Steuertipps für Azubis und Studenten: Ich will mein Geld zurück!

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Jede Person – ob Arbeitnehmer, Selbstständiger, Auszubildender, Student oder Rentner – hat Anspruch auf einen steuerfreien Grundfreibetrag. Er entspricht dem zur Sicherung des Existenzminimums nötigen Einkommen und liegt derzeit bei 8.130 pro Jahr. Dieser Betrag bleibt steuerfrei. Nur wenn das Einkommen nach verschiedenen Abzügen über dieser Grenze liegt, fallen Einkommenssteuern an. Maßgeblich ist das zu versteuernde Einkommen. Dieses wird ermittelt, indem von den Einnahmen (z. B. Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit, aus Kapitalvermögen oder aus Vermietung und Verpachtung) bestimmte Posten abgezogen werden. Hierzu zählen verschiedene Freibeträge (z. B. Kinderfreibeträge, Alleinerziehendentlastungsbetrag), außergewöhnliche Belastungen (z. B. bei Krankheits- oder Pflegekosten) sowie die Werbungskosten und die Sonderausgaben. Diese sind für alle, die sich in der Ausbildung bzw. im Studium befinden, besonders interessant. Als Werbungskosten werden Ausgaben bezeichnet, die der Erwerbung, Sicherung und Erhaltung von Einnahmen dienen. Das Finanzamt erkennt bei jedem Arbeitnehmer pauschal Werbungskosten in Höhe von 1.000 an (Werbungskosten-Pauschbetrag), ohne dass diese extra belegt werden müssen. Nur wer höhere Werbungskosten geltend machen möchte, muss diese nachweisen. Für bestimmte Sonderausgaben wird ein sogenannter Sonderausgaben-Pauschbetrag von 36 abgezogen, sofern nicht noch höhere Aufwendungen nachgewiesen werden. Zu den allgemeinen Sonderausgaben zählen z. B. Kirchensteuer, Kinderbetreuungskosten, Mitgliedsbeiträge, Spenden sowie die Aufwendungen für die erstmalige Berufsausbildung oder ein Erststudium bis zu 6.000 im Jahr.
Ab welchem Einkommen Lohnsteuer fällig ist, hängt von der Steuerklasse ab. Wer ledig ist und keine Kinder hat, wird automatisch in die Steuerklasse 1 eingeordnet. Üben Azubis einen Nebenjob aus, werden sie in die Steuerklasse 6 (die Steuerklasse mit den höchsten Abzügen) eingeordnet. Das heißt, dass bereits ab dem ersten Euro Lohnsteuern gezahlt werden müssen und keine Freibeträge in Anspruch genommen werden können. Für den Erstjob, also die Ausbildung, gilt auch weiterhin die Steuerklasse 1.

Besondere Regelungen für Azubis und Studenten

Studenten müssen einige Dinge beachten, wenn sie neben ihrem Studium noch zusätzlich arbeiten. So dürfen sie während der Vorlesungszeit nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten. Sonst verlieren sie ihren Studentenstatus und werden als Arbeitnehmer eingestuft. Das bedeutet, dass sie dann ebenfalls die Beiträge zur Sozialversicherung zahlen müssen. Während der Semesterferien gilt diese zeitliche Beschränkung nicht. Die Höhe des Einkommens spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle.
Anders sieht das bei der Krankenkasse sowie bei BAföG und Ausbildungsförderung (BAB) aus. Bis zum Ende des 25. Lebensjahres sind Studenten in der Regel bei ihren Eltern mitversichert. Bedingung für diese beitragsfreie Familienversicherung ist jedoch, dass ihr eigenes Einkommen im Schnitt unter 385  (bzw. 450 bei einem Minijob) liegt. Wer aber mehr verdient oder regelmäßig mehr als 20 Wochenstunden arbeitet, muss sich selbst krankenversichern.
Aufpassen müssen auch Studenten, die ihr Studium (teilweise) über BAföG finanzieren. Sie dürfen im Monat durchschnittlich 406,66 brutto anrechnungsfrei dazuverdienen. Bei Mehrverdienst gibt es weniger BAföG. Für Azubis gelten bei der Ausbildungsförderung (BAB) ebenfalls Zuverdienstgrenzen. Diese sind unter anderem von der Höhe des Ausbildungsentgeltes des Azubis abhängig. Beim Kindergeld spielt der Zuverdienst hingegen gar keine Rolle mehr. Seit 2012 besteht der Anspruch auf Kindergeld unabhängig vom Einkommen des Kindes. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass bestimmte Einnahmen wie z. B. BAföG, Wohn- und Kindergeld grundsätzlich von der Einkommenssteuer befreit sind.

Lohnt es sich für mich, eine Steuererklärung zu machen?

Grundsätzlich ist es zu empfehlen, eine Steuererklärung anzufertigen, wenn Lohnsteuer einbehalten wurde. Das ist auch bei Auszubildenden und Studenten der Fall, wenn sie Einkünfte erzielen, die über 9.166 liegen (Grundfreibetrag plus Werbungskosten-Pauschbetrag plus Sonderausgaben-Pauschbetrag). Diese Verdienstgrenze wird von Auszubildenden – vor allem im ersten Ausbildungsjahr – nur selten erreicht. Aber auch wenn der Azubi die monatliche Verdienstgrenze unterschreitet, heißt das nicht, dass er keine Steuern zahlen muss. So zahlen beispielsweise viele Betriebe ihren Mitarbeitern Weihnachts- und Urlaubsgeld. Diese zusätzlichen Einkünfte sind grundsätzlich nicht steuerfrei, sondern werden dem jährlichen Bruttoverdienst hinzugerechnet. Ein anderes Beispiel ist der Student, der nur in den Semesterferien jobbt und in diesem Zeitraum 2.000 verdient. Dann wird erst mal Lohnsteuer einbehalten, auch wenn er über das Kalenderjahr gesehen gar keine Steuern hätte zahlen müssen. Über eine Steuererklärung lassen sich diese Steuern oft komplett zurückholen. Voraussetzung hierfür ist, dass das zu versteuernde Jahreseinkommen nicht über 9.166 liegt. Wer mehr verdient, kann sich natürlich ebenfalls Steuern zurückholen – nur eben nicht den kompletten Betrag. Und unter Umständen können auch noch Werbungskosten, die über die Werbungskostenpauschale hinausgehen, zusätzlich die Steuerpflicht senken. Aber selbst wenn gar kein Einkommen erzielt wurde, kann sich die Steuererklärung lohnen: Dann nämlich, wenn man bereits Ausgaben für einen späteren Job hatte, also etwa Bewerbungskosten oder auch Kosten für eine Fortbildung oder ein Zweitstudium. Diese Ausgaben können als Werbungskosten angegeben und dann zu einem späteren Zeitpunkt, wenn man über ein steuerpflichtiges Einkommen verfügt, abgezogen werden.

Werbungskosten und das große ABER

Was zählt denn nun alles zu den Werbungskosten? Mit Werbungskosten sind Ausgaben gemeint, die entstehen, damit man seinem (Neben-) Job, seiner Ausbildung oder seinem Studium überhaupt erst nachgehen kann. Typische Werbungskosten sind beispielsweise Studien- oder Lehrgangsgebühren, die Kosten eines Auslandssemesters, PC oder Laptop, Drucker einschließlich Druckerpatronen, Kopierkosten, Schreibtisch, Bücherregal, Fachbücher sowie weitere Arbeitsmittel. Aber auch Bewerbungskosten, Berufsbekleidung, Beiträge für Berufsverbände, Beiträge für Versicherungen, die sich auf berufliche Risiken beziehen, sowie Fachzeitschriften können als Werbungkosten geltend gemacht werden.
Zudem lassen sich Fahrtkosten zum Ausbildungs-/Arbeitsplatz bzw. zur Hochschule mit 0,30 je Entfernungskilometer absetzen. Unter bestimmten Umständen können auch Umzugskosten, Übernachtungskosten sowie die Kosten einer doppelten Haushaltsführung als Werbungskosten geltend gemacht werden.
ABER: Steuerrechtlich wird zwischen Ausbildungen und Fortbildungen unterschieden. Und das kann im Portemonnaie einen gewaltigen Unterschied ausmachen! Unter Ausbildung versteht das Finanzamt das Erlernen eines Berufs und zählt dazu neben einer Berufsausbildung auch das Erststudium. Das Erlangen einer höheren Qualifikation gilt hingegen als Fortbildung. Neben einer beruflichen Fortbildung zählt hierzu auch das Zweitstudium (z. B. Master). Der Steueraspekt bei dieser Unterscheidung: Während die Kosten einer Fortbildung/Zweitstudium unbegrenzt als Werbungskosten abziehbar sind, werden Ausbildungskosten nur in begrenzter Höhe (derzeit 6.000 pro Jahr) als Sonderausgaben in der Steuererklärung berücksichtigt!

Unterschiede genau verstehen

Ein weiterer großer Unterschied: Sonderausgaben können nur in dem Jahr, in dem die Kosten entstanden sind, abgesetzt werden. Wer in diesem Zeitraum über keine oder nur geringe steuerlich relevante Einkünfte verfügt – wie es die allermeisten Azubis und Studenten tun – für den ergibt sich dadurch überhaupt kein Steuerspareffekt! Anders sieht es bei den Werbungskosten aus. Hier können Masterstudenten, die während der Studienzeit keine weiteren Einnahmen haben, für ihre Werbungskosten einen Antrag auf Verlustfeststellung einreichen. Dann können die Werbungskosten für Steuererklärungen in Folgejahren übernommen werden. Damit können sich die Studienkosten auch nachträglich – also zum Zeitpunkt, wenn ein steuerlich relevantes Einkommen erzielt wird – steuermildernd auswirken. Durch den Ansatz als Werbungskosten ist also sichergestellt, dass die steuerliche Wirkung nicht verpufft. Wichtig ist hierbei: Wer seine Studienkosten später steuerlich geltend machen will, muss bereits während des Studiums eine Steuererklärung abgeben und seinen Verlust feststellen lassen! Und diesen Schritt sollten alle – sowohl die Masterstudenten als auch die Azubis und Bachelorstudenten – unbedingt unternehmen.

Und nun?

Es ist also sinnvoll, sich mit dem Steuerrecht genau zu beschäftigen, die für sich relevanten Aspekte zu berücksichtigen und fleißig sämtliche Belege zu sammeln, die man von der Steuer absetzen kann. Denn wer das tut, der kann am Ende jede Menge Geld zurückbekommen. Und das kann man dann ja für schönere Freizeitbeschäftigungen ausgeben.

Julia Reinhardt – Redaktion agrarmanager

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