Fachhochschule Bingen

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Rund 2.500 junge Menschen studieren am FH-Campus in Bingen-Büdesheim, ungefähr 250 davon sind in einen agrarwirtschaftlichen Studiengang eingeschrieben. Trotz der großen Nachfrage nach einem Agrarstudium ist die Anzahl der Studierenden noch überschaubar. Das macht auch einen zentralen Vorteil der Fachhochschule aus: Die Studierenden arbeiten in kleinen Gruppen zusammen und es bestehen persönliche Arbeitsbeziehungen zu den Professoren. Ein zweiter Vorteil liegt im Themenschwerpunkt der Hochschule erneuerbare Energien, der zahlreiche Anknüpfungspunkte für den Agrarbereich bietet. So sind Master- oder Bachelorarbeiten möglich, die Themen aus den Umweltwissenschaften, der Biotechnologie oder auch technische Fragestellungen aufgreifen. Die meisten Studierenden folgen aber der klassischen, breiten agrarwirtschaftlichen Ausbildung mit den Kernbereichen Tier- und Pflanzenproduktion, Ökonomie und Technik. Übergreifendes Thema ist die nachhaltige Nutzung der Ressourcen in der Landwirtschaft.

Die Agrarwirtschaft in Bingen ist im Fachbereich 1  „Life Sciences and Engineering“ angesiedelt. Eine Besonderheit stellen die ausbildungsintegrierten Studiengänge „Agrarwirtschaft“ und „Weinbau und Oenologie“ dar. Professor Dr. agr. Clemens Wollny, Studiengangsleiter Agrarwirtschaft an der FH Bingen, erklärt, wodurch sich ein Agrarwirtschaftsstudium in Bingen auszeichnet:

Bingen liegt in der Pfälzer Weinregion und gleichzeitig nah am Ballungsgebiet Rein-Main. Spielt die Lage eine Rolle für die Studierenden?

In Erstsemesterbefragungen haben wir herausgefunden, dass der touristisch attraktive Standort Bingen und die Lage am Rhein für die Studienortwahl gar keine so große Rolle spielen. Die Studierenden sind eher inhaltlich orientiert: Was wird geboten? Wie passt das zu meinen Interessen? Relativ gut ist die Wohnungssituation in Bingen und den umliegenden Gemeinden. Wohnungsprobleme sind mir nicht bekannt, auch das Preisniveau ist niedriger als in den Großstädten. Zum Wintersemester 2014/2015 gibt es zudem erstmals ein Studentenwohnheim in Bingen.

Wie verhalten sich Studienplatznachfrage und -angebot?

Die Nachfrage nach den Bachelorstudiengängen ist sehr hoch. Dennoch haben wir keinen Numerus Clausus eingeführt, obwohl wir deutlich über unserer Kapazität arbeiten. Wir müssen alle Studierenden aufnehmen, die die Voraussetzungen die Fachhochschul- oder Hochschulreife und ein Vorpraktikum erfüllen. Im Masterstudium dagegen bestehen noch freie Kapazitäten, denn die Kombination Landwirtschaft und Umwelt ist noch relativ neu. Hinzu kommt, dass die Studierenden sehr schnell Jobs finden. Viele beginnen ein Masterstudium und erhalten gleich ein Stellenangebot.

Wodurch zeichnet sich das ausbildungsintegrierte Bachelorstudium „Agrarwirtschaft“ aus?

Der Vorteil ist, dass die Studierenden nach insgesamt fünf Jahren zwei Abschlüsse haben, einen Bachelor of Science und einen landwirtschaftlichen Berufsabschluss. Außerdem sparen sie Zeit, da sie auf das fünfmonatige Vorpraktikum, das im konventionellen Agrarwirtschaftsstudium Pflicht ist, verzichten können. Das ausbildungsintegrierte Studium beginnt mit eineinhalb Jahren Berufsausbildung in einem landwirtschaftlichen Betrieb und enthält weitere sechs Monate Praxis während des Studiums. Das bringt einen hohen Arbeitsaufwand mit sich, aber es rechnet sich: Die Absolventen sind am Arbeitsmarkt stark begehrt.

Gilt das auch für den ausbildungsintegrierten Studiengang Weinbau und Önologie?

Bei diesem ist der Studienverlauf dem jährlichen Ablauf im Weinberg angepasst. Die Praxisprojekte sind zeitlich so organisiert, dass sie stattfinden, wenn die hauptsächliche Arbeit am Weinberg oder im Keller anfällt.

Wie unterstützen Sie bei der Studienwahl?

Schon vor dem Studienbeginn bieten wir eine ganze Reihe an Veranstaltungen Schnuppervorlesungen, Tag der offenen Tür, Informationsveranstaltungen und persönliche Beratung. Das wird rege angenommen, sodass sehr selten Studierende bei uns anfangen, die sich noch nicht informiert haben. Als Studiengangsleiter führe ich selbst auch Beratungen durch. Hierbei geht es vor allem um das persönliche Wunschprofil und die Erwartungen des Einzelnen. Manchmal muss ich auch von einem Studium abraten, wenn keine realistischen Vorstellungen bestehen.

Wozu raten sie inhaltlich: Sollen Studierende sich auf bestimmte Themen spezialisieren, die besonders gefragt sind?

Ich rate immer dazu, nicht aufgrund des aktuellen Bedarfs einen Schwerpunkt zu setzen, sondern langfristig zu denken: Was möchte ich machen? Wofür bin ich am besten geeignet? Wer mit Interesse und Motivation zielstrebig an eine Sache herangeht, findet eigentlich immer eine passende Tätigkeit. Diejenigen Personen, die wirklich das machen, wofür sie sich interessieren, weisen die größten beruflichen Erfolge auf. Zudem ist der Agrarbereich so breit gefasst, dass es im Vergleich  zu vielen anderen akademischen Berufen relativ leicht ist, ein Arbeitsfeld zu finden, das den persönlichen Wünschen und Fähigkeiten
nahekommt.

Warum haben Sie sich für die Agrarwirtschaft entschieden?

Ich hatte schon immer eine enge Verbindung zur Natur, komme aber nicht direkt aus einem landwirtschaftlichen Betrieb. Stattdessen hatte ich vor dem Studium Praktika in verschiedenen Betrieben in Deutschland und England absolviert. Das hat mir sehr gut gefallen, deshalb hat sich die Studienwahl so ergeben. Damals gab es noch einen hohen Numerus Clausus und die Universität war ein Massenbetrieb mit Hunderten von Studierenden völlig anders als heute an der Fachhochschule. Spezialisiert habe ich mich dann auf den Bereich Tiergenetik und Erhaltung tiergenetischer Ressourcen. Heute bin ich über diese Spezialisierung hinaus in weiteren Bereichen, vor allem international und im Zuge der Entwicklungszusammenarbeit, tätig. Das macht meiner Ansicht nach den
Reiz an der Agrarwirtschaft aus: Je nach Interesse kann sich jeder entwickeln und seine Schwerpunkte setzen.

Die agrarwirtschaftlichen Studiengänge der Fachhochschule Bingen im Überblick

Bachelorstudium

Im Bachelorstudiengang „Agrarwirtschaft“ werden innerhalb der ersten drei Semester natur- und betriebswirtschaftliche Grundlagen vermittelt. Ab dem vierten Semester erfolgt mit der Wahl einer Vertiefungsrichtung (Agrarmanagement oder Landwirtschaft) die individuelle Profilbildung. In der Vertiefung Landwirtschaft kann auch der Schwerpunkt Intensivkulturen gewählt werden.

Ausbildungsintegrierte Bachelorstudiengänge

Die FH Bingen bietet zwei ausbildungsintegrierte Studiengänge im agrarwirtschaftlichen Bereich an.

Agrarwirtschaft: Die Gesamtausbildungszeit beträgt fünf Jahre, die Regelstudienzeit sieben Semester. Die Vorlesungen finden zusammen mit dem klassischen Bachelorstudiengang „Agrarwirtschaft“  statt. Das Studium schließt mit dem Bachelor of Science ab, die Berufsausbildung mit dem Abschluss der jeweiligen Landwirtschaftskammer. Mit der Landwirtschaftskammer in Koblenz besteht ein Kooperationsvertrag. Findet die Berufsausbildung in einem anderen Bundesland statt, muss eine Anerkennung der jeweiligen Kammer beantragt werden.

Weinbau und Oenologie: Am Studiengang beteiligt sind die Fachhochschulen Bingen, Kaiserslautern und Ludwigshafen sowie das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz. Das Studium vereinigt die praktische Winzerlehre und die akademische Ausbildung zum Bachelor of Science. Die Gesamtausbildungszeit beträgt vier Jahre, das Studium geht über sechs Semester.

Masterstudium

Der Masterstudiengang „Landwirtschaft und Umwelt“  ist konsekutiv, das heißt, es schließt direkt an den Bachelor an. Das Masterstudium geht über drei Semester und ist interdisziplinär angelegt. Die Studierenden werden auf eine Karriere im Überschneidungsbereich von Landwirtschaft und Umwelt vorbereitet. Darüber hinaus besteht nach dem Abschluss die Möglichkeit zur Promotion an einer Universität oder zu einem Referendariat für den höheren Verwaltungsdienst.

Promotion

Der Anteil der Doktoranden in der Agrarwirtschaft ist im Vergleich zu den anderen Studiengängen in Bingen relativ hoch. Promotionsmöglichkeiten werden in Kooperation mit den Universitäten Hohenheim, Bonn oder auch anderen Universitäten angeboten. Die Doktoranden erarbeiten ihre praktischen Versuche und wissenschaftlichen Untersuchungen zum größten Teil in Bingen und bekommen den Doktorgrad der kooperierenden Universität verliehen.

Kontakt

Fachstudienberatung Agrarwirtschaft
Berlinstraße 109
55411 Bingen
Tel. 06721 409-348
E-Mail: beratung-b-aw@fh-bingen.de
https://www.th-bingen.de/home/#

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