Fernstudium Agrar

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Die Unabhängigkeit von festen Zeiten und Orten zeichnet das Konzept des Fernstudiums aus. Damit bietet ein Fernstudium für diejenigen Personen, die keine regelmäßigen Lehrveranstaltungen besuchen können, weil sie wegen Berufstätigkeit, Kinderbetreuung und anderen Gründen zeitlich unflexibel oder örtlich gebunden sind, eine gute Alternative für ein Präsenzstudium.

Begrifflich ist zu unterscheiden zwischen einem Fernstudium und Fernlehrgängen. Auch Fernlehrgänge werden von den Anbietern häufig als Studiengänge beworben, doch handelt es sich hier meist um berufsbegleitende Weiterbildungen, die häufig auch mit einem zertifizierten Abschluss enden aber nicht mit einem anerkannten Studienabschluss nach dem Bologna-System wie Bachelor of Science (B.Sc.), Bachelor of Engineering (B.Eng.), Master of Science (M.Sc.), Master of Engineering (M.Eng.), Master of Arts (M.A.) oder Master of Business Administration (MBA). Im Gegensatz zu vielen Fernkursen erfordern akademische Fernstudiengänge die Hochschulzugangsberechtigung (für das Bachelor-Studium) beziehungsweise ein abgeschlossenes Erststudium und gegebenenfalls mehrjährige Berufserfahrung (für das Master-Studium).

Im Fernstudium bekommen die Teilnehmer normalerweise Studienmaterialien per Post, E-Mail oder online zur Verfügung gestellt, die sie selbst in einem definierten Zeitraum durcharbeiten. Dabei müssen sie oft Fragestellungen bearbeiten und zur Leistungskontrolle einreichen. Für Rückfragen oder zur Vertiefung bestimmter Themen stehen Tutoren zur Verfügung. Bei einem Online-Studium, das einen Spezialfall des Fernstudiums darstellt, finden Tutorien und andere Veranstaltungen in virtuellen Klassenräumen statt.

Nicht zu unterschätzen ist der Arbeitsaufwand für ein Fernstudium. Dieser liegt bei etwa 20 Wochenstunden. Für Berufstätige bedeutet das eine erhebliche Doppelbelastung: Sie müssen ihr Studienpensum an den Feierabenden und am Wochenende absolvieren. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Abbruchquote bei Fernstudiengängen deutlich höher ist als beim Präsenzstudium.

Eine weitere Hürde: Fernstudiengänge sind in den meisten Fällen teurer als ein vergleichbares Präsenzstudium. Zu den Studiengebühren kommen in vielen Fällen Kosten für Lehrmaterialien und Prüfungsgebühren. Zudem fallen Fahrt- und Unterkunftskosten bei den Präsenzveranstaltungen an, die meist am Wochenende stattfinden. Da viele Studierende weiterhin berufstätig sind, sollten die Studiengebühren und weiteren Kosten keine unüberwindbaren Hürden darstellen. Eine andere Finanzierungsmöglichkeit: Da viele Arbeitgeber insbesondere der vor- und nachgelagerten Industrie es schätzen, wenn sich ihre Mitarbeiter weiterqualifizieren, bieten einige ihren Beschäftigten an, ein Fernstudium mit zu finanzieren. Es könnte sich also lohnen, beim eigenen Arbeitgeber mit den Studienplänen vorstellig zu werden. Auch steuerlich können die Studienkosten geltend gemacht werden. Stipendien sind ebenfalls möglich.

Nicht alle Fachgebiete der Agrarbranche bieten sich für ein Fernstudium an. Gerade bei Fachgebieten, die einen hohen praktischen Übungsanteil erfordern wie Land- und Forstwirtschaft, Wein- und Gartenbau, ist das Fernstudium-Konzept ungeeignet. Eine Ausnahme bietet das Bachelor-Studium Landwirtschaft/Agrarmanagement an der Hochschule Anhalt. Dieses beinhaltet Selbststudienphasen und Präsenzveranstaltungen (Vorlesungen, Konsultationen, Seminare, Übungen) sowie Praktika. Zusätzlich zur Hochschulzugangsberechtigung oder einer anderen Studienbefähigung ist eine mindestens dreijährige Praxis in einem landwirtschaftlichen Betrieb nachzuweisen. Im Master-Studium Agrarmanagement an der Hochschule Anhalt geht es dann weniger um die landwirtschaftliche Praxis als um Managementwissen, neue Technologien oder Agrarrecht und -politik.

Bachelor-Fernstudium

Fernstudiengänge gehen normalerweise über sechs oder sieben Semester und setzen praktische Berufserfahrung beziehungsweise Praktika voraus. Das Beispiel Lebensmittelmanagement und -technologie an der SRH Fernhochschule Riedlingen zeigt, wie Selbststudium. Präsenzphasen und Übungen auch in einem Studium kombiniert werden können, das einen relativ hohen Praxisanteil erfordert: Die Studierenden erhalten vor jedem Semester Studienbriefe, die begleitenden Präsenzveranstaltungen (mehrere Wochenenden pro Semester) können an einem der bundesweiten Studienzentren besucht werden und die Laborphasen finden im Studienzentrum Ellwangen statt. Darüber hinaus können die Studierenden über das Intranet der Hochschule mit Professoren, Kommilitonen und ihrem Betreuer in der Hochschulverwaltung in Kontakt treten. Unter anderem bieten folgende Hochschulen ein Bachelor -Fernstudium aus der Agrarbranche an:

Hochschule Anhalt:

B.Eng. Landwirtschaft/Agrarmanagement

B.Sc. Ernährungstherapie

B.Eng. Lebensmitteltechnologie

SRH Fernhochschule Riedlingen: B.Sc. Lebensmittelmanagement und -technologie

Master-Fernstudium

Das Master-Studium vermittelt ein umfangreiches Wissen im gewählten Fachgebiet. Das Fernstudium mit Master-Abschluss dauert normalerweise vier oder fünf Semester inklusive Präsenzphasen. Im Folgenden werden Hochschulen aufgezeigt, die Master-Studiengänge im Agrarsektor und in verwandten naturwissenschaftlichen Disziplinen anbieten. Für Studieninteressierte, die eine spätere Geschäftsleitung ins Auge fassen, sind auch Master-Studiengänge mit Managementschwerpunkt oder internationalem MBA-Abschluss geeignet. Diese sind hier nicht aufgeführt sind, da das Angebot zu umfangreich ist.

Hochschule Anhalt:

MBA Agrarmanagement

Ernährungstherapie

M.Eng. Lebensmitteltechnologie

Hochschule Fulda: M.Sc. Food Processing (berufsbegleitend)

Universität Rostock: (M.A.) European Master of Rural Animateurs

Fern-Universität Hagen: M.Sc. Umweltwissenschaften

Technische Universität Braunschweig: M.Sc. ProWater

Technische Universität Kaiserslautern: M.A. Nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit

Universität Hannover: M.Sc. Wasser und Umwelt

Universität Weimar: M.Sc. Wasser und Umwelt

Beschäftigungsmöglichkeiten

Absolventen eines Fernstudiums haben gute Karten im Bewerbungsprozess, denn die Arbeitgeber wissen, dass ein solches Studium ohne Selbstmanagement und Durchhaltevermögen nicht machbar ist. Insbesondere bei denjenigen, die das Fernstudium parallel zum Beruf durchgezogen haben, schätzen die Unternehmen die bewältigte Doppelbelastung hoch ein. Wer nach dem Studienabschluss bei seinem bisherigen Arbeitgeber bleibt, hat ebenfalls in vielen Fällen die Möglichkeit zu einem Karrieresprung. Denn mit einem Fernstudium beweisen die Teilnehmer ihre Leistungsbereitschaft und ihren Willen, zusätzliche Kenntnisse zu erwerben. Das bestätigt eine repräsentative Studie von Forsa und der Europäischen Fernhochschule Hamburg unter Personalverantwortlichen: 80 Prozent der Befragten halten ein Fernstudium mindestens für gleichwertig zu einem Präsenzstudium, nur jeder fünfte Befragte bewertet das Präsenzstudium höher.  Insbesondere die Absolventen eines Master-Fernstudiums sind auf dem Arbeitsmarkt hoch begehrt. Wer sich im Master-Studium auf ein Themengebiet der Agrarwirtschaft spezialisiert oder wer zusätzliches Managementwissen, vielleicht sogar einen internationalen MBA erwirbt, ist in der vor- und nachgelagerten Industrie hoch gefragt, aber auch in Behörden und Verbänden sowie in der Beratung. Einen Überblick über interessante Jobs in der Agrarbranche erhalten Sie im agrajo-Stellenmarkt.

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