Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Standort Freising

0002_Web.jpg

Die Kreisstadt Freising mit rund 46 000 Einwohnern liegt 30 km nördlich von München. Sie ist nicht nur ein Universitäts-, Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort, sondern auch eine der ältesten Städte zwischen Regensburg und Bozen. Als Hochschulstandort ist Freising für das ausschließlich „grüne“ Fächerangebot bekannt und für den größten grünen Campus Deutschlands. Der parkähnliche Hofgarten auf dem Weihenstephaner Berg war einst ein Klostergarten: rund um die Staatsbrauerei Weihenstephan entstand aus dem Kloster der heutige Campus Freising-Weihenstephan. Die Studierenden leben und lernen zwischen Hofgarten, Schaugärten, Versuchsbetrieben, Lehrgütern, dem Staatsforst und dem Biotechnikum.

Professor Dr. Monika Gerschau ist Vizepräsidentin an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT). Sie lehrt Marketing im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen, Agrarmarketing und Management an der Fakultät Land- und Ernährungswirtschaft. Sie berichtet im Interview über weitere Merkmale des „grünen“ Studiums in Freising.

Frau Professor Gerschau, was schätzen Sie am Standort Freising besonders?

Am besten sind die kurzen Wege zu Allem, was in der grünen Branche Rang und Namen hat. Der Campus ist ein Zentrum der Agrarier-Welt. „Grüne“ Forscher auf dem Gelände, wohin man schaut: im Wissenschaftszentrum Weihenstephan der TUM, in der Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie, im Leibniz-Institut des Bundes, im Fraunhofer Institut Verfahrenstechnik und Verpackung, im Innovations- und Gründerzentrum Biotechnologie und vielen anderen. Und die Klammer zwischen Forschung und praktischen Anwendungen bilden die Landesanstalten für Landwirtschaft sowie Wald und Forstwirtschaft. Auch die Praxis hat ihren Platz in Weihenstephan von der Brauerei und Molkerei bis hin zu Ställen und Versuchsfeldern von Universität und Hochschule.

Was bedeutet die „Agrarier-Welt“ für das Studium?

Um alle Arbeitskreise und Forschungseinrichten zu entdecken, reicht ein Studium fast nicht aus. Wer bei uns studiert, bekommt auf dem Campus immer wieder Impulse und wird wissbegierig auf Neues. Jeder kann auch neben seinem Studiengang Einblicke in andere „grüne“ Bereiche bekommen und damit Anregungen für die Berufswahl: von der Agrartechnik und Futtermittelindustrie bis zum Agrarmarketing, von der lebensmittelverarbeitenden Industrie bis zum Lebensmittelgroßhandel. Den Charme des Standorts macht natürlich auch die Nähe zu kleinen und großartigen Freizeitmöglichkeiten aus, denn man studiert ja nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit Leib und Seele

Die HSWT bietet nur „grüne“ Fächer an. Ist das auf dem Campus zu spüren?

Tatsächlich beschäftigt sich jeder Studiengang mit dem „grünen“ Kern, beziehungsweise mit den Lebens- und Ernährungsgrundlagen und nachhaltigem Natur-Ressourcen-Management, also mit Tier, Pflanze, Boden, Energie, Nahrung, Landschaft, Ökosystemen und ökonomischen Bedingungen. Man fühlt sich dadurch wirklich verbunden, spricht eine Sprache und identifiziert sich mehr mit dem Standort.
Natürlich gibt es aber Unterschiede zwischen den Fakultäten – und sie grenzen sich auch selber scherzhaft voreinander ab. So bekommen die Landschaftsarchitekten gerne den Spitznamen „Künstler“ verpasst; von den Landwirten wird behauptet, das sie noch etwas Ackerkrume an den Schuhen tragen, die Förster sieht man oft nur im Doppelpack mit Hund und wer sich mit erneuerbare Energien beschäftigt, wird gerne mal als „Alternativo“ bezeichnet.
Dennoch können wir eine große Klammer über die Studiengänge setzen, was man am fakultätsübergreifenden englischsprachigen Studienangebot „Sustainable Engineering“. erkennen kann: Inländer wie Ausländer können sich hier über verschiedene Studiengänge hinweg Fächer aussuchen, die in Englisch unterrichtet werden und die sich mit den zentralen „grünen“ Themen  beschäftigen.

Der Standort Freising ist der größte grüne Campus in Deutschland. Nur zum Anschauen?

Die Wirtschaft erwartet von den Absolventen theoretisches und praktisches Fachwissen. Beides können sie hier auf dem Campus erwerben. Studium vieler Fächer findet eben auch in der grünen Praxis statt, und nicht nur im Vorlesungssaal. Es geht Hand in Hand mit Untersuchungen, Experimenten und Beobachtungen in der Natur. Hofgarten, Oberdieckgarten, Sichtungsgarten und Schaugarten, sie sind allesamt Einrichtungen der HSWT. Weit über die Landesgrenzen hinaus sind die Gartenanlagen in Freising-Weihenstephan ein Begriff und bei interessierten Laien sowie dem internationalem wissenschaftlichen Publikum sehr geschätzt. So streckt sich der Staudensichtungsgarten als Lehr- und Versuchsfläche der Studierenden über 5 Hektar. Anschließend an Weihenstephan liegen die Waldflächen des Freisinger Forstes, die als Lehrwald von der HSWT und den Bayerischen Staatsforsten gemeinsam bewirtschaftet werden. Direkt am Campus befinden sich Gewächshäuser und Freiflächen des Gartenbaus, sowie landwirtschaftliche Lehr- und Versuchsflächen in unmittelbarer Nähe.
Praktische Kompetenz bekommen die Studierenden aber nicht nur in den Versuchsanlagen, sondern ebenso bei Lern-Besuchen und Projekten, die wir mit Unternehmen durchführen.

Die Hälfte der Studierenden ist weiblich, Weihenstephan belegt unter den Ingenieurstudiengängen die Spitzenposition in Deutschland. Was zieht Frauen an Ihre Hochschule?

Neben dem landesweiten Projekt „BayernMentoring“, mit dem wir junge Frauen in technischen Studiengängen berufsorientierend begleiten und fördern, liegt eine mögliche Erklärung in den Studiengängen selber. Fächer wie Gartenbau, Landschaftsarchitektur, Agrarmarketing und Management oder Lebensmitteltechnologie sind lebens- und praxisnah. Als solche sprechen sie vielleicht eher Frauen an. Üblicherweise werden naturwissenschaftlich-technische Studiengänge weniger von Frauen nachgefragt, aber die „grünen“ Ingenieursfächer Weihenstephans ziehen Frauen an. Dazu gehören sogar Studiengänge wie die von weiblichen Studierenden dominierte Biotechnologie.

Das Interview führte Christiane Siemann.

Die Fakultäten der HSWT hier im Überblick

Bachelorstudium

Bioprozessinformatik (auch dual)
Biotechnologie (auch dual)
Brau- und Getränketechnologie (auch dual)
Forstingenieurwesen
Gartenbau (auch dual)
Landschaftsarchitektur
Landschaftsbau und -Management (auch dual)
Lebensmitteltechnologie
Landwirtschaft (auch dual)
Management erneuerbarer Energien
Wirtschaftsingenieurwesen Agrarmarketing und Management

Am Standort Freising lernen im SS 2014 rund 3.900 Studierende in den Bachelorstudiengängen. Zwischen 15 und 20 Prozent der Studierenden haben sich derzeit für die „Zwei in Eins“-Variante, also der zweigleisigen Ausbildung von regulärem wissenschaftlichem Studium und praktischen Phasen im Unternehmen entschieden. Ausbildungsbetriebe stellen sich regelmäßig auf dem CampusFreising vor.

Masterstudium

Sieben der Studiengänge können als Masterstudiengang weitergeführt werden.
Die Zulassung hängt wie überall von den erbrachten Leistungen in der ersten Stufe ab. Am Standort Freising existieren aktuell keine Zulassungsbeschränkungen für Masterstudiengänge, sodass sich dadurch keine Wartezeiten ergeben. Einmalig in Deutschland ist der Master International Management of Forest Industries (IMFI).
Ab dem Wintersemester 2014 kommen drei weitere neue Masterabschlüsse  hinzu: Regionalmanagement in Gebirgsräumen,
Business Management & Entrepreneurship Renewable Energy sowie Gartenbaumanagement.
Desweiteren bietet Freising den Master Agrarmanagement an, sowie Biotechnologie / Bioingenieurwesen und International Master of Landscape Architecture.

Junior-Mentoring

Studentinnen haben die Möglichkeit, am landesweiten Projekt „BayernMentoring“ teilzunehmen. Die Hochschule bietet etliche Seminare und Workshops an wie Stimm- und Sprechtraining, Körpersprache oder Lerntechniken. Diese Angebote sollen jungen Frauen in (informations-) technischen Studiengängen berufsorientierende Kenntnisse vermitteln und sie motivieren, Netzwerke an der Hochschule zu bilden. Außerdem stehen rund 40 Juniormentorinnen  Studentinnen aus höheren Semestern den Neuen beratend zur Seite. Ehrenamtlich betreuen sie Anfängerinnen in Fragen zum Studienstart, Stundenplan, zur Studienorganisation, zum Leben in Freising und vielem mehr.

Leben und Wohnen

Die Wohnungssuche ist wie an vielen Hochschulstandorten nicht ganz einfach. Für den Campus Freising vermittelt das Studentenwerk München Zimmer über ein Online-Bewerbungsverfahren. Hilfreich bei der Suche sind auch die Kleinanzeigen auf der HSWT-Internetseite, Schwarze Bretter am Campus sowie die Wohnungsberatung und Privatzimmervermittlung des Studentenwerks.

Berufseinstieg

Der Weg in den Job: Studierenden können während des Studiums und beim Übergang von der Hochschule in den Beruf in allen Belangen der Jobsuche Hilfe bekommen. Ob Bewerbungsprozess oder Training von Schlüsselkompetenzen: die Leistungen des Career Center kostet Studierende nichts. Die Mitarbeiter helfen auch bei der Suche nach Praktikumsstellen oder Unternehmen für Abschlussarbeiten.

Weitere Artikel zu dem Thema