Studienkredite: Pauken auf Pump

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Kein Anspruch auf BAföG, der Unterhalt von den Eltern reicht nicht und den Spagat zwischen Nebenjob und Studium bekommt man auf Dauer nicht hin? In dieser Situation klingen Studienkredite verlockend. Es gibt sie inzwischen von über 40 Anbietern. Und klar, sie können auch ein geeignetes Finanzierungsinstrument darstellen, das ein zügiges Vorankommen im Studium ermöglicht. Doch es sollte gut überlegt sein, ob man wirklich schon vor dem Start ins Berufsleben einen mehr oder weniger großen Schuldenberg anhäufen will.

Grundtypen der Studienkredite

Grundsätzlich lassen sich die verschiedenen Studienkredite in vier Grundtypen unterscheiden. Angebote zur allgemeinen Studienfinanzierung zielen darauf ab, die während eines Studiums anfallenden Lebenshaltungskosten sowie gegebenenfalls auch die Kosten für Studiengebühren zu decken. Zu diesen klassischen Studienkrediten zählen die Programme der Kreditanstalt für Wiederaufbau, sowie zahlreiche Angebote von bundesweit tätigen Großbanken und lokalen Sparkassen oder Volks- und Raiffeisenbanken. Bei den Bildungsfonds-Konzepten, wie sie beispielsweise von CareerConcept oder dem Studienfonds Deutsche Bildung angeboten werden, handelt es sich um eine Fondsförderung. Private Anleger können Anteile am Fonds kaufen und aus diesen Mitteln werden dann ausgewählte Studierende gefördert. Nach Abschluss des Studiums sowie erfolgtem Berufsstart zahlen die Absolventen für einen bestimmten Zeitraum einen festgelegten Prozentsatz ihres Einkommens zurück. Überbrückungs-, Zwischen- und Abschlussfinanzierungskredite bieten Studierenden in der letzten Phase ihres Studiums für eine begrenzte Zeit finanzielle Unterstützung. Sie zeichnen sich dabei durch besonders günstige Zinssätze (einige Angebote sind sogar zinsfrei) aus. Zu den Anbietern dieser Finanzspritze für Fortgeschrittene zählen das Bundesverwaltungsamt, die Hamburger E. W. Kuhlmann-Stiftung, die Studentische Darlehenskasse Berlin sowie die einzelnen Studentenwerke.
Studienbeitragsdarlehen dienen ausschließlich der Finanzierung von Studiengebühren. Angeboten werden sie von der Kreditanstalt für Wiederaufbau, dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie der Niedersächsischen NBank.

Entscheidungen treffen Schritt für Schritt

Drei Schritte können bei der Entscheidung für oder gegen einen Kredit bzw. für oder gegen ein bestimmtes Angebot konkrete Hilfestellung leisten.

Schritt 1: Bedarf kalkulieren! Am Anfang muss die grundsätzliche Frage geklärt werden, ob ein Darlehen überhaupt erforderlich ist. Hierfür ist zunächst eine individuelle Bedarfskalkulation notwendig, die alle zu erwartenden Ausgaben erfasst. Diese beinhalten neben den Kosten für den Lebensunterhalt auch die Studienkosten sowie anfallende Gebühren und Beiträge. Dem sind die vorhandenen bzw. möglichen Einnahmen gegenüberzustellen. Eine Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben hilft zu klären, in welchem Umfang und zu welchem Zeitpunkt ein Kredit gegebenenfalls notwendig ist. Müssen nur die Studiengebühren oder auch die Lebenshaltungskosten abgedeckt werden? Soll nur eine kurze finanzielle Durststrecke überbrückt werden oder ist wirklich ein Kredit für den kompletten Studienverlauf notwendig?

Schritt 2: Anforderungen klären! Bei der Entscheidung für ein Kreditangebot spielt auch eine Rolle, wie wichtig einem die Vergabekriterien der einzelnen Anbieter sind. Die Spannweite der Zinssätze der einzelnen Angebote ist groß und reicht von Null bis knapp 9 %. Aber maßgeblich ist nicht nur, zu welchen finanziellen Bedingungen ein Kredit gewährt wird. Auch die persönlichen Zukunftspläne sind zu berücksichtigen. Wer beispielsweise besonderen Wert auf Flexibilität legt (um sich etwa die Möglichkeit zu einem Wechsel der Studienrichtung oder der Hochschule zu erhalten), muss eventuell höhere Kosten in Kauf nehmen. Und wer einen längeren Auslandsaufenthalt plant, muss darauf achten, dass der Kreditgeber nicht gerade dieses Kriterium bei der Vergabe ausschließt. Zu beachten ist auch, dass viele Angebote nur für ein Erststudium, nicht aber für Master- oder Zweitstudiengänge gelten. Nachdem auf diese Weise potenziell passende Anbieter herausgefiltert wurden, sollten diese auch bezüglich ihrer übrigen Konditionen untersucht werden. Gibt es K.O.-Kriterien, wie beispielsweise eine Altersgrenze, die das Angebot nicht nutzbar machen? Sind weitere Hürden oder Nachteile erkennbar?

Schritt 3: Anbieter kontaktieren! Wenn der Bedarf kalkuliert und die individuellen Präferenzen definiert sind, können geeignete Angebote herausgefiltert und die im Rennen verbliebenen Anbieter kontaktiert werden. Dabei geht es nicht nur darum, den aktuellen Stand der Konditionen einzuholen. In einem Beratungsgespräch können weitere Details geklärt und oftmals auch flexible Lösungen (z. B. eine Zinssenkung durch eine freiwillige Elternbürgschaft) gefunden werden. Danach muss man sich ein konkretes und verbindliches Angebot erstellen lassen. Und im Zweifelsfall nicht gleich unterschreiben, sondern lieber noch einmal darüber schlafen.

Drum prüfe, wer sich lange bindet

Man sieht: Den einen empfehlenswerten Kredit gibt es nicht. Jedes Angebot hat Vor- und Nachteile. Wer also über die Aufnahme eines Studienkredits nachdenkt, sollte sich im Vorfeld gründlich informieren. Sehr empfehlenswert ist hierfür auch der CHE-Studienkredit-Test des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Das CHE prüft jedes Jahr alle am Markt verfügbaren Studienkredite und Bildungsfonds nach zahlreichen Kriterien.

Julia Reinhardt – Redaktion agrarmanager

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