Heinrich Wingels, Bernard Krone GmbH

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Wer sich mit Mitarbeitern von Krone unterhält, merkt schnell: Man ist selbstbewusst, aber trotzdem bodenständig und praxisnah. Das mittelständische Unternehmen aus dem emsländischen Spelle konnte seine Marktposition in den vergangenen 15 Jahren national wie auch international deutlich stärken. Ein Grund war die starke und visionäre Führung durch Eigentümer Dr. Bernard Krone. Er war es, der die Bodenbearbeitung und den landwirtschaftlichen Anhängerbau aus dem Sortiment nahm, um sich voll und ganz auf die Grünfutterernte zu konzentrieren. Und er war es auch, der auf der Entwicklung eines eigenen selbstfahrenden Feldhäckslers beharrte. Diese Entscheidung war riskant, erwies sich aber als goldrichtig. Pünktlich zum Start des Biogasbooms in Deutschland war der BiG X fertig. Matthias Mumme, Chefredakteur der traction, hat sich mit Heinrich Wingels, Prokurist und Leiter Marketing und Pressearbeit bei Krone, über Einstiegs- und Aufstiegsmöglichkeiten im Unternehmen unterhalten.

Traction: Krone sitzt in einer Region, die durch zahlreiche Landtechnikhersteller geprägt ist. Wie stark ist die Konkurrenz um neue, gut qualifizierte Arbeitskräfte?

Wingels: Der Hintergrund dafür, dass in unserer Region so viele Landmaschinenhersteller sind, liegt in der Industrialisierung des Ruhrgebiets im 19. Jahrhundert. Um die Millionen von Stahl und Kohlearbeiter mit ihren Familien zu versorgen, bildete sich ein Ring intensivster Landwirtschaft um das Ruhrgebiet, der so genannte Speckgürtel. Diese Landwirtschaft brauchte leistungsstarke Technik und deshalb entwickelten sich viele Betriebe wie auch Krone von Schmiedebetrieben zum leistungsfähigen Landtechnikhersteller. Natürlich wirkt sich diese Konzentration auf den Arbeitsmarkt aus und wir sind alle bemüht, tüchtige Mitarbeiter für unsere Unternehmen zu gewinnen. Eines ist jedoch nicht zu vernachlässigen: Den Wettbewerb um die besten Köpfe bei zum Beispiel Maschinenbauern führen wir weniger mit den Berufskollegen als viel mehr gegen die großen Auto- oder Industriekonzerne, die viel stärker im Fokus von Studienabgängern sind als die Landtechnikbranche, und das, obwohl Ingenieure bei mittelständischen Landmaschinenherstellern viel ganzheitlicher arbeiten können.

Traction: Krone hat sich voll und ganz auf die Grünfutterernte spezialisiert. Inwiefern ist es für Bewerber von Hochschulen relevant, auf diesen Gebieten ein tieferes Fachwissen vorzuweisen?

Wingels: Natürlich ist es von Vorteil, wenn junge Kollegen, die bei Krone in den Bereichen Vertrieb oder Marketing arbeiten möchten, über ein gewisses landwirtschaftliches Grundwissen verfügen. Denn das macht es ihnen leichter, die Denkweise unserer Kunden zu verstehen und basierend darauf eine professionelle fachliche Kommunikation zu führen. Dabei ist es vorteilhaft, wenn sich Bewerber mit allen Themen rund um die Kuh ein wenig auskennen. Aber es ist keine unverzichtbare Bedingung, um erfolgreich bei einem Gerätespezialisten wie Krone zu arbeiten. Wichtiger ist die Freude am Umgang mit Menschen, der Wille zur offenen Kommunikation und die Bereitschaft, sich Fachthemen intensiv zu erarbeiten. Hier sehen wir auch die Hauptaufgaben der Hochschulen, nämlich ihren Studenten die analytischen und gestaltenden Kompetenzen zu vermitteln, die sie brauchen, um sich in einem ständig wandelnden Berufsumfeld schnell und zielgerichtet zu orientieren und entsprechend zu agieren.

Traction: Immer weniger Absolventen der Bereiche Maschinenbau und Agrarwissenschaften stammen von einem landwirtschaftlichen Betrieb. Wie geht Krone damit um?

Wingels: Wie bereits angedeutet sehen wir unsere größte und auch branchenübergreifende Aufgabe darin, junge Menschen aus dem nicht agrarischen Umfeld für Landwirtschaft und Landtechnik zu begeistern, wobei dies heute bereits erheblich leichter ist als noch vor zehn Jahren, als unser Wirtschaftsbereich ein ziemlich angestaubtes Image hatte. In den letzten Jahren ist, auch getragen über die überregionalen Tages- und Wirtschaftsmedien, ein gewisser Wandel zu spüren. Die Erkenntnis, dass wir, um die Ernährung der Weltbevölkerung in den kommenden Jahrzehnten zu gewährleisten, noch ungeheure Potenziale in Anbauverfahren und Technik mobilisieren müssen, findet allmählich ihren Weg in die Gesellschaft. Das hat zur Folge, dass sich junge Leute aus dem städtischen Bereich mehr mit unserem Wirtschaftszweig befassen. Das ist gut, denn erstens brauchen wir mehr technische und betriebswirtschaftliche Mitarbeiter, als wir sie aus dem landwirtschaftlichen Bereich rekrutieren können, und zweitens können Mitarbeiter aus einem eher urbanen Umfeld viel dazu beitragen, unsere Botschaften in eine urban geprägte Gesellschaft zu transportieren.

Traction: Welche Absolventen oder Studienrichtungen sind bei Krone besonders gefragt?

Wingels: Besonders in den Bereichen Maschinenbau und Elektronik sind wir stets auf der Suche nach guten Nachwuchskräften; genauso sind Hochschulabsolventen der Agrarwissenschaften für die Bereiche Vertrieb und Marketing stets interessant für Krone. Für unsere vielen Abteilungen mit ihren mannigfaltigen Funktionen haben jedoch die verschiedensten Studiengänge vom Betriebswirtschaftler bis zum Juristen eine Chance, in unserem Landmaschinenwerk in Spelle oder aber auch in unserem Fahrzeugwerk in Werlte eine interessante Position zu finden.

Traction: Welche Entwicklungsmöglichkeiten kann Krone Berufseinsteigern bieten?
Wingels: Einstiegsszenarien bei Krone sind die klassische Ausbildung, der duale Studiengang oder unser Trainee-Programm nach der Hochschulausbildung. Aus allen Ebenen können sich bei entsprechender Eignung und Motivation weitreichende Entwicklungsmöglichkeiten ergeben. So haben wir in beiden Werken heute Abteilungsleiter, die über das Trainee-Programm zu uns gefunden haben. In einem Unternehmen wie Krone können junge Mitarbeiter schnell und auf kurzem Wege zeigen, was in ihnen steckt, weil die Hierarchien extrem flach sind und alle Beteiligten einen deutlich transparenteren Blick haben, als dies bei einem internationalen Multi der Fall ist. Es sei aber genau so deutlich kommuniziert, dass wir bei Krone nicht nur Führungspositionen zu besetzen haben, sondern wir auch immer nach Nachwuchskräften Ausschau halten, die in Projekt- oder Sachbearbeiterfunktionen einen anspruchsvollen, interessanten und sicheren Arbeitsplatz in einem familiär geprägten Unternehmen suchen.

Matthias Mumme, Chefredakteur der Zeitschrift traction

Das Interview erschien in der traction-Ausgrabe Januar/Februar 2014.

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