Mit Geschmack an der Ausbildung

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Damit gehört sie zu den wichtigsten Branchen in der Lebensmittelwirtschaft. Etwa 48.000 Arbeitskräfte sind rund um die Uhr in 200 Betrieben mit der Herstellung, Verpackung und Qualitätssicherung beschäftigt. Zu den Millionen Tonnen Süßwaren zählen Speiseeis und salzige Knabberartikel genauso wie Back- und Zuckerwaren. Besonders beliebt sind Kaugummi und Schokolade. Pro Kopf hat der Verbraucher 32 Kilo Süßes im Jahr 2013 verzehrt. Doch ohne die entsprechenden Fachleute, die in den modernen und klinisch reinen Hallen am Werk sind, wären die Regale der Händler leer.

Süßwarentechnologen

Die Fachkraft für Süßwarentechnik ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz. Die bundesweit geregelte dreijährige Ausbildung findet im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule statt und erfolgt in einem der fünf Einsatzgebiete: Schokoladewaren und Konfekt, Bonbons und Zuckerwaren, Feine Backwaren, Knabberartikel oder Speiseeis. Ab dem 1. August 2014 ändert sich die Berufsbezeichnung in Süßwarentechnologe/Süßwarentechnologin.
Im Hamburger Werk der Nestle Deutschland AG befinden sich gerade sechs Jugendliche in der Ausbildung zur Fachkraft für Süßwarentechnik . Die Kombination aus Lebensmitteln, Rezepturen und elektronisch gesteuerten Abläufen macht für viele den Reiz am Beruf aus. Denn sie arbeiten an einer Anlage, die aus mehreren computergesteuerten Maschinen besteht. Das Mehl kommt automatisch aus Silos, die überwacht und eingestellt werden müssen. Der zuvor programmierte Computer dosiert in die einzelnen Abteilungstanks und Herstellanlagen die richtige Menge der Zutaten und Anteile von beispielweise Schokolade, Vanille, Wasser und Salz. Marlies Lach, Leiterin der Aus- und Weiterbildung bei der Nestlé Deutschland AG im Chocoladen Werk Hamburg: Die angehende Fachkraft hat die ganze Linie genau im Blick und kontrolliert, ob die einzelnen Herstell- und Verpackungsschritte für das jeweilige Produkt wie vorgeschrieben ablaufen. Falls nicht, so lernen die Azubis einzugreifen. Wird beispielsweise After Eight produziert und das Täfelchen kommt matt statt glänzend aus dem Kühltunnel, wissen sie, an welchen Stellschrauben sie drehen können und ob sie beispielweise die Temperatursteuerung anders einstellen müssen. Eine Linie umfasst auch den Verpackungsvorgang. Schaut bei einem Schokoriegel noch eine Nuss heraus, weil die Naht der Verpackungshülle nicht schließt, müssen sie es sofort erkennen können, aus der Vielzahl von Ursachen die richtige finden und entsprechend handeln.

Mischungsverhältnisse berechnen

 

Am Ende einer Produktion erfolgt unter anderem die sensorische Prüfung, das heißt: Hineinbeißen ist erlaubt und erwünscht. Stimmen der Geschmack und die Konsistenz? Jeder Produktionsprozess wird genau kontrolliert und dokumentiert. Naschkatzen müssen die Azubis nicht sein, eher sollten sie Interesse und entsprechende Kenntnisse in Chemie, Physik und Mathematik mitbringen. Voraussetzung ist ein Realschulabschluss. Aber auch Hauptschüler mit gutem Anschluss vor allem in den naturwissenschaftlichen Fächern, die auch in der Berufsschule gelehrt werden, sind gerne bei uns gesehen, so Marlies Lach von Nestle. Wie bei allen großen Lebensmittelherstellern arbeiten die angehenden Fachkräfte für Süßwarentechnik im Schichtbetrieb. Wer also ungern im unterschiedlichen Tagesrhythmus arbeitet, wird Probleme bekommen. Besonders geeignet für diesen Beruf sind Schüler, die eine Liebe zu den Naturwissenschaften mitbringen und sich für Lebensmittel interessieren.  Und der Beruf ist nichts für Eigenbrötler, betont Marlies Lach, denn das Arbeiten im Team, das Austauschen von Informationen mit den Kollegen ist wichtiger Teil der Arbeit.

Die Vorauswahl

Die Ausbildung ist beliebt, deswegen bekommt Nestle sehr viele Bewerbungen und führt eine Vorauswahl durch. Ein Praktikum im Vorfeld ist keine Bedingung für eine erfolgreiche Bewerbung, aber die Schüler sollten sich vorher gründlich über das Berufsbild informiert haben. Informationen bietet die Agentur für Arbeit und auch im Internet lassen sich etliche
Hinweise finden. Wer mit seinem Anschreiben Interesse geweckt hat, wird bei Nestle mit einer Gruppe Bewerber zu einem Test eingeladen. In schriftlicher Form werden Fragen zum  Allgemeinwissen, zur Mathematik und anderem gestellt. Danach gibt es eine mündliche  Vorstellungsrunde, denn die Ausbilder wollen erfahren, aus welchem Grund sich ein Bewerber für diesen Beruf entscheidet und ob er ins Azubiteam passt. Nach der Auswertung des Tests und der Gesprächsrunde werden die möglichen Kandidaten zu einem persönlichen Gespräch geladen. Wer dann den Sprung in die Ausbildung zur Fachkraft zur Süßwarentechnik geschafft und die dreijährige Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat, dem bieten sich verschiedene Aufstiegschancen.

Weiterbildung

Berufsbegleitend können sich Interessierte zum Süßwaren-Meister qualifizieren. An der  Zentralfachschule der deutschen Süßwarenindustrie (ZDS) in Solingen werden die Fachkräfte für Süßwarentechnik aus ganz Deutschland unterrichtet. Die Ausbildung dauert drei Jahre mit je zwölf Wochen Unterricht, die in drei Ausbildungsblöcke à vier Wochen unterteilt sind. In diesen Zeiten wohnen die Azubis im Kolleg-eigenen Wohnheim. Danach können sie beispielsweise zum Vorarbeiter aufsteigen, ein Team oder auch einzelne Projekte leiten, etwa bei der Entwicklung neuer Produkte.
Zudem besteht die Möglichkeit, sich als staatlich geprüfte/r Techniker/in der Fachrichtung Lebensmitteltechnik weiterzubilden. Die Ausbildung dient auch als Grundlage für ein Studium der Lebensmitteltechnologie. Wer keine Fachhochschulreife erworben hat, kann über eine Hochschulzugangsprüfung zum Studium zugelassen werden. Voraussetzung ist eine abgeschlossene einschlägige Berufsausbildung und eine dreijährige berufliche Tätigkeit. Für den Bachelor-Studiengang Lebensmitteltechnologie gelten die allgemeinen Zulassungsbedingungen für ein Studium an einer Fachhochschule (Abitur, Fachhochschulreife, Meister) oder eine als gleichwertig anerkannte Vorbildung.

Ausbildungsvergütung und Gehalt

Die Vergütung in der Ausbildung liegt je nach Lehrjahr und Unternehmen zwischen 500 und 860 Euro (Quelle: BIBB). Die Angaben zum Einstiegsgehalt schwanken stark und liegen zwischen 1.600 und 2.300 Euro.

Christiane Siemann

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