Michael Hyllan, CLAAS

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Was vor mehr als 100 Jahren mit Strohbindern begann, ist mittlerweile zum Weltmarktführer bei Feldhäckslern und zum europäischen Marktführer für Mähdrescher gewachsen. Aus der 1913 gegründeten Firma Gebrüder Claas wurde der internationale Landmaschinenkonzern Claas KGaA mbH. Julia Eder von der Redaktion traction hat mit Michael Hyllan, dem Leiter des zentralen Personalmanagements, über die Karrieremöglichkeiten bei dem Unternehmen gesprochen.

Traction: Die Konkurrenz für gute Mitarbeiter, die auch Ahnung von der landwirtschaftlichen Praxis haben, ist groß. Was kann Claas bieten, was andere nicht können?

Hyllan: Wir sind ein Global Player, der weltweit größte deutsche Erntetechnikhersteller. Dadurch ergeben sich spannende Perspektiven und Aufgaben für junge Menschen, um sich weiterzuentwickeln. Wir haben betriebswirtschaftliche, vertriebliche und technische Aufgabenbereiche und in allen Bereichen gibt es in Deutschland und im Ausland Optionen. Wir suchen beispielsweise Menschen mit Affinität zu Amerika, China und Südostasien, unseren größten Wachstumsmärkten. Wir sind internationaler als so manches Unternehmen, das sich Internationalität auf die Fahnen schreibt.

Traction: Wie passt diese Internationalität mit der Philosophie eines deutschen Familienunternehmens zusammen?

Hyllan: Wir verkörpern die Werte eines klassischen Familienunternehmens und betten diese in das Geschäft ein, das international ausgerichtet ist. Diese Werte sind unter anderem Verlässlichkeit und Langfristigkeit. Natürlich schauen wir uns die Geschäftszahlen an. Aber wir sind nicht quartalsorientiert und nicht an kurzfristigen Erfolgen interessiert, sondern dass sich Dinge auf Dauer positiv entwickeln. Es gibt eine klare Strategie und Ausrichtung und ich glaube, das merkt man auch in der Zusammenarbeit: Wir erwarten ein Verantwortungsbewusstsein bei unseren Mitarbeitern und haben als Unternehmen auch ihnen gegenüber ein Verantwortungsgefühl.

Traction: Wie das in der Praxis aussieht, sehen viele Mitarbeiter zunächst bei einem Praktikum. Was sollte man im Praktikum leisten, damitman auch langfristig bei Claas bleiben kann?

Hyllan: Neben dem fachlichen Fundament sollten sich die Praktikanten aktiv einbringen und mitarbeiten wollen. Dass sie dafür ausreichend Möglichkeiten haben, zeigt der Status Fair Company, den wir bekommen haben. Wir binden die Praktikanten ähnlich wie Auszubildende ins Tagesgeschehen ein oder übertragen ihnen eigene Projekte.

Traction: Sollte man ein Praktikum bei Claas gemacht haben, um später eine Chance auf eine Festanstellung zu haben?

Hyllan: Das Praktikum bei Claas hilft natürlich, weil wir dadurch ein Bild von dem Bewerber bekommen. Praktika, egal wo, zeigen, dass jemand die berufliche Welt kennen gelernt hat. Aber es gibt auch Bewerber, die durch andere Aspekte so interessant sind, dass wir sie unbedingt kennen lernen wollen. Letztendlich zählt der Gesamteindruck.
Traction: Bettina Armgart aus dem Karriereporträt in der traction Ausgabe 05/2014 hat erst eine Lehre, dann ein Studium und nebenbei viele Praktika und Auslandsaufenthalte absolviert. Welchen dieser vier Schritte schätzen Sie besonders wichtig ein?

Hyllan:  Was Frau Armgart gemacht hat, ist natürlich beispielhaft. Ich halte keinen Schritt für überflüssig, aber wichtig ist, dass jede Station gut erklärt werden kann, dass der Bewerber einen Nutzen daraus gezogen hat und dass ein Ziel erkennbar ist. Die Ausbildung ist wichtig, um herauszufinden, wie der Berufsalltag funktioniert. Das Studium ist eine intellektuelle Herausforderung, die man im Rahmen von Praktika in die Praxis umsetzt. Und Auslandserfahrungen halten wir für sehr wichtig, weil der Großteil unserer Kunden und Mitarbeiter inzwischen außerhalb von Deutschland tätig ist. Jemand, der an Interkulturalität Interesse hat, bringt sehr gute Voraussetzungen mit.

Traction: Ein anderer Aspekt, den wir bei Frau Armgart gesehen haben, ist, dass lange Arbeitstage keine Seltenheit ist. Wie reagiert Claas als Arbeitgeber darauf?

Hyllan: Die Erntezeit ist natürlich eine Besonderheit in unserer Branche. Da geht es bei unseren Kunden rund; also müssen wir für sie da sein. Interessanterweise wird das von den betroffenen Mitarbeitern akzeptiert: zum einen weil sie die landwirtschaftliche Praxis kennen und zum anderen weil wir in der Vor- und Nacherntezeit einen zeitlichen Ausgleich schaffen können.
Traction: Wenn man also für Claas arbeiten möchte, welche Einstiegsmöglichkeiten gibt es neben einem Praktikum?

Hyllan: Wir bilden aus, bieten ein duales Studium an und haben internationale Traineeprogramme mit zwei Stationen im Ausland. Discover India und Discover China sind zwei weitere Traineeprogramme mit Ausrichtung auf speziell diese Länder. Außerdem gibt es ein Gap Year Program, mit dem Studenten in der Zeit zwischen Bachelor und Master in Deutschland oder im Ausland für uns arbeiten können.

Das Interview erschien in der traction-Ausgabe September/Oktober 2014.

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