Universität Bonn

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Mehr als 3000 Studierende zählt die landwirtschaftliche Fakultät, die drei Studienbereiche anbietet: Agrarwissenschaften, Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaft sowie das Fach Geodäsie. Insgesamt sind rund 30.000 Studenten an der traditionsreichen Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn eingeschrieben, damit gehört sie heute zu den größten Universitäten Deutschlands. Die ehemalige Bundeshauptstadt hat nichts von ihrer Attraktivität eingebüßt. Sie gilt als Kulturstadt mit einem sehr großen Angebot an Museen und Musikveranstaltungen und hat ein internationales Flair. Im Süden von Nordrhein-Westfalen, rund 45 km von der Kölner Innenstadt entfernt, finden sich zahlreiche Naturschutz- und Waldgebiete wie das Ahrtal, das Siebengebirge und der Westerwald.

Prodekan Prof. Dr. agr. Wolfgang Büscher des Instituts für Landtechnik erläutert im Interview die Besonderheiten der landwirtschaftlichen Fakultät an der Universität Bonn.

Was verbindet den Agrarbereich mit der Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaft?

In den Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften (ELW) erlernen die Studierenden in einem gemeinsamen ersten Studienjahr mit den Agrarwissenschaftlern die naturwissenschaftlichen und ökonomischen Grundlagen. Im weiteren Studienverlauf werden ernährungsphysiologische, lebensmitteltechnologische, -hygienische und -analytische sowie sozio-ökonomische Inhalte vermittelt. Der ELW-Studiengang bildet die Schnittstelle zwischen Rohprodukt, Produzent, Konsument, Gesellschaft und Wirtschaft; während der Bereich der Agrarwissenschaften alle Disziplinen umschließt, die sich mit Fragen rund um die Primärproduktion von Nahrung und nachwachsenden Rohstoffen beschäftigen. Neben dem ursprünglichen Kerngebiet werden unter dem Aspekt der Erhaltung unserer Lebensgrundlagen weitere naturwissenschaftliche, technische, ökonomische, ökologische und soziale Probleme rund um das Agrarprodukt thematisiert.

Beiden Studiengängen gemeinsam ist, dass sie sehr naturwissenschaftlich basiert sind. Wer die Grundlagen der Natur (Pflanzen, Tiere, Boden) studieren möchte, wählt den Agrarstudiengang; wer sich für den nachgelagerten Bereich und mehr für die Physiologie des Menschen interessiert, wählt ELW. Die Ökonomie des Agrar- und Ernährungssektors ist Bestandteil beider Studiengänge.

Gibt es Studierende, die zwischen den Studienbereichen wechseln?

In der Regel nicht, die meisten informieren sich vorher sehr genau, welche Inhalte sie in dem jeweiligen Studiengang erwartet. Außerdem können Schüler und Abiturienten in einem Online-Self-Assessment (OSA) herausfinden, welcher Studiengang zu ihnen passt und ob sie die erforderlichen Anforderungen mitbringen. Nach dem Bachelor in den Ernährung- und Lebensmittelwissenschaften wechseln manche in den Agrarbereich. Das hat aber weniger mit Berufsaussichten zu tun, die sehr gut sind, sondern eher mit persönlichen Interessensschwerpunkten.

Welche Berufsfelder erwarten die ELW-Absolventen?

Die Mehrheit unserer Absolventen geht in den Verarbeitungssektor, also in die Lebensmittel-bzw. Ernährungsindustrie, häufig in den Bereich Qualitätsmanagement sowie Forschung und Entwicklung. Weitere wichtige Einsatzbereiche liegen in der Lebensmittelkontrolle. Ein großes Einsatzfeld ist auch die Gemeinschaftsverpflegung (Catering, Krankenhäuser). Ebenso können sie als Berater in der Ernährungswirtschaft, bei Verbraucherverbänden, staatlichen und kommunalen Stellen im Gesundheitswesen tätig werden oder im Unterricht und in der Weiterbildung der Erwachsenenbildung oder in Krankenhäusern.

In den Agrar- und den Ernährungs- und Lebenswissenschaften gibt es eine Studienplatzbegrenzung. Nach welchen Kriterien gehen Sie vor?

Zum einen nach dem Numerus Clausus und nach Wartesemester. 80 Prozent der Studienplätze werden nach der Durchschnittsnote des Abiturs vergeben und 20 Prozent der Plätze nach Wartezeit.

Was zieht Studierende an Ihre Fakultät?

Aus meiner persönlichen Sicht ist Bonn erst einmal eine sympathische Stadt in Bezug auf die Größe und auf die Mentalität der Menschen. Die rheinische Lebensart steht für Humor und Geselligkeit. Was die Fakultät angeht, bieten wir etablierte, forschungsorientierte Studiengänge mit vergleichsweise niedrigen formalen Eingangsschwellen an, so gibt es beispielsweise kein Pflichtpraktikum als Zulassungsvoraussetzung. Allerdings versuchen wir die Praktikumswünsche der Studierenden für den späteren Berufseinstieg durch ein Praktikumsmodul und gezielte Vermittlung von Praktika zu unterstützen. Das hat sich ganz gut bewährt und wird auch von Seiten der Industrie mehr und mehr positiv angenommen.

Das Interview führte Christiane Siemann.

Die Studiengänge im Überblick

Die Fakultät umfasst sieben Institute:

  • IEL Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften
  • IGG Institut für Geodäsie und Geoinformation
  • ILR Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik
  • ILT Institut für Landtechnik
  • INRES Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz
  • IOL Institut für Organischen Landbau
  • ITW Institut für Tierwissenschaften

Hinzu kommen die Außenlabore Agrar, Geodäsie, Ernährung (AGE) der Landwirtschaftlichen Fakultät.
Im Fach Geodäsie und Geoinformation erlernen Studierende in enger Verzahnung mit den Agrarwissenschaften Themen wie Fernerkundung, Städtebau, Entwicklung des ländlichen Raumes oder Satellitenmesstechnik theoretisch und in der Anwendung.

Bachelor Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften

Der Bachelorstudiengang Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften gilt als naturwissenschaftlicher Studiengang, da er zwischen den Fächern Medizin und Biochemie sowie Ökonomie und Soziologie angesiedelt ist. In den ersten vier Semestern lernen die Studierenden die wissenschaftlichen und fachlichen Grundlagen, beispielsweise Physik für Ernährungswissenschaftler, Lebensmitteltechnologen und Agrarwissenschaftler; ebenso die Grundlagen der Biometrie, der Biochemie u. Molekularbiologie, Ernährungslehre und Lebensmittelchemie und -technologie. Im vierten bis sechsten Semester können die Studierenden ihre Kenntnisse in einem der Schwerpunkte „Humanernährung“, „Lebensmitteltechnologie“ oder „Ökonomie des Agrar- und Ernährungssektors“ vertiefen, bevor sie im sechsten Semester ihre Bachelorarbeit in einem forschungs- und berufsfeldbezogenen Umfeld schreiben.

Bachelor Agrarwissenschaften

Im Bachelorstudiengang Agrarwissenschaften werden die Grundlagen für eine fachlich breite Ausbildung mit zusätzlicher Möglichkeit der Spezialisierung gesetzt. Die Regelstudienzeit beträgt im Bachelorstudiengang sechs Semester. In den ersten vier Semestern erfolgt eine fachlich breite Ausbildung in Natur- und Biowissenschaften, Agrarwissenschaften und Ökonomie sowie eine Wissensvertiefung in den originären Bereichen der Agrarwissenschaften. Im fünften und sechsten Semester können sich Studierende spezialisieren in den Schwerpunkten Pflanzenwissenschaften, Tierwissenschaften oder Ökonomie des Agrar- und Ernährungssektors. Die Bachelorarbeit im sechsten Semester sollte sich mit einem forschungs- und berufsfeldbezogenen Thema beschäftigen.

Masterstudiengänge

Im Anschluss an die Bachelorstudiengänge bietet die Fakultät die Möglichkeit, einen der folgenden Masterstudiengang anzuschließen:

M.Sc. Nutzpflanzenwissenschaften
M.Sc. Tierwissenschaften
M.Sc. Agricultural Science and Resource Management in the Tropics and Subtropics (ATRS)
M.Sc. Agricultural and Food Economics
M.Sc. Humanernährung
M.Sc. Lebensmitteltechnologie
M.Sc. Geodäsie und Geoinformation

Zusammen mit der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät werden die folgenden gemeinsamen Masterstudiengänge angeboten:

M.Sc. Naturschutz und Landschaftsökologie
M.Sc. Plant Science
M.Sc. Mikrobiologie und
M.Sc. Molecular Biotechnology

In den Masterstudiengängen steht die internationale Forschung im Vordergrund. Dabei fördern einige englischsprachige Veranstaltungen und zwei vollständig in Englisch gehaltene Studiengänge diesen Gedanken.
Die Fächer Agrarwissenschaften und Ernährungs- und Hauswirtschaftswissenschaften werden zudem auch als Lehramtsstudiengänge für das Berufskolleg angeboten.

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