Berufsfeld Wissenschaft: Agrarwissenschaftler an Hochschulen und Forschungseinrichtungen

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Nach dem Bachelor- und dem Master-Abschluss stellt sich für viele Agrarwissenschaftler die Frage, ob sie promovieren sollen. Mit dem Doktortitel in der Tasche steht ihnen eine Karriere an einer agrarwissenschaftlichen Hochschule offen. Diejenigen, die sich für die universitäre Laufbahn entscheiden, lieben das wissenschaftliche Arbeiten, brennen für ihre Idee oder den Forschungsgegenstand und sehen sich auch in der Lehre am richtigen Platz. Doch der Wille zur Hochschulkarriere allein zählt nicht, es müssen auch passende wissenschaftliche Stellen vorhanden sein, die nicht gerade aus dem Boden sprießen. Zudem sind die Arbeitsbedingungen junger Wissenschaftler nicht sehr attraktiv. Denn die große Mehrheit der wissenschaftlichen Mitarbeiter an Deutschlands Hochschulen hat nach Angaben des Wissenschaftsrates nur Zeitverträge, was ihnen eine berufliche und familiäre Lebensplanung erschwert. Deshalb beginnen immer weniger Absolventen agrarwissenschaftlicher Studiengänge ein Promotionsvorhaben (Quelle: Deutsche Forschungsgemeinschaft Perspektiven der agrarwissenschaftlichen Forschung). Die Rahmenbedingungen für Forschungsarbeiten und für die Fortsetzung einer wissenschaftlichen Karriere müssen verbessert werden, fordert die DFG.
Trotzdem: Wer im Studium seine Neigung zur agrarwissenschaftlichen Forschung entdeckt, wird diese Hürden in Kauf nehmen.
Allgemein wird jedoch empfohlen, sich auch eine Karriere in der industriellen Forschung offenzuhalten. Die fachlichen, organisatorischen und kommunikativen Qualifikationen, die Wissenschaftler an der Hochschule erworben haben, können nicht nur in der Forschung, sondern auch in der freien Wirtschaft genutzt werden. So verfügen die großen agrarisch geprägten Unternehmen über eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilungen.

Arbeitgeber für Wissenschaftskarrieren

Potenzielle Arbeitgeber für Wissenschaftler sind Universitäten und Fachhochschulen, die Studiengänge im Agrarbereich anbieten. Zum einen benötigen sie Personal, um die akademische Ausbildung der agrarwissenschaftlichen Studierenden sicherzustellen, zum anderen um dem Auftrag der Hochschulen gerecht zu werden, ihr Fachgebiet weiter zu erforschen und zu entwickeln.
Auch die wissenschaftlichen An-Institute suchen Wissenschaftler. Sie sind als organisatorisch und rechtlich eigenständige Forschungseinrichtung einer Hochschule angegliedert und häufig das Bindeglied zwischen Hochschule und Wirtschaft. Als gemeinnützige GmbH können Anteilseigner der Staat, die Universität, Trägervereine oder die Industrie sein.
Darüber hinaus gibt es landwirtschaftliche Bundesforschungsinstitute (beispielsweise das Julius Kühn-Institut, die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz, die Max-Planck-Gesellschaft und die Helmholtz-Gemeinschaft), die wissenschaftliches Personal suchen.
Außerdem existieren in den einzelnen Bundesländern Landesanstalten für Landwirtschaft/  Landesforschungsanstalten für Landwirtschaft, die sich auf die unterschiedlichen Agrar-Ressorts spezialisiert haben und für ihre Projekte Nachwuchswissenschaftler benötigen.

Beschäftigungsformen in der Wissenschaft

Die Beschäftigungsarten an Universitäten und Fachhochschulen lassen sich grob in fünf Bereiche einteilen:

Studentische Hilfskraft in der Agrarwissenschaft:
Wer als studentische Hilfskraft arbeitet, muss nicht zwingend eine Promotion anstreben.  Etliche Studierende übernehmen diese Aufgabe für einige Wochenstunden, weil sie ihr Budget aufbessern oder auch weil sie Einblick in den Wissenschaftsbetrieb bekommen wollen. Sie unterstützen in der Regel die Dozenten in Forschung und Lehre, häufig auch in organisatorischen und administrativen Angelegenheiten.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter:
Wissenschaftliche Mitarbeiter in höheren Semestern oder in Agrar-Masterstudiengängen arbeiten Professoren zu. Sie helfen bei der Betreuung der Studierenden, unterstützen Forschungsvorhaben der Professoren, bereiten beispielweise die Präsentation der Ergebnisse vor (Transfer der Ergebnisse in die Praxis) und führen in der Regel auch Lehrveranstaltungen durch. Die Anzahl der verpflichtenden Semesterwochenstunden kann sich je nach Bundesland und Art des meist befristeten Dienstverhältnisses stark unterscheiden.

Promotionsstelle:
Die Zeit, in der die Doktorarbeit der Agrarwissenschaft erstellt wird, muss von den Promovenden finanziert werden. Deshalb bemühen sich viele um eine Stelle an der Hochschule. Dabei gibt es zwei Modelle: Entweder sie arbeiten als wissenschaftlicher Mitarbeiter auf einer Teilzeitstelle und erstellen in ihrer Freizeit ihre Doktorarbeit. Oder sie besetzen eine Stelle in einem Forschungsprojekt, dessen Thematik die Promotion umfasst. Die Ausschreibungen weisen in der Regel daraufhin, ob eine Promotion im Projekt möglich ist.

Postdoc-Stelle:
Der Postdoktorand ist ein Wissenschaftler, der den Doktorgrad erlangt hat und an einer Universität oder einem Forschungsinstitut befristet angestellt ist. Während dieser Zeit arbeitet er an Forschungsprojekten, soll sich weiterqualifizieren und selber publizieren. Inhalt und Dauer der Postdoc-Tätigkeit sind nicht definiert. Nicht selten verbringen Wissenschaftler auf Grund der gesetzlich erlaubten Kettenbefristung bis zu zwölf Jahren auf verschiedenen Stellen.


Professur in der Forschung und Lehre an einer Hochschule:

Die Professur ist, anders als der Doktortitel, kein akademischer Grad. Der Name bezeichnet lediglich das Amt des Inhabers einer Professur oder Dozentur. Eine Professur ist normalerweise unbefristet und in Deutschland mit dem Beamtenstatus verbunden. Eine erstmalige Professur bringt zumeist eine mehrjährige Probezeit mit sich, bis die Stelle zu einer unbefristeten Stelle umgewandelt wird. Bevor eine Professorenstelle neu besetzt wird, durchlaufen die Kandidaten ein aufwändiges Berufungsverfahren. Häufigste Voraussetzung für eine Professur an einer Universität ist die Habilitation. Die Juniorprofessur wurde 2002 durch eine Änderung im Hochschulrahmengesetz eingeführt. Sie beinhaltet eine auf sechs Jahre befristete Anstellung in einem Beamten- oder Angestelltenverhältnis.

Voraussetzung und Stellenausschreibungen

In den meisten Stellenausschreibungen für wissenschaftlichen Mitarbeiter werden Absolventen der gängigen Spezialisierungsrichtungen Tier-, Pflanzenzucht oder Agrarökonomie gesucht. In der Ausschreibung wird immer die wöchentliche Arbeitszeit genannt sowie die Thematik des Forschungsvorhabens, häufig auch über welche Drittmittel das Projekt finanziert wird.
Neben dem abgeschlossenen Bachelor- oder Master-Studium der Agrarwissenschaft werden eine selbstständige Arbeitsweise sowie ein sehr hohes Maß an Eigeninitiative vorausgesetzt. Zu den zahlreich genannten Voraussetzungen zählen vor allem  grundlegende Kenntnisse verschiedener statistischer Methoden zur Auswertung des Datenmaterials.

Vergütung/Gehalt in der Wissenschaft

 

Der Verdienst von studentischen Hilfskräften ist uneinheitlich und variiert je nach Bundesland und oft auch je nach Hochschule. Nach dem Beschluss Mitgliederversammlung der Tarifgemeinschaft deutscher Länder beträgt der Höchstsatz derzeit 9,05 Euro pro Stunde. Zudem gibt die Richtlinie die Möglichkeit, bei Bedarf diesen Höchstsatz um bis zu zehn Prozent zu überschreiten und Weihnachtsgeld zu zahlen.
Wissenschaftliche Mitarbeiter werden von den Hochschulen als Angestellte nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder entlohnt. Dieser ist in Entgeltgruppen eingeteilt. Doktoranden gehören der Stufe E13 an, die wiederum einzelne Entgeltstufen beinhaltet. Im ersten Jahr nach dem Studienabschluss und bei einer vollen Stelle liegt ihr Gehalt bei etwa 3.000 Euro brutto, mit Fachhochschulabschluss und einer vollen Stelle etwa 2.200 Euro brutto. Hierbei ist zu beachten, dass volle Stellen sehr selten vergeben werden.
Professoren werden nach der Besoldungsordnung W bezahlt. Der Buchstabe W steht für Wissenschaft.

Weitere Informationen Karriere in der Wissenschaft

Unterstützt durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gibt EURAXESS Deutschland Auskunft zu allen Fragen einer Karriere in der Wissenschaft. Diese nationale Koordinierungsstelle bei der Alexander von Humboldt-Stiftung ist aber mehr als eine Informationsstelle. Hier bekommen Mitarbeiter an Hochschulen auch individuelle Beratung zum Thema Karriere in der Wissenschaft.
Federführend von der RWTH Aachen wird das Portal KISSWIN betrieben, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt wird. Es beantwortet alle Fragen nach Stipendien oder anderen Fördermöglichkeiten. Das Portal bietet neben Informationen zu wissenschaftlichen Karrierewegen und Fördermöglichkeiten für junge Forscher auch eine individuelle Beratung rund um die Themen Karriere und Förderung in der deutschen Forschungslandschaft an.
Christiane Siemann, freie Wirtschaftsjournalistin

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