Agraringenieur Forschung und Entwicklung (F&E)

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Viele Probleme in der Landwirtschaft sind noch nicht gelöst, deshalb steht die Agrarbranche ständig vor neuen Herausforderungen. Die Unternehmen der Agrarwirtschaft suchen Lösungen für eine effizientere Nutzung der Ressourcen und eine ertragreichere Landwirtschaft. Sie forschen beispielsweise an der Resistenzsteigerung der Pflanzen, der Reduzierung des Wasserverbrauchs, an besseren Futtermitteln oder an einer Optimierung des Emissionsschutzes. In ihren Forschungs- und Entwicklungsabteilungen arbeiten häufig interdisziplinäre Teams aus Agrarwissenschaftlern, Chemikern, Biologen, Ökologen und Maschinenbauern Hand in Hand an neuen Produkten und Verfahren.

In der Regel sind es die großen Unternehmen, die eigene F&E-Abteilungen (bzw. Research & Development) betreiben. Manche dieser Abteilungen zählen mehrere Hundert Mitarbeiter. In allen agrarwirtschaftlichen Disziplinen findet Forschung und Entwicklung statt, unter anderem in den Unternehmen der Landtechnik, Pflanzenzüchtung, Futtermittelindustrie, Tierzucht sowie der Saatgut- und Düngemittelherstellung. So nimmt die deutsche Düngemittelindustrie international eine führende Stellung in der Anwendungs- und Umweltforschung ein sowie bei der Entwicklung neuer Düngemittel und innovativer Verfahren. Mit einem Jahresumsatz von ;3,1 Milliarden Euro im Jahr 2014 zählt sie weltweit zu den bedeutendsten Forschungstreibern der Agrarbranche.

Stellenanforderungen und Aufgaben

Eine Promotion in der Agrarwissenschaft ist nicht unbedingt Voraussetzung für einen Arbeitsplatz in Forschungs- und Entwicklungsabteilungen.
Die meisten Arbeitgeber in der Agrarindustrie erwarten ein gut bis sehr gut abgeschlossenes Studium der Agrarwissenschaften, dabei sprechen sie sowohl Bachelor- als auch Master-Absolventen an. Die Ausrichtung des Studiums sollte zum ausgeschriebenen Aufgabengebiet wie beispielsweise Technologieentwicklung, Pflanzenzucht oder Tierhaltung passen.
Manche Arbeitgeber bieten Hochschulabsolventen im F&E-Bereich den Einstieg über ein Traineeprogramm an. Zudem suchen viele Unternehmen Doktoranden, die ihre Doktorarbeit im Unternehmen schreiben wollen. Zahlreiche Firmen bieten die Finanzierung von Promotionen an, wenn diese für sie von wissenschaftlichem oder wirtschaftlichem Interesse sind.
Einige Arbeitgeber erwarten, dass Bewerber zwei bis drei Jahre Erfahrung im Forschungs- und Entwicklungsbereich mitbringen und damit über Kenntnisse in der Planung, Anlage und Auswertung von Versuchen verfügen. Sehr gute analytische Fähigkeiten gehören zum Handwerkzeug jedes Forschers und werden vorausgesetzt. Ebenso sind gute Kenntnisse in gängigen Statistik-Programmen, Erfahrung mit Datenbanksystemen sowie statistischen Methoden gefragt.
Agrarwissenschaftler in der Forschung übernehmen die Verantwortung für die Koordination und Durchführung von wissenschaftlichen Versuchen. Sie begleiten Forschungsprojekte von der Projektierung und Budgetierung bis zur Überwachung, Auswertung, Dokumentation und Veröffentlichung der Ergebnisse. Dabei erstellen sie Versuchspläne und Reports, erfassen Daten und überwachen die Versuchsbedingungen.

Berufsbezeichnungen in Stellenanzeigen

Wer einen Arbeitsplatz in der Forschung und Entwicklung eines Agrarunternehmens sucht, wird unter dem Stichwort „Forschung“ nicht immer fündig. Nur in wenigen Stellenangeboten wird diese Bezeichnung verwendet. Vielmehr umschreiben die Unternehmen den Aufgabenbereich zum Beispiel in folgender Weise:

  • Mitarbeiter/in Produktentwicklung, Labor und Versuchswesen,
  • Entwicklungsingenieur/in Agrarwissenschaften, Forschung, Voraus- und Technologieentwicklung,
  • Wissenschaftliche/n Mitarbeiter/in Agrartechnik,
  • Entwicklungsingenieur/in Traktor/Schlepper für den Bereich Kabine/Haube,
  • Entwicklungsingenieur/in Elektrik/Elektronik/Mechatronik,
  • Entwicklungsingenieur/in Maschinenbau, Weinbautechnik,
  • Versuchsingenieur/in Pflanzenschutz,
  • Versuchstechniker/in,
  • Specialist Global Research & Development.

Außerdem wird man auf den Karriereseiten der Agrarunternehmen im Internet fündig. Unter dem Stichwort Forschung & Entwicklung beschreiben die Arbeitgeber, welchen Stellenwert  F&E in ihrem Unternehmen einnimmt, wie hoch ihr jährliches Forschungsbudget ausfällt und in welchen Bereichen eine Initiativbewerbung Sinn macht.

Arbeitgeber: Agrarindustrie und Forschung & Entwicklung

Es sind die großen Player der Agrarindustrie, die ihre eigenen Forschungsabteilungen meistens im engen Kontakt mit Hochschulen und staatlichen Forschungseinrichtungen betreiben. Die häufigsten Stellenangebote im Bereich F&E kommen aus Unternehmen der Landmaschinentechnik (Big Dutchman, Fendt, John Deere, Lemken usw.) sowie der Saat-, Düngemittel-, Futtermittel- und Pflanzenzuchtindustrie (KWS, Deutsche Saatveredelung AG, AlzChem AG, SAATEN-UNION GmbH)
Zahlreiche Stellenangebote für Agrarwissenschaftler in Forschung und Entwicklung in der Industrie finden Sie im agrajo-Online-Stellenmarkt.

Gehalt/Einkommen in der Agrarforschung

Das mittlere Gehalt von Agraringenieuren in Forschung und Entwicklung liegt mit 45.500 Euro pro Jahr etwas höher als die Mitarbeitergehälter anderer Abteilungen. Das stellte die Vergütungsstudie der Dr. Schwerdtfeger Agri HR Consult aus dem Jahr 2014 fest, die in  Zusammenarbeit mit der Georg-August-Universität Göttingen mehrere tausend Gehaltsdatensätze von Fach- und Führungskräften im Agribusiness analysierte. Aufgrund der komplexen Tätigkeit benötigen Mitarbeiter in der Forschung und Entwicklung spezifische Fachkenntnisse, den entsprechenden Intellekt und eine gewisse Kreativität. Da die beschriebenen Eigenschaften allerdings stark von der einzelnen Person abhängen, variiert der Verdienst von 30.000 Euro bis zu 75.000 Euro Bruttojahresgehalt, heißt es in der Untersuchung. Ein anderer Grund, warum das mittlere Einkommen von Agraringenieuren in F&E höher als im Agrarbranchendurchschnitt ausfällt, liegt sicherlich auch darin begründet, dass die Arbeitgeber vor allem unter den Großunternehmen zu finden sind. Diese können häufig bessere Gehaltsstrukturen bieten als kleine und mittlere Unternehmen.
Generell lässt sich feststellen, dass promovierte Mitarbeiter in der Forschung je nach Position die Gehaltsrankings anführen. Von ihnen werden Innovationen erwartet, die sie sich auch entsprechend vergüten lassen. So soll in der Pharmaforschung das Einkommen  von promovierten Mitarbeitern in der Position des Projektleiters an die 150.000 Euro heranreichen.

Christiane Siemann, Journalistin

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