Kleinwagen vs Traktor: Kfz- oder Landmaschinenmechatroniker?


Landmaschinenbau ist vielseitiger

Traktor oder Kleinwagen? Automobil- oder Landtechnikbranche? Jede dieser Branchen hat interessante Aufgaben zu bieten und Aufstiegschancen gibt es ebenso. „Der Landmaschinenbau bietet mehr“, heißt es beim Landmaschinenhersteller Lemken.

„Ob Traktor, Pflug, Drillmaschine, Heuwender, Pflanzmaschine, Fräse, Schwergrubber, Ballenpresse, Schwader oder zahlreiche andere landwirtschaftliche Maschinen: Die Vielfalt der Produkte ist in keiner anderen Branche zu finden“, fährt Lemken fort.


Die Landmaschinenproduktion sei zudem extrem vielseitig und anspruchsvoll. Über der Erde kann jeder, aber unter der Krume, das können nur Spezialisten. So heißt es beim Landmaschinenhersteller Lemken. „Während ein Auto für jedes Land mehr oder weniger gleich produziert wird, müssen Pflug oder Fräse im Einsatz immer andere Anforderungen erfüllen, abhängig von der Bodenbeschaffenheit“, erklärt Personalleiterin Christel Bühren.

Für die Ausbildung bedeutet das: Junge Leute lernen in einer sehr umfassenden Materie und können sich mit entsprechendem Einsatz und der nötigen Zeit zu Spezialisten entwickeln.

Landmaschinenmechatroniker brauchen viel handwerkliches Geschick benötigt

Auch die Wartungs-, Reparatur- und Umbauarbeiten an Landmaschinen, Geräten und Anlagen unterscheiden sich in einem wesentlichen Punkt beispielsweise von der Instandsetzung eines PKW: Die Technik ist bedeutend komplexer und der Kontakt zum Kunden ist immer gegeben.

Das betont Marcus Hildebrandt, Leiter Ausbildung bei der BayWa AG, und ergänzt: „Außerdem ist Schnelligkeit und Präzision gefragt. Denn streikt ein Traktor oder eine Erntemaschine auf dem Feld, sind die Folgen für den Landwirt groß. Bei technischen Notfällen – ob im Stall oder auf dem Feld ist der rasche Einsatz des Mechanikers bzw. Landmaschinenmechatronikers gefragt, der dafür sorgt, dass die Folgen für den Landwirt möglichst klein bleiben.

Landmaschinenmechatroniker bei der Reparatur eines Mähdreschers.
Bei der Reparatur von von Landmaschinen ist gerade in der Hauptsaison Schnelligkeit und Präzision gefragt. © standret/ Adobe Stock

Denn eine defekte Melkanlage oder ein Totalausfall des Mähdreschers haben direkte Auswirkungen auf die Produktion, die einen Landwirt im schlimmsten Fall wie durch einen Ernteausfall ruinieren können.“


Ein weiteres Argument, das für die Branche spricht: Die Agrarwirtschaft ist ein rasant wachsender Markt. Das spüren vor allem die Hersteller, die international arbeiten.

Landmaschinenbau: Mehr Nähe zum Feld

Die Ausbildung zum Industriemechaniker/in oder Mechatroniker/in Landmaschinentechnik (Landmaschinenmechatroniker) dauert dreieinhalb Jahre. Mindestvoraussetzung ist der Hauptschulabschluss. Dabei reizt die Kombination aus moderner Technologie, wie sie beispielsweise in den imposanten Traktoren zu finden ist, und der Nähe zum Einsatzort auf dem Feld, die Auszubildenden besonders.

Der unmittelbare Bezug zur Landwirtschaft und deren Bedeutung für die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Energie, spielen für die Auszubildenden eine große Rolle, wenn sie sich für den Bereich der Landmaschinentechnik entscheiden.

Die BayWa bildet z.B. Fachkräfte für Lagerlogistik, Kraftfahrzeugmechatroniker, Land- und Baumaschinenmechatroniker und Anlagenmechaniker aus.

Mähdrescher und Traktor bei der Ernte
Viele Auszubildende schätzen die Kombination aus moderner Technologie und die Nähe zum Feld. © Wolfgang Jargstorff/ Adobe Stock

Am beliebtesten ist die Ausbildung zum Land- und Baumaschinenmechatroniker, auch weil die Azubis über die BayWa die Vielzahl von Typen und Modellen der großen Hersteller wie z.B. Claas oder Fendt kennenlernen.

Landwirtschaftserfahrung ist kein Muss

Wer sich für eine Ausbildung als Fachkraft für Industriemechanik, Zerspanungsmechanik oder Mechatronik bewirbt, muss nicht zwingend vom elterlichen Hof kommen. Landwirtschaftserfahrung ist kein Muss. „Wir freuen uns, wenn der Hintergrund vorhanden ist, aber auch wer vorher keinen Bezug zur Landwirtschaft hatte, ist willkommen“, betont Christel Bühren von Lemken.

Noch bewerben sich mehr Schüler auf die Ausbildungsplätze als Stellen z.B. für Landmaschinenmechatroniker vorhanden sind. Also findet eine Auswahl statt, wobei das Unternehmen nicht diejenigen mit dem besten Zeugnis einstellt. „Wir schauen auf eine Kombination von verschiedenen Eigenschaften und achten darauf, dass die Azubis zu uns passen“, sagt Bühren.

So erwartet das Unternehmen soziale Kompetenz und Teamfähigkeit. Darüber hinaus führt es einen Eignungstest durch, der in erster Linie Aufschluss über die mathematisch-technischen Fähigkeiten geben soll, die eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Ausbildung sind.

Derzeit absolvieren 40 junge Leute bei Lemken eine Ausbildung in einem gewerblich-technischen Beruf. Zahlreiche Aufstiegschancen sind nach Talent und Möglichkeit gegeben. So können Industriemechaniker auch für einige Wochen oder Monate im Ausland eingesetzt werden – etwa in China oder Indien, wo Lemken Niederlassungen betreibt.

Traktor mit Schwader
Landwirtschaftliche Vorerfahrung ist von Vorteil, für viele Ausbildungsbetriebe jedoch keine zwingende Einstellungsvoraussetzung z.B. für den Werdegang als Landmaschinenmechatroniker. © Image’in/ Adobe Stock


Erfahrung in der Landwirtschaft ist auch bei der BayWa keine Einstellungsvoraussetzung. Aber ein guter Draht zu Mathematik, Physik und Biologie ist wichtig, so Ausbildungsleiter Hildebrandt. Auch seien gute und erweiterbare Englisch-Kenntnisse notwendig.

Zwar wachsen die Azubis vom Anschauen bis zum Ausführen unter Anleitung eines erfahrenen Meisters in die Arbeitsprozesse hinein, doch nach und nach steuern sie ausgewählte Prozesse selber und sollten in der Lage sein, selbstständig die oftmals auch englischen Anleitungen von Geräten und Anwendungen zu verstehen.

Nach dem Abschluss der Ausbildung bei der BayWa drücken manche noch mal die Schulbank, um ihren Meister oder Servicetechniker zu machen; andere lassen sich damit Zeit. Hildebrandt meint: „Das ist eine individuelle Entscheidung, aber jeder der weiterkommen möchte und den Ehrgeiz mitbringt, wird von uns bei seinem Karriereweg unterstützt sowie entsprechend gefordert und gefördert.“


Dir hat dieser Beitrag gefallen und du möchtest mehr über das Berufsbild des Land- und Baumschinenmechatronikers erfahren? Dann lies‘ unseren Artikel zum Berufsbild Land- und Baumaschinenmechtroniker.

Wir haben außerdem ein spannendes Portrait einer jungen Auszubildenden zur Landmaschinenmechatronikerin.

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Autorin: Christiane Siemann, überarbeitet von Maya Rychlik