Ich arbeite gern an Maschinen

Florian_Meckl

Während manche Arbeitnehmer ihren Firmeninhaber höchstens einmal bei der jährlichen Weihnachtsfeier zu Gesicht bekommen, sind die Angestellten der Firma Horsch im oberpfälzischen Schwandorf anderes gewöhnt. Gerade jetzt läuft Philipp Horsch, einer der Eigentümer des Familienunternehmens, durch die kleine Eingangshalle. Florian Meckl, einer der 470 Angestellten am Standort, schaut ihm hinterher. Er kommt regelmäßig im Büro vorbei und schaut nach dem Rechten. Und da er der Leiter meiner Abteilung, der Konstruktion, ist, rufe ich ihn auch häufiger an, erzählt der 27-Jährige. Erst letzte Woche habe ich ihm eine E-Mail geschrieben, weil es ein Problem mit einem Maschinenbauteil gab. Zehn Minuten später stand Herr Horsch bei mir im Büro. Wir haben das Problem schnell und effizient geklärt. Genau das mag Florian so an seinem Arbeitsplatz: kurze Wege, flache Hierarchien, unkomplizierte Abläufe. Und natürlich die Maschinen.

Praktisch arbeiten

Die Firma Horsch entstand aus der praktischen Landwirtschaft und wurde 1984 gegründet. Sie gehört zu den führenden Herstellern im Bereich Bodenbearbeitung, Sätechnik, Pflanzenschutz und Erntelogistik. Insgesamt sind vier Familienmitglieder im Unternehmen in der Konzernleitung tätig: Michael Horsch und seine Frau Cornelia, Philipp und Traugott Horsch. Neben dem Stammsitz in Schwandorf besitzt die Firma ein Werk in Ronneburg (2007), den Pflanzenschutzstandort Landau an der Isar und Niederlassungen in Frankreich, England, der Ukraine und Russland.

Florian arbeitet am Standort Schwandorf in einem fünfköpfigen Team, das für verschiedene Bodenbearbeitungsgeräte zuständig. Er selbst betreut die Kurzscheibenegge Joker
(10 und 12 m Arbeitsbreite), demnächst wohl auch die Grubber der Reihe Tiger. Für die Neukonstruktion und die Weiterentwicklung nutzen wir 3-D-CAD-Zeichenprogramme, berichtet der Maschinenbauer mit Abschluss Bachelor of Engineering. Wie man das Programm nutzt, hat er übrigens bei Philipp Horsch persönlich gelernt. Mit diesem Programm kann ich alle Details der Maschinen genauestens ansehen, oder ich kann meine Ideen für eine Verbesserung grafisch umsetzen. Ruft beispielsweise einer der Kundenbetreuer an, die direkt mit den Landwirten in Kontakt stehen, und meldet eine Reklamation, prüft Florian zunächst, wo das Problem liegen könnte. Ist die Bodenbearbeitungsmaschine sachgerecht eingesetzt worden, oder wurden vielleicht zu viele PS davor gespannt? Oder gibt es wirklich eine Schwachstelle, die bei der gesamten Baureihe verbessert werden muss?

Direkte Umsetzung

Seine Ideen und Vorschläge bespricht er mit seinem Teamchef, und wenn der zustimmt, wird optimiert. Sollten wirklich unerwartet gravierende Mängel vorliegen, können die in bis zu zwei Wochen behoben werden an der gesamten Serie, die vom Band läuft. Kleinere Ideen werden zur Kundenzufriedenheit behoben und bei der Entwicklung des nächsten Modells oder zum Jahresende berücksichtigt. Das ist viel Schreibtischarbeit, sagt der 27-Jährige, aber natürlich bin ich auch viel draußen unterwegs, beispielsweise auf unseren eigenen Testbetrieben oder in der Fertigungshalle. Wenn nötig, nimmt er auch selbst den Schraubenschlüssel in die Hand. Und gerade das, findet er, macht seinen Job so spannend.

Technik, die begeistert

„Ich brauche irgendwas Dynamisches, was sich bewegt. Technik halt, lacht er. Schon als Kind war sein liebstes Spielzeug Lego Technik. Was lag da näher, als nach der Schule Maschinenbau zu studieren? 2011 machte er seinen Bachelor of Engineering an der Fachhochschule Amberg-Weiden. Seine erste Stelle nahm er bei Witron an, einer Firma für Lagerlogistik und Lagersysteme. Der Job hatte sich recht kurzfristig ergeben. Ich hatte da auch schon mein Praxissemester gemacht und so bekam ich schnell eine Stelle. Aber so ganz das Richtige war das für mich einfach nicht zu statisch. Außerdem wurde der 60 km lange Arbeitsweg mehr und mehr zur Belastung. Und so bewarb sich der Maschinenbauer bei Horsch, denn zum einen hat er bis dahin nur 20 km zu fahren, zum anderen und das, betont Florian, war der wichtigere Grund warteten dort spannendere Aufgaben auf ihn. Ich bin als kleiner Junge ja schon immer gern Schlepper gefahren. Meine Großmutter hatte noch einen landwirtschaftlichen Betrieb, und so war mir Horsch natürlich sowieso ein Begriff. Und ich hab mich sehr gefreut, als ich die Zusage bekam. Am 1. Januar 2013 startet er in seinen ersten Arbeitstag.

Gute Einarbeitung

In den ersten Wochen durchlief Florian alle Abteilungen, um die Firma und vor allem die Kollegen kennen zu lernen. Außerdem habe ich in der Produktion zwei Wochen lang mit Maschinen zusammengeschraubt. Das finde ich extrem wichtig, denn so ist man viel näher dran an der Technik. Anfang Februar bekam er seinen eigenen Arbeitsplatz und arbeitete erst einmal dem Teamleiter zu. Ich habe dem viel über die Schulter geschaut, um zu lernen. Nach und nach habe ich immer eigenständiger gearbeitet und meine ersten eigenen Zeichnungen am Computer erstellt. Im Oktober 2013 wurde ich dann fest für die Betreuung der Kurzscheibenegge Joker eingeteilt. Eine eigene Maschine komplett entworfen oder mit entwickelt hat er bislang noch nicht. Aber das wird sicherlich irgendwann der Fall sein, und darauf freue ich mich. Wobei, erklärt er, es ist ja nicht so, dass eine Maschine am Rechner entworfen wird, gebaut und dann direkt ausgeliefert werden kann. Bis wir sie auf den Markt bringen, können bis zu zwei Jahre oder mehr vergehen.

Die ersten Prototypen werden gebaut, auf den eigenen Betrieben oder den Partnerbetrieben getestet und immer wieder verbessert. Bis zu zehn Exemplare werden auf unterschiedlichsten Böden und unter allen möglichen Bedingungen getestet. Erst wenn alle Ergebnisse zufriedenstellend sind, geht die Maschine in Serienproduktion. Der Weg dahin ist sicher sehr spannend. Aber bisher bietet auch die Betreuung der Joker genug Aufregendes, denn es ist ja alles noch relativ neu für mich.

Angekommen

Einige Monate nach ihm hat ein neuer Kollege im Team angefangen. Ich fand es schön, nicht mehr das Nesthäkchen zu sein, lacht Florian. Aber eigentlich ist das nicht so wichtig. Wir haben ein tolles Miteinander im Team und einen sehr familiären Umgang wie überall in der Firma. Das ist mir ebenso wichtig wie die fachliche Herausforderung.

Julia Davids – Redaktion dlz karriere

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