Gerhard Springs, Horsch Maschinen GmbH

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Der Horsch Maschinen GmbH gelang es, in zehn Jahren den Umsatz um 1.000 Prozent zu steigern. Das macht das Familienunternehmen aus Schwandorf für viele Bewerber interessant.

Zwischen 2003 und 2014 wurde aus dem mittelständischem Betrieb mit einem Jahresumsatz von 23 Mio. Euro ein international tätiges Landtechnikunternehmen mit einem Umsatz von 233 Mio. Euro. Julia Eder aus der Redaktion traction hat mit Gerhard Springs, dem Bereichsleiter im Personalmanagement bei Horsch, über Wachstum, Erfindergeist und Schwandorf gesprochen.

Traction: Michael und Philipp Horsch betonen oft, dass Horsch ein Familienunternehmen ist. Wie wirkt sich das auf den Arbeitsalltag aus?

Springs: Was uns als Familienunternehmen auszeichnet, ist, dass die Eigentümer und die Geschäftsführer sehr stark in die Prozesse vor Ort involviert sind und die Nähe zum Mitarbeiter suchen. Trotz mehr als 1.000 Mitarbeitern will die Familie jedem im Unternehmen eine Heimat bieten und wissen, wie es dem einzelnen geht. Michael und Philipp Horsch sind außerdem Landwirte aus Leidenschaft, haben ihr Ohr am Kunden und können so technische Anregungen und Problemstellungen schnell ins Unternehmen bringen. Die Entwicklungsabteilung kann dann zügig reagieren, sei es durch Produktinnovationen oder Produktanpassungen für den Kunden.

Traction: 2014 ging der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um  knapp acht Prozent zurück. Wie glauben Sie, wird sich der Markt entwickeln?

Springs: Die Geschäftsführer, also Michael und Philipp Horsch und Horst Keller, legen großen Wert darauf, dass wir organisch wachsen, also den Mitarbeitern einen sicheren Arbeitsplatz bieten und ein loyaler Arbeitgeber sind. Die aktuelle Situation sehen wir durchaus kritisch und beobachten den Markt mit Vorsicht. Für 2015 können wir einen Umsatzrückgang im Vergleich zu 2014 nicht ausschließen. Aber Prognosen sind schwierig, weil wir natürlich neue Produkte auf den Markt bringen, die Vertriebsstrukturen ausbauen und unsere Absätze in den verschiedenen Ländern festigen wollen.

Traction: Stellt Horsch im Moment ein?

Springs: Wir stellen im Moment in strategisch wichtigen Schlüsselpositionen ein, zum  Beispiel im Maschinenbau und in der Softwareentwicklung. Vereinzelt werden auch Stellen ergänzt, die aus Wachstumsgründen nötig sind. Das betrifft vor allem unseren Pflanzenschutzstandort Landau an der Isar, wo wir auch in der Produktion einstellen. Wir besetzen aber generell nicht mehr so schnell wie die Jahre zuvor.

Traction: Welche Anforderungen haben Sie generell an Ihre Mitarbeiter?
Springs: Das ist grundsätzlich eine gute Ausbildung beziehungsweise der gute Studienabschluss, also dass der Bewerber die fachliche und methodische Kompetenz unter Beweis gestellt hat. Des Weiteren sind soziale und persönliche Kompetenzen wichtig. Bedingt durch die Branche sollten Mitarbeiter eine hohe Flexibilität und Reisebereitschaft mitbringen, die wir benötigen, um die Kunden vor Ort bedienen zu können. Außerdem muss der Mitarbeiter den Anspruch haben, eine qualitativ hohe Leistung zu bringen. Und durch die Internationalisierung müssen sich die Mitarbeiter sicher auf interkulturellem Terrain bewegen können.

Traction: Horsch hat Standorte in Frankreich, den USA, in der Ukraine, England und in Russland. Sind weitere Standorte in Planung?

Springs: Momentan konzentrieren wir uns auf unsere Kernmärkte. Wir wollen unser Vertriebsnetz in den jeweiligen Ländern ausbauen und die Position mit Standortprodukten und auch neuen Produkten stärken. Natürlich prüfen wir, in welche Länder unsere Produkte sonst noch passen, aber da kann man jetzt noch nichts Konkretes nennen.

Traction: Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie mit der internationalen Ausrichtung?

Springs: Der finanzielle Gewinn ist natürlich das eine. Zum anderen fließen die unterschiedlichen Kulturen auch in den Standort Deutschland zurück und erweitern den Horizont. Die Kollegen sehen etwas Neues, lernen andere Gebräuche und Sitten kennen. Das macht den Standort bunter und das Unternehmen profitiert davon. Das Reisen in andere Länder betrifft natürlich nur einen kleinen Bruchteil aller Mitarbeiter, aber der Kontakt zu den Kollegen in anderen Ländern bewirkt schon viel.

Traction: Ansonsten bleiben die meisten Mitarbeiter am Standort Schwandorf. Wie bekommt man gute Fachkräfte dazu, dorthin zu ziehen?

Springs: Das Image der Region ist leider nach wie vor etwas schlechter als die Region selbst. Der Landkreis Schwandorf ist wirtschaftlich sehr erfolgreich und hat sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt. Wir können hier Vollbeschäftigung verzeichnen, es gibt ein gutes Schulnetz, günstige Wohnungen und Baugrund, viel Natur mit einer Seenlandschaft. Wir haben hier das Motto: Während andere noch an der Ampel stehen, springen wir schon in den Badesee. Das alles macht Schwandorf auch für junge Menschen attraktiv. Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass jemand, der aus der Landwirtschaft kommt, ohnehin lieber auf dem Land wohnt als in Ballungszentren. Und wenn jemand
wirklich in die Stadt will, ist Regensburg nur 20 km weg.

Traction: Sie sprachen gerade den landwirtschaftlichen Hintergrund von Mitarbeitern an. Ist der gewünscht oder Pflicht?

Springs: Aus der Stammbelegschaft heraus haben die meisten einen landwirtschaftlichen Hintergrund. Das ändert sich zunehmend, weil die klein strukturierte Landwirtschaft zurückgeht. Der Hintergrund ist zwar nicht notwendig, aber wünschenswert. Er hilft, die Branche und die Strukturen zu verstehen. Zum Beispiel im Kundendienst, bei der Verkaufsförderung, aber auch in der Entwicklung ist es wichtig zu
verstehen, was genau eine Maschine im Boden macht und welche Parameter zu berücksichtigen sind.

Traction: Ist man mal bei Horsch angestellt, ist die Fluktuation vergleichsweise gering. Woran liegt das?

Springs: Die Geschäftsführung und die Familie Horsch lebt eine tolle Kollegialität vor. Man verbringt so viel Zeit im Unternehmen, da wäre es schlimm, sich dort nicht wohl zu fühlen. Deshalb engagieren sich alle für ein gutes Betriebsklima. Und auch so Dinge wie Ferienbetreuung für Kinder, flexible Arbeitszeiten oder Bonuszahlungen für Mitarbeiter tragen zu einem guten Betriebsklima bei.

Traction: Wir haben den Konstrukteur Alexander Haselhoff bei seiner Arbeit begleitet und den Eindruck gewonnen, dass Horsch vor allem bei Ingenieuren und Maschinenbauern sehr beliebt ist als Arbeitgeber. Ist das auch Ihre Erfahrung?

Springs: Ja, das liegt wohl an unseren technisch innovativen Produkten. Die Produkte sind sehr komplex, was eine große Herausforderung für Entwickler ist. Und wir geben den Entwicklern viel Freiraum. Kleine Teams entwickeln komplette Maschinen. Das ist, denke ich, einzigartig. Und sie sind als Entwickler nicht abgeschottet, sondern in Tests und in die Praxiseinsätze integriert. Michael und Philipp Horsch fördern auch, dass die Entwickler hinausfahren und die Praxis erleben, um den Bezug
dazu nicht zu verlieren.

Traction: Den Einzelnen fördern ist auch ein Punkt in Ihrem Unternehmensleitbild. Wie genau sieht diese Förderung aus?

Springs: In den vergangenen Jahren haben wir die Personalentwicklung systematisch aufgebaut. Ein wesentliches Element ist das Personalgespräch. Darin werden individuelle Ziele des Mitarbeiters formuliert und ein Entwicklungsplan erstellt. Ein weiterer Punkt ist das Thema Nachfolgeplanung, wo wir Mitarbeiter so schulen, dass wir Stellen auch weiterhin mit eigenen Mitarbeitern besetzen können.

Das Interview erschien in der traction-Ausgabe März/April 2015.

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