Kaufmännische Ausbildung im Agrarbusiness

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Ohne Industriekaufleute oder Groß- und Außenhandelskaufleute läuft nichts im Agrarbusiness, denn sie sind eine wichtige Schnittstelle zwischen Erzeuger, Landwirt und zum Verbraucher. Wer statt im Modehandel in der Welt der Agrarwirtschaft arbeiten möchte, für den könnte die kaufmännische Ausbildung in einem Unternehmen des Agrarbusiness interessant sein. An der kaufmännischen Ausbildung reizt die meisten Lehrlinge die Dimension der Zulieferindustrie, der Bezug zur Landwirtschaft, die Kombination von moderner Technik und kundenorientiertem Handel, berichtet Personalmanager Knut Fischer vom Agrarhandelsunternehmen Agravis. Ausbildungsplätze finden Bewerber sowohl bei Warengenossenschaften und Agrarhandelsunternehmen als auch im Landmaschinenbau, bei großen landwirtschaftlichen Betrieben, in der Forstwirtschaft, bei Futtermittelherstellern, der Nahrungsmittelindustrie und vielen anderen.

Vom Rohwareneingang bis zum Vertrieb

Was sich in Berufsbeschreibungen sehr trocken anhört, nämlich das Managen von Bürowirtschaft und kaufmännischer Verwaltung oder die kaufmännische Steuerung und Kontrolle von Großhandelsprozessen, beweist sich in der Ausbildungspraxis der Industriekaufleute und Groß- und Außenhandelskaufleute als abwechslungsreicher und verantwortungsvoller Beruf. Die Auszubildenden erlernen den Einkauf von Rohstoffen und Zulieferprodukten, die Preiskalkulation sowie die Verhandlungsführung, ermitteln den Bedarf an Produkten und Dienstleistungen und disponieren diese für den Vertrieb, beschreibt Fachreferentin Ausbildung Julia Hennig die Aufgaben. So lernen bei der Agravis Raiffeisen AG die Auszubildenden den Einkauf und Verkauf von Futter- und Düngemittel, Saatgut und Hygieneprodukte. Sie holen Angebote verschiedener Lieferanten ein, vergleichen diese und kontrollieren Wareneingänge und Liefertermine. Sie steuern und kontrollieren Produktionsprozesse am jeweiligen Standort, bearbeiten Kundenaufträge, kümmern sich um die Auftragskoordination und sorgen für den richtigen und termingerechten Warenfluss – vom Rohwareneingang über die Produktion bis hin zum Vertrieb.

Liebe zu Zahlen erforderlich

Bei Agravis werden derzeit 200 Lehrlinge an 50 Standorten im kaufmännischen Bereich ausgebildet. Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. Deshalb sollten Bewerber vorher genau recherchieren, welchen schulischen Abschluss ihr Wunscharbeitgeber erwartet. Manche Betriebe stellen überwiegend Auszubildende mit Abitur ein, andere erwarten einen guten Hauptschulabschluss. Bei Agravis wird die Fachhochschulreife oder ein guter Realschulabschluss vorausgesetzt. Außerdem, so wünscht sich Julia Hennig, sollten die angehenden Azubis über ein sicheres Auftreten und gutes Ausdrucksvermögen verfügen und keinen Horror vor Zahlen haben.

Ausbildungsdauer

Die Ausbildung der Industriekaufleute und Groß- und Außenhandelskaufleute dauert in der Regel drei Jahre. Sie kann aber auf zwei Jahre verkürzt werden. Dies muss allerdings durch den Ausbildungsbetrieb genehmigt werden und sollte rechtzeitig bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) beantragt werden. In einigen Betrieben wird der erfolgreiche Abschluss der Höheren Handelsschule angerechnet, so dass die Ausbildung nur zwei bis zweieinhalb Jahre dauert. In der Berufsschule lernen die Azubis den theoretischen Teil ihrer Arbeit, etwa das Planen von Investitions- und Finanzierungsprozessen, das Steuern von Absatzprozessen und die Analyse von Jahresabschlüssen, wie Investitions- und Finanzierungsprozesse zu planen, Absatzprozesse zu steuern und zu kontrollieren und auch Jahresabschlüsse zu analysieren und zu bewerten.

Aufstiegschancen

Nach der Ausbildung und einiger beruflicher Praxis bieten sich viele Weiterbildungsmöglichkeiten an. Beispielsweise eine Weiterbildung zum Industriefachwirt/-in, der dann auch Führungs- und Leitungsaufgaben wahrnehmen kann, die im Fernstudium oder an der Abendschule absolviert wird. Möglich sind auch Fortbildungen zu Fachkaufleuten, die sich auf eine Funktion spezialisieren, wie auf Controlling, Marketing oder Außenwirtschaft. Diese Aufstiegsfortbildungen bieten nur die Industrie- und Handwerkskammern an und sie dauern zwischen drei und 24 Monaten.

Ausbildungsvergütung

Laut Bundesagentur für Arbeit liegen die Vergütungen für Industriekaufleute im ersten Ausbildungsjahr zwischen 747 Euro und 817 Euro, im zweiten Ausbildungsjahr zwischen 800 Euro und 869 Euro. Im dritten Ausbildungsjahr erreicht die Ausbildungsvergütung bis zu 938 Euro.

Christiane Siemann

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