Universität Kassel

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1971 als Reformhochschule gegründet, zählt die Uni Kassel zu den jüngsten Universitäten in Deutschland. Doch obwohl sie erst gut 40 Jahre alt ist, kann landwirtschaftliche Fachbereich sich auf verschiedene Vorläufereinrichtungen berufen, unter anderem die 1898 gegründete Deutsche Kolonialschule und die agrarwirtschaftlichen Ingenieurschulen nach dem zweiten Weltkrieg in Witzenhausen. Aus diesen entwickelte sich der heute europaweit einzigartige Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften. Einzigartig an einem Agrarstudium an der Universität Kassel ist, dass alle Professoren und Professorinnen des Fachbereichs eine ökologische Ausrichtung in Forschung und Lehre vertreten. Diese historische Entwicklung der Universität Kassel führte dazu, dass der Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften nicht im Kasseler Stadtgebiet angesiedelt ist, sondern im knapp 40 Kilometer entfernten Witzenhausen. Die 15.000-Einwohner-Stadt liegt im romantischen Werratal und ist Mittelpunkt eines der größten Kirschenanbaugebiete Deutschlands. Knapp 24.000 junge Leute sind in Kassel eingeschrieben, von diesen studieren rund 1.000 in Witzenhausen. Dort prägen sie nicht nur zahlenmäßig das Stadtbild. Sie haben auch zahlreiche Initiativen gegründet oder tragen diese aktiv zum Beispiel die essbare Stadt, Eine-Welt-Laden oder Community Supported Agriculture.

Studiendekanin Prof. Dr. Angelika Ploeger erläutert, was ein Studium am Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften in Kassel auszeichnet.

Was ist das Besondere an einem agrarwissenschaftlichen Studium in Kassel-Witzenhausen?

Ganz klar, die ökologische Ausrichtung aller Studiengänge und die individuelle Betreuung bei rund 1.000 Studierenden im Fachbereich ist das noch möglich. Betreut werden die Studierenden unter anderem durch das studentische oder das Hochschullehrer-Mentoring. Eine weitere Besonderheit ist die geografische Situation: Witzenhausen liegt näher an Göttingen als an Kassel. Daher sind in manchen Vorlesungen bis zu fünf unterschiedliche Studiengänge aus Witzenhausen, Kassel und Göttingen vertreten. Und im Masterstudium bieten wir zusammen mit den Hochschulen Göttingen und Fulda englischsprachige Angebote an.

Seit wann besteht die ökologische Ausrichtung?

Sie begann 1981 mit dem Ruf von Professor Hartmut Vogtmann vom Forschungsinstitut Ökologischer Landbau in der Schweiz zur Universität Kassel. Damals hieß der Lehrstuhl noch „Alternative Landbaumethoden“. Ab 2003 mit der Einrichtung des Studienschwerpunktes Ökologischer Landbau und der Berufung von weiteren ökologisch orientierten Professuren  verfestigte sich die ökologische Ausrichtung. Der Bachelor- und der deutschsprachige Masterstudiengang „Ökologische Landwirtschaft“ wurden zu einem Aushängeschild Witzenhausens, gefolgt von den englischsprachigen Masterstudiengängen „Sustainable International Agriculture“ zusammen mit der Universität Göttingen und „International Food Business and Consumer Studies“ zusammen mit der Hochschule Fulda. Für das nächste Jahr ist ein weiterer ökologisch ausgerichteter Studiengang geplant, der mit europäischen Partnern in englischer Sprache angeboten werden soll: „Sustainable Food Systems“. In Witzenhausen ist auch ein Duales Studium Landwirtschaft möglich.

Wodurch zeichnet sich dieses aus?

Die Studierenden absolvieren mindestens zwölf Monate lang eine landwirtschaftliche Lehre in einem anerkannten Ausbildungsbetrieb und studieren dann zwei Semester. Danach folgen weitere zehn Monate Ausbildung und weiteres Studium. Dieses Blockmodell garantiert eine Verknüpfung von Wissenschaft und Praxis sowie der Entwicklung sogenannter Soft Skills wie Organisationstalent, Teamfähigkeit und Mitarbeiterführung. Voraussetzung für die Teilnahme ist ein Fachhochschul- oder Hochschulabschluss.

Welche Studiengänge ziehen die meisten Studierenden an?

Das ist eindeutig der „Bachelor of Science Ökologische Landwirtschaft“ mit über 160 Studienanfängern pro Jahr. Die Masterstudiengänge sind mit je 25 bis 30 Studienanfängern pro Jahr belegt. Eine Ausnahme bildet der „Master Sustainable International Agriculture“ mit seinen drei Schwerpunkten. Hier sind rund 80 bis 90 Studienanfängern pro Jahr immatrikuliert. In Lehrevaluationen loben die Studierenden die projektorientierte Ausrichtung der Studiengänge und die ökologische Profilierung.

Bestehen Wartezeiten für die Masterstudiengänge?

Es gibt keine Wartezeiten für Studiengänge in Witzenhausen. Bei den Masterstudiengängen bewerben sich aber auf 30 Studienplätze rund 120 Personen, die größtenteils ihren Bachelor-Abschluss im Ausland gemacht haben. Daher findet zunächst eine formale Prüfung der Abschlüsse statt über die Berliner Dienstleistungsagentur Uniassist, dann die fachliche Eignung durch uns und danach wird eine Zulassung ausgesprochen oder es erfolgt eine Ablehnung, wenn die Kriterien der jeweiligen Prüfungsordnungen nicht erfüllt sind. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wenn wir circa 60 Personen mit nicht europäischen B.Sc-Abschluss zulassen, sich dann wegen Visaschwierigkeiten nur etwa 30 Personen rechtzeitig zum Semester einschreiben.

In welchen Bereichen werden die Absolventen nach ihrem Abschluss tätig?

Nach dem Bachelor-Abschluss „Ökologische Landwirtschaft“ gehen die meisten Absolventen  rund 40 Prozent in die Praxis und rund 20 Prozent in die Beratung. Etwa zehn Prozent werden im Marketing tätig und nur 15 Prozent streben den Master und gegebenenfalls eine Promotion an. Diesen Anteil würden wir gern steigern, um genügend ökologisch ausgerichtete Kandidaten für Promotionsthemen gewinnen zu können.

Der Fachbereich 11 Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel

Bachelorstudium

Das Bachelorstudium Ökologische Landwirtschaft vermittelt in sechs Semestern die Grundlagen der ökologischen Agrarwissenschaften sowie bestimmte Vertiefungen. Es enthält ein viermonatiges berufliches Praktikum.

Alternativ wird ein Duales Studium Landwirtschaft angeboten, bei dem gleichzeitig die landwirtschaftliche Lehre und das Bachelorstudium „Ökologische Landwirtschaft“ absolviert werden. Hierdurch wird die Gesamtausbildungszeit (normalerweise zwei Jahre Lehre, drei Jahre Bachelorstudium) um ein Jahr auf vier Jahre verkürzt.

Masterstudium

Insgesamt vier Masterstudiengänge sind aktuell möglich:

Promotion

Rund 25 junge Wissenschaftler werden pro Jahr am forschungsstarken Standort Witzenhausen promoviert. Eine begleitende Ausbildung im Bereich der fachlichen Disziplin wird am Standort und gegebenenfalls in Kooperation mit der Universität Göttingen oder der Hochschule Fulda gewährt. Schulungen in didaktischer Hinsicht oder Seminare zum wissenschaftlichen Arbeiten werden von der Universität in Kassel angeboten.

Berufseinstieg

Für den reibungslosen Berufsstart bietet der Fachbereich zusammen mit der Agentur für Arbeit Bewerbungstrainings an (auch international). Darüber hinaus beraten die Mentoren schon im Studienverlauf in Hinblick auf Berufswünsche und mögliche Spezialisierungen.

Kontakt

Universität Kassel
Fachbereich 11 Ökologische Agrarwissenschaften
Steinstr. 19
37213 Witzenhausen
Tel. 05542 98-1211
dekfb11@uni-kassel.de

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