Traktor oder Kleinwagen?

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Jede dieser Branche hat interessante Aufgaben zu bieten und Aufstiegschancen gibt es ebenso. Doch der Landmaschinenbau bietet mehr. Das sagen natürlich die Hersteller, die für ihre Branche werben wollen. Doch sie können es auch begründen: Ob Zugmaschine, Pflug, Drillmaschine, Heuwender, Pflanzmaschine, Fräse, Schwergrubber, Ballenpresse, Schwader oder zahlreiche andere landwirtschaftliche Maschinen die Vielfalt der Produkte ist in keiner anderen Branche zu finden. Die Landmaschinenproduktion ist extrem vielseitig und anspruchsvoll. Über der Erde kann jeder, aber unter der Krume, das können nur Spezialisten. So heißt es beim Landmaschinenhersteller Lemken. Während ein Auto für jedes Land mehr oder weniger gleich produziert wird, müssen Pflug oder Fräse im Einsatz immer andere Anforderungen erfüllen, abhängig von der Bodenbeschaffenheit, erklärt Personalleiterin Christel Bühren. Für die Ausbildung bedeutet das: Junge Leute lernen in einer sehr umfassenden Materie und können sich mit entsprechendem Einsatz und der nötigen Zeit zu Spezialisten entwickeln.

Großer handwerklicher Anteil

Auch die Wartungs-, Reparatur- und Umbauarbeiten an Landmaschinen, Geräten und Anlagen unterscheiden sich in einem wesentlichen Punkt beispielsweise von der Instandsetzung eines PKW: Der Technik ist bedeutend komplexer und der Kontakt zum Kunden ist immer gegeben. Das betont Marcus Hildebrandt, Leiter Ausbildung bei der BayWa AG, und ergänzt: Außerdem ist Schnelligkeit und Präzision gefragt. Denn streikt ein Schlepper oder eine Erntemaschine auf dem Feld, sind die Folgen für den Landwirt groß. Bei technischen Notfällen – ob im Stall oder auf dem Feld ist der rasche Einsatz des Mechanikers gefragt, der dafür sorgt, dass die Folgen für den Landwirt möglichst klein bleiben. Denn eine defekte Melkanlage oder ein Totalausfall des Mähdreschers haben direkte Auswirkungen auf die Produktion, die einen Landwirt im schlimmsten Fall wie durch einen Ernteausfall ruinieren können.
Ein weiteres Argument, das für die Branche spricht: Die Agrarwirtschaft ist ein rasant wachsender Markt. Das spüren vor allem die Hersteller, die international arbeiten. Die Zahl der Land-& Baumaschinen-Fachbetriebe liegt bei 5.632 Betrieben. 2012 bildete die Branchen mehr als 7.000 Lehrlinge aus, meldet der Bundesverband Land Bau Technik.

Die Nähe zum Feld

Die Ausbildung zum Industriemechaniker/in, Mechatroniker/in oder Mechaniker für Landmaschinentechnik dauert dreieinhalb Jahre. Mindestvoraussetzung ist der Hauptschulabschluss. Dabei reizt die Kombination aus moderner Technologie, wie sie beispielsweise in den imposanten Traktoren zu finden ist, und der Nähe zum Einsatzort auf dem Feld, die Azubis besonders. Das Spezifische der Aufgabe, also der unmittelbare Bezug zur Landwirtschaft und deren Bedeutung für die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Energie, spielen für die Auszubildenden durchaus eine große Rolle, wenn sie sich für den Bereich der Landmaschinentechnik entscheiden. Fast 500 Azubis allein im gewerblich-technischen Bereich bildet die BayWa aktuell aus, beispielsweise als Fachkraft für Lagerlogistik, Fachlagerist, Kraftfahrzeugmechatroniker, Mechaniker für Land- und Baumaschinentechnik und Anlagenmechaniker. Am beliebtesten ist die Ausbildung zum Mechaniker für Land- und Baumaschinentechnik, auch weil die Azubis über die BayWa die Vielzahl von Typen und Modellen der großen Hersteller wie z.B. Claas oder Fendt kennenlernen.

Landwirtschaftserfahrung ist kein Muss

Wer sich für eine Ausbildung als Fachkraft für Industriemechanik, Zerspanungsmechanik oder Mechatronik bewirbt, muss nicht zwingend vom elterlichen Hof kommen.
Landwirtschaftserfahrung ist kein Muss. Wir freuen uns, wenn der Hintergrund vorhanden ist, aber auch wer vorher keinen Bezug zur Landwirtschaft hatte, ist willkommen, betont Christel Bühren von Lemken. Noch bewerben sich mehr Schüler auf die Ausbildungsplätze als Stellen vorhanden sind. Also findet eine Auswahl statt, wobei das Unternehmen nicht diejenigen mit dem besten Zeugnis einstellt. Wir schauen auf eine Kombination von verschiedenen Eigenschaften und achten darauf, dass die Azubis zu uns passen. So erwartet das Unternehmen soziale Kompetenz und Teamfähigkeit. Darüber hinaus führt es einen Eignungstest durch, der in erster Linie Aufschluss über die mathematisch-technischen Fähigkeiten geben soll, die eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Ausbildung sind. Derzeit absolvieren 40 junge Leute bei dem Landmaschinenhersteller eine Ausbildung in einem gewerblich-technischen Beruf. Zahlreiche Aufstiegschancen sind nach Talent und Möglichkeit gegeben. So können Industriemechaniker auch für einige Wochen oder Monate im Ausland eingesetzt werden – etwa in China oder Indien, wo Lemken Niederlassungen betreibt.
Erfahrung in der Landwirtschaft ist auch bei der BayWa keine Einstellungsvoraussetzung. Aber ein guter Draht zu Mathematik, Physik und Biologie ist wichtig, so Ausbildungsleiter Hildebrandt. Auch seien gute und erweiterbare Englisch-Kenntnisse notwendig. Zwar wachsen die Azubis vom Anschauen bis zum Ausführen unter Anleitung eines erfahrenen Meisters in die Arbeitsprozesse hinein, doch nach und nach steuern sie ausgewählte Prozesse selber und sollten in der Lage sein, selbstständig die oftmals auch englischen Anleitungen von Geräten und Anwendungen zu verstehen. Nach dem Abschluss der Ausbildung bei der BayWa drücken manche noch mal die Schulbank, um ihren Meister oder Servicetechniker zu machen; andere lassen sich damit Zeit. Hildebrandt: Das ist eine individuelle Entscheidung, aber jeder der weiterkommen möchte und den Ehrgeiz mitbringt, wird von uns bei seinem Karriereweg unterstützt sowie entsprechend gefordert und gefördert.

Ausbildungsgehälter

Für Industriemechaniker und Mechatroniker liegen die tariflichen Ausbildungsgehälter zwischen 800 und 1.000 Euro brutto (Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung).

Christiane Siemann

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