Qualifikationsrahmen: Europaweit einheitlich

jr_Karriere_DQR_072013_Aufmacherfoto2.jpg

Brian O`Connor ist Melker und findet in Irland keinen Job – Betriebsleiter Karl Janßen sucht händeringend einen Herdenmanager für seinen thüringischen Milchviehbetrieb. Lena Müller möchte nach ihrer Ausbildung die Landwirtschaft in Spanien kennenlernen – Pedro Álvarez hat viel zu tun, findet aber nicht genügend gut ausgebildetes Personal. Alles könnte so einfach sein. Doch die Chefs und ihre potenziellen Mitarbeiter trennen nicht nur rund 1.200 km Luftlinie, sondern auch vollkommen unterschiedliche Bildungssysteme. Schwer zu sagen, ob die Qualifikationen des irischen Melkers bescheinigen, dass er sich auf dem Niveau eines Hilfsarbeiters, Gesellen oder Meisters befindet. Und Lenas deutsches Abschlusszeugnis kommt Herrn Álverez spanisch vor.

Der Lösung nahe

Ein einfaches Bewertungssystem für schulische und berufliche Qualifikationen, das jeder in Europa versteht, könnte helfen. Das haben sich auch die Vertreter der Europäischen Union gedacht und nach einem Weg gesucht, die verschiedenen Bildungsabschlüsse in Europa besser vergleichbar zu machen. Herausgekommen ist der Europäische Qualifikationsrahmen, kurz EQR. Das Grundprinzip: Alle Qualifikationen werden in einer achtstufigen Skala abgebildet. Qualifikationen der Stufe eins sind sehr niedrig angelegt, Abschlüsse der Stufe acht dagegen sehr anspruchsvoll. Da der EQR allerdings nicht auf alle Besonderheiten der einzelnen Bildungssysteme eingehen kann, soll zudem jeder EU-Mitgliedsstaat einen eigenen, nationalen Qualifikationsrahmen entwickeln. Der deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) hat ebenfalls acht Niveaustufen. Beispielsweise wird ein Abschluss der Berufsfachschule der Stufe zwei, eine dreijährige berufliche Erstausbildung dem DQR-Niveau vier zugeordnet. Der Bachelorabschluss steht zusammen mit der Meister- oder Technikerprüfung auf Stufe sechs, eine Promotion auf Niveaustufe acht.

Trotzdem noch Schwierigkeiten

Es ist vorgesehen, die EQR-Zuordnung schrittweise bis 2014 auf neuen Qualifikationsbescheinigungen auszuweisen. Eine rückwirkende Angabe auf Zeugnissen ist jedoch nicht möglich. Die bis zuletzt strittige Frage, wo das Abitur und die anderen allgemeinbildenden Schulabschlüsse eingeordnet werden, bleibt vorerst offen. Die Kultusminister wollen das Abitur auf Stufe fünf einordnen – auch wenn dies bedeuten würde, dass ein Abiturient, der eine Lehre macht, auf dem Papier etwas hätte, das weniger Wert wäre als das, was er schon hatte. Andere EU-Länder möchten das Abitur nur auf Stufe vier sehen. Dort wollten auch die Bundesregierung, die Wirtschaftsminister und die Arbeitgebervertreter das Abitur einordnen. Weil ein Kompromiss bislang nicht gefunden wurde, soll eine Entscheidung über die Einordnung der allgemeinbildenden Schulabschlüsse erst 2017 getroffen werden. Aber auch wenn noch nicht jedes einzelne Detail geklärt ist, scheint der EQR/ DQR ein hilfreicher Ansatz zu sein, um das Ziel zu erreichen, mehr Transparenz und Vergleichbarkeit der europäischen Bildungssysteme und dadurch erleichterte Mobilität auf dem Arbeitsmarkt zu schaffen. Die Mitarbeitersuche sowie Bewerbungen und Jobwechsel innerhalb der EU sollten dadurch erheblich vereinfacht werden.

Julia Reinhardt – Redaktion agrarmanager

Weitere Artikel zu dem Thema