werden, um den Arbeitskräftebedarf zu decken. Neben diesen beruflichen Aussichten gibt es noch die Möglichkeit, die Prüfung zum Agrarservicemeister abzulegen.

Wie läuft die Ausbildung ab?

Die Ausbildung dauert drei Jahre, kann aber mit Abitur oder einer abgeschlossenen Lehre auf zwei Jahre verkürzt werden. In einigen Bundesländern wird ein abgeschlossenes Berufsgrundbildungsjahr vorausgesetzt; das gilt ebenfalls als Ersatz für das erste Lehrjahr. Den praktischen Teil der Ausbildung übernehmen dann die Ausbildungsbetriebe. Aktuell befinden sich in den drei Jahrgängen etwa 650 junge Leute in der Ausbildung zur FAS. Bezahlt werden sie nach Tarif.

Was sind die Inhalte?

Die FAS lernen die wirtschaftlichen Zusammenhänge und die betrieblichen Abläufe in Lohnunternehmen ebenso kennen wie das Bedienen, Führen,  Warten und Instandhalten der Maschinen. Außerdem stehen der Pflanzenbau von der Aussaat bis zur Ernte sowie die logistischen Abläufe und die Optimierung der Planung in den Betrieben auf dem Lehrplan. Dazu kommen noch Schulungen in den Bereichen Kommunikation, Information und kundenorientiertes Denken und Handeln. Bei der Weiterbildung zum Agrarservicemeister gehören zu den Inhalten die strategische Planung, das Controlling, die Verfahrenskalkulation, die Preisgestaltung, die Organisation und Vermarktung der Dienstleistungen, Rechtsfragen und die Führung von Mitarbeitern.

Wer ist geeignet?

Die Betriebe stellen überwiegend Auszubildende mit Hauptschul- oder Mittleren Bildungsabschluss ein. Die Lohnunternehmerin und BLU-Präsidentin von Niedersachsen erklärt dazu: Ein vorheriges Praktikum auf einem Betrieb ist gern gesehen. Und der Stoff während der Ausbildung ist nicht zu unterschätzen, deshalb ist eine Fünf in Mathe oder Deutsch bei uns ein Ausschlusskriterium.

Lohnunternehmer Gerd Dettmer ergänzt: Ich lese Zeugnisse von unten nach oben. Das Arbeits- und Sozialverhalten ist mir sehr wichtig. Bei ihm kommen jährlich etwa 70 Bewerber auf drei bis vier Stellen. Bewerber sollten generell Interesse an Landtechnik, Pflanzenbau und Betriebswirtschaft mitbringen sowie kundenorientiert, belastbar und zuverlässig sein.

Eine Alternative für branchenfremde Einsteiger oder gering qualifizierte Schulabgänger kann die Qualifikation zum Landmaschinenführer sein. Hier absolvieren die Kandidaten mehrere Ausbildungsmodule und stellen sich dann freiwillig einer Leistungskontrolle in Form eines Kurztests. Zu den Kernkompetenzen des Landmaschinenführers gehören die Bereiche Landtechnik (Maschinenkunde, Einsatzmöglichkeiten und Leistung), Arbeiten und Geräte im kommunalen Bereich, Grundlagen im Pflanzenbau (Schwerpunkte Mais, Getreide und Grünland) sowie Schulungen zum Verhalten gegenüber Kunden und Kollegen.

Wo kann ich lernen?

Es gibt deutschlandweit 450 Betriebe, die die Anforderungen erfüllen, um FAS auszubilden. Diese Betriebe müssen Dienstleistungen in mindestens drei Kulturen ausführen, mit geeigneter Technik und einer Werkstatt ausgestattet sein und einen geeigneten Ausbilder vorweisen. Die Anforderungen können auch als Betriebsverbund gelöst werden. Den theoretischen Teil der Ausbildung übernehmen bundesweit neun Berufsschulen. Sowohl bei Schulen als auch bei Betrieben versuchen wir, das Angebot zu erweitern“, sagt Alfred Schmid, Geschäftsführer des BLU. Die Anerkennung erfolgt über die Landwirtschaftskammern und staatlichen Stellen. Aber wir können auch nicht alle Bewerber nehmen, denn manche Betriebe sehen die Auszubildenden nur als billige Arbeitskräfte.

Julia Eder, Redaktion traction

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