Duale Hochschule Baden-Württemberg

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1980 ging es mit 18 Studierenden los am Standort Mosbach, damals noch unter dem Namen „Außenstelle der Berufsakademie (BA) Mannheim“. Heute sind es rund 3.600 junge Leute, an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach und ihrem Campus Bad Mergentheim studieren. Das Besondere des dualen Studiums: Interessenten bewerben sich nicht an der Hochschule, sondern bei den kooperierenden Ausbildungsunternehmen. Sie verdienen während der gesamten Studienzeit Geld und erfahren einen engen Theorie-Praxis-Transfer durch die jeweils dreimonatigen Praxisphasen in den Unternehmen. Das duale Bachelor-Studium läuft über insgesamt sechs Semester  ohne lange Semesterferien. Da es als Intensivstudium anerkannt ist, erhalten Absolventen nicht nur die üblichen 180 Credit Points, sondern insgesamt 210 Punkte. Der Vorteil: Ist im Anschluss ein Masterstudium geplant, kann sich dadurch die Dauer des weiterführenden Studiums um ein Semester verkürzen.

Prof. Dr. Hubert Speth, der zusammen mit Prof. Dr. Alexander Neumann den dualen Bachelor-Studiengang BWL-Handel mit den Vertiefungen „Branchenhandel Agrar“ und „Branchenhandel Holz“ leitet, gibt Auskunft über diese branchenspezifischen Spezialisierungen:  

Wie kam es, dass Sie diese speziellen Kombinationen aus wirtschafts- und agrarwissenschaftlichen Themen anbieten?
Bereits seit 30 Jahren bieten wir den Handels-Studiengang mit dem Branchenschwerpunkt Holz an. Seit 1984 haben wir in Kooperation mit rund 400 Holzhandels- und Industrieunternehmen über 500 Absolventen erfolgreich ausgebildet. In den vergangenen Jahren kamen dann immer mehr Unternehmen aus dem Agrarhandel auf uns zu. Ihr Problem war, dass die Absolventen der klassischen Agrarhochschulen zwar ausgewiesene Agrarexperten sind, ihnen aber häufig die von den Unternehmen benötigten BWL-Kenntnisse fehlen. Umgekehrt haben Betriebswirtschaftler oft zu wenig Ahnung von Agrarwissenschaft. Der Wunsch war, angelehnt an die bestehenden branchenspezifischen Schwerpunkte Holz, Bau und Haustechnik etwas Entsprechendes für die Agrarbranche zu entwickeln. Im 2012 gestarteten Studiengang „BWL-Handel Branchenhandel Agrar“ bilden wir keine Landwirte oder Agrarwissenschaftler aus, sondern Betriebswirte mit vertiefenden agrarwissenschaftlichen Kenntnissen.

Wie hoch ist der agrarwissenschaftliche Anteil innerhalb des Studiums?
Ungefähr 30 bis 35 Prozent des Studiums sind Agrarinhalte. Die betriebswirtschaftlichen Inhalte reichen von den Grundlagen der BWL bis hin zu Buchführung, Marketing und Supply-Chain-Management, Bilanzanalyse, Mitarbeiter- und Unternehmensführung. Die Agrarthemen behandeln unter anderem naturwissenschaftliche Grundlagen, Pflanzenbau und Tierzucht, Agrartechnik, ökologischen Landbau, Agrarrecht, Agrarlogistik und Vertrieb von Agrarprodukten. Außerdem vermitteln wir unseren Studierenden einen genauen Überblick über die Marktteilnehmer in der Agrarbranche.

Wie rege ist die Nachfrage der Unternehmen, Ausbildungspartner zu werden?
Aufgrund der demografischen Entwicklung haben wir viel mehr Unternehmen, die Studierende suchen, als Interessenten, die sich bewerben. Im Studiengang BWL-Handel zählen wir dieses Jahr insgesamt 280 Firmen, die Studierende suchten. Aber nur 170 Unternehmen haben passende Bewerber gefunden.

Der erste Jahrgang von „Branchenhandel Agrar“ wird 2015 seinen Abschluss machen. Hier gibt es noch keine Erfahrungen zu den Beschäftigungschancen. Wie sind die Berufsaussichten der Absolventen aus den anderen branchenspezifischen Vertiefungen wie „Branchenhandel Holz“?

Wir haben eine Übernahmequote von 80 bis 90 Prozent durch die Unternehmen. Aber auch wer anschließend woanders eine Stelle sucht, hat durch die praxisnahe Ausbildung sehr gute Beschäftigungschancen. Eine Besonderheit des dualen Systems ist, dass wir einen sehr hohen Anteil an externen Dozenten aus Wirtschaft und Agrarindustrie haben etwa 60 Prozent. Daher fließt in die Studienhinhalte sehr viel Tagesaktuelles aus der jeweiligen Branche ein. In den Praxisphasen führen die Studierenden in jedem Jahr Projektarbeiten  im dritten Jahr ist das dann die Bachelor-Arbeit zu konkreten Themen aus den Unternehmen durch. Sie beschäftigen sich also intensiv mit praxisrelevanten Fragestellungen.

Gibt es Studierende, die ein Master-Studium anschließen?
Einige der Absolventen mit Schwerpunkt „Branchenhandel Holz“ haben ein Master-Studium an einer der klassischen Forsthochschulen aufgenommen. Auch an der DHBW bieten wir duale Master-Studiengänge an, etwa mit den betriebswirtschaftlichen Schwerpunkten Marketing, Logistik oder Internationales Business.  Doch die meisten Absolventen bleiben in den Unternehmen, nur wenige entscheiden sich für einen Master allerdings mit wachsender Tendenz.

Wie international ist das Studium?
Studierende,  die an einer internationalen Laufbahn interessiert sind, können am Standort Mosbach die Inhalte des dritten und vierten Semesters auf Englisch hören. Sie können auch das vierte Semester an einer weltweit über 60 Partner-Hochschulen von Australien bis Chile, von Singapur bis Neuseeland absolvieren  immer in Abstimmung mit den Unternehmen. Da diese an der Persönlichkeitsentwicklung ihrer Studierenden interessiert sind, werden sie einen solchen Wunsch selten ausschlagen. Auch die Zusammensetzung der Studiengänge wird immer bunter: Da sich viele Unternehmen zunehmend international aufstellen, verzeichnen wir dieses Jahr zum Beispiel Studierende aus Italien, Polen, Slowenien, Rumänien und Finnland. Diese absolvieren die kompletten drei Jahre hier, um später in ihre Länder zurückzukehren und dort für die Unternehmen zu arbeiten.

Die Studiengänge am Campus Mosbach der DHBW im Überblick

Duales Bachelor-Studium

Branchenhandel Holz: Diese Vertiefung im Studiengang „BWL-Handel“ ist bereits seit 30 Jahren im Angebot der DHBW Mosbach. Die Studieninhalte reichen von rechtlichen, betriebs- und volkswirtschaftlichen Kenntnissen über Themen wie Holz-Bestimmung und Verwendung, Bauphysik und Holzbaukunde, Holz- und Baurecht bis hin zu Mathematik, Statistik und Sozialkompetenz.

Branchenhandel Agrar: Diese Vertiefung im Studiengang „BWL-Handel“ startete im Oktober 2012. Sie umfasst drei Schwerpunktbereiche: Fächer der allgemeinen Betriebswirtschaft, vertriebs- und logistikbezogene Schwerpunktfächer sowie agrarspezifische Fächer. Zu den agrarspezifischen Inhalten gehören unter anderem Pflanzen- und Tierkunde, Politik und Recht, Agrar, Umwelt, Lebensmittel, Organisationen im Agrarbereich sowie Agrarvertrieb.

Leben und Wohnen

In Mosbach treffen Moderne und Idylle aufeinander: Am Campus finden sich Hightech-Labore für Lehre und Forschung, die Innenstadt ist durch Fachwerkhäuser geprägt. Wer hier studiert, findet einerseits die erforderliche Ruhe, andererseits viele Sport- und Freizeitangebote in einer aktiven Studierendengemeinschaft. Kurze Wege, eine persönliche Atmosphäre und Professoren, die ihre Studierenden kennen, erleichtern das Studium. Der Wohnungsmarkt bietet ein breites Angebot privater Vermieter zu moderaten Preisen. Zudem besteht die Möglichkeit, ein Zimmer im Studentenwohnheim zu mieten.

Hilfen für den Start

Einstiegshilfen akademischer Art erhalten die Studierenden in Vorkursen. Sie können vorab online testen, wo sie mit ihren bisherigen Kenntnissen stehen. Stellen sie dabei fest, dass ihnen zum Beispiel wirtschaftliche oder mathematische Grundkenntnisse fehlen, können sie die Lücken in speziellen Kursen ausgleichen. Erstsemester werden an der DHBW Mosbach herzlich aufgenommen: Einführungen veranstalten beispielsweise die höheren Semester oder  wie beim Scherpunkt „Branchenhandel Holz“ üblich  der Alumni-Club. Die Stadt Mosbach organisiert Stadtführungen und die Hochschule bietet Führungen durch die verschiedenen Hochschuleinrichtungen an.

Kontakt

Duale Hochschule Baden-Württemberg Mosbach
Fakultät Wirtschaft, Studiengang BWL-Handel
Lohrtalweg 10
74821 Mosbach
Prof. Dr. Hubert Speth
Tel. 06261 939-276
speth@dhbw-mosbach.de
Prof. Dr. Alexander Neumann
Tel. 06261 939-113
neumann@dhbw-mosbach.de

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