Lohnunternehmer – der Maschinenmensch

Morgens um acht steht Martin Schmidt schon in den Startlöchern. Der Tag verspricht stressig zu werden. Schmidt wirbelt in seiner Werkstatt und telefoniert. Ein Landwirt ein paar Kilometer weiter braucht Hilfe beim Strohpressen. „Kein Problem“, sagt der Agrarservicemeister. „Das kriegen wir hin.“

Er legt auf und erklärt seinen Mitarbeitern die Lage. „Wir haben heute wieder eine Menge zu tun“, sagt er. Sobald die Aufgaben verteilt sind, geht die Arbeit los. Schnell sind die Maschinen einsatzbereit. Um 10 Uhr fahren Schmidt und seine Mitarbeiter raus auf die Felder.


„Einfach nur Trecker fahren

gibt es bei uns nicht.“


„Wir pressen im Moment sehr viel Stroh“, sagt er, während sein Traktor über den Feldweg rumpelt. Der 31-Jährige ist Lohnunternehmer aus Leidenschaft. Treckerfahren fand er schon immer toll. „In den Sommerferien bin ich immer mit dem Rad zu den Bauern und habe bei der Ernte zugeschaut“, sagt er. Mit sechs ist er das erste Mal mit einem 309 Fendt auf den Acker gefahren. Und das ganz allein. „Das hat mich total fasziniert. „Von da ab ist das immer so geblieben.“

Doch Treckerfahren allein reicht nicht für den Erfolg. „Es gehört mehr dazu“, sagt er. „Man muss teamfähig, technikaffin und kommunikationsstark sein.“ Schmidt weiß, wovon er redet. Seit März 2017 leitet er die Münch Agrar Service GmbH in Polch in Rheinland-Pfalz. „Wir haben uns auf Strohpressen, Maishäckseln, Kalkstreuen, Maisdreschen und die organische Düngung mit Miststreuern spezialisiert“, sagt der Rheinländer. „Unser Einsatzgebiet ist 50 km im Umkreis.“ Ein Auszubildender und zehn Aushilfen unterstützen ihn.

Büro im Trecker

Während der Fahrt macht sein Telefon immer wieder leise „Pling“ – wieder eine Nachricht. „Wir machen ziemlich viel mit WhatsApp“, sagt Schmidt. „Damit senden wir uns zum Beispiel unsere Standorte.“ Den Computer im Büro nutzt er nur selten. „Da ich ziemlich viel unterwegs bin, ist der Trecker mein Arbeitszimmer.“ Er plant die Routen für den nächsten Tag vor und macht sich Notizen. Da die Betriebe immer größer werden, ist die Auftragslage gut. „Ich kann mich vor Arbeit kaum retten.“

Das ist kein Wunder, betreut Schmidt doch mit seinen 40 Maschinen rund 300 Kunden. „Die Landwirtschaft ist im Landkreis Mayen-Koblenz noch ziemlich stark“, sagt Schmidt. „Aber die Flächenstruktur ist schwierig.“ Wenn er 10 ha pressen will, muss er bis zu 20 verschiedene Schläge befahren. „Das ist ein enormer Arbeitsaufwand.“ Trotzdem brennt er für seinen Beruf. Wenn er draußen auf den Feldern ist, bleibt er oft stehen und spricht mit den Landwirten. „Das macht Spaß“, sagt er.

Respekt verschaffen

Mit seinem Traktor fährt Schmidt durch die engen Gassen von Polch. Ein Mitarbeiter folgt ihm mit dem Gabelstapler. „Eigentlich bin ich gelernter Landwirt“, sagt der gebürtige Mendiger. Das erste Ausbildungsjahr hat er auf einem Ackerbaubetrieb mit Zuchtsauen und Mastschweinen gemacht. „Da habe ich gemerkt, dass Bauer zu sein doch nicht mein Fall ist.“ Aber was man anfängt, macht man auch fertig.“ Die Ausbildung hat er schließlich bei einem Lohnunternehmer im Nachbardorf abgeschlossen. „Das war meine Welt.“

Danach arbeitete er acht Jahre lang bei verschiedenen Lohnunternehmern. 2012 wechselte er zur Münch Agrar Service GmbH nach Polch. „Seit sechs Jahren arbeite ich jetzt schon hier.“ Eines Tages bot ihm sein damaliger Chef an, auf die Meisterschule nach Kleve zu gehen. „Ich war dafür Feuer und Flamme. Also habe ich das gemacht.“ Kurz vor seiner Prüfung zum Agrarservicemeister fragte ihn sein Chef, ob er die Betriebsleitung übernehmen wolle. „Nach einer Nacht Bedenkzeit habe ich zugestimmt“, sagt Schmidt.

Im März 2017 schloss er die Meisterschule mit einem Notendurchschnitt von 1,9 ab. „Und dann stand ich ganz alleine da und sollte den Aushilfen sagen, wohin sie fahren sollen“, sagt er. „Das war am Anfang schon komisch.“ Aber er hat sich Respekt verschafft. „Ich lasse mir nicht auf der Nase rumtanzen und sage, wenn mir was nicht passt.“

agrajo Lohnunternehmer Strohprüfung

Einzelkämpfer? Nein, danke.

Auf dem Acker angekommen, springt Schmidt vom Trecker und nimmt ein paar gedroschene Getreidehalme in die Hand. „Vor dem Pressen prüfe ich den Feuchtigkeitsgehalt des Strohs.“ Er zerbröselt die Halme mit seinen Händen. „Das hier ist trocken genug.“ Er gibt seinem Mitarbeiter ein Handzeichen. Alles gut! Er kann loslegen. Der Motor des Traktors startet mit einem ordentlichen Wummern und die Maschine fährt los. Meter um Meter verschwindet das Stroh in der Presse. „Meine Jungs fahren aber nicht nur Trecker.“ Schmidts Mitarbeiter helfen auch bei der Wartung, reparieren und waschen die Maschinen. „Der Betrieb lebt davon, dass wir zusammenarbeiten. Einzelkämpfer gibt es hier nicht.“

Das funktioniert auch und Schmidt ist stolz darauf. Doch eine Sache wurmt ihn: In seiner Firma machen nur Männer den Job. „Frauen wären bei uns aber sehr willkommen“, sagt der Betriebsleiter. „Aber leider bewerben sich keine.“ Schmidt vermutet, dass der Beruf vielen Frauen zu anstrengend ist. Auch die Lohnunternehmen in der Nachbarschaft sind reine Männerdomänen.

Keine Angst vor Dreck

Es geht auf 13 Uhr zu, ein Teil der Arbeit ist erledigt. Schmidt verbringt die Mittagspause auf dem Acker. „Andernfalls würde ich zu viel Zeit verlieren“, sagt er und beißt in ein Brötchen. „Aber das ist nur in der stressigen Zeit so.“ Jetzt im Sommer fängt er um 8 Uhr an und kommt gegen 2 Uhr nachts nach Hause. Übers Jahr gesehen, kommt er an jedem dritten Tag gegen 17 Uhr heim.


Wir sind Profis.


An Bewerbern fehlt es nicht. Im Schnitt bewerben sich jeden dritten Tag potenzielle Aushilfsfahrer. Bislang hat er jedoch keinen gefunden. „Die meinen alle, dass sie fahren können. Das können sie aber nicht.“ Das ist ein Problem für Schmidt. „Wir sind Profis. Da muss das Treckerfahren automatisiert erfolgen. Und man darf keine Angst vor Dreck haben.“ Gute Fachkräfte zu finden, sei nicht einfach. Vom Acker steigt der Staub auf. Die Sommersonne glüht. „Da wir an den Bundesverband Lohnunternehmen angegliedert sind, bezahlen wir nach Tarif “, sagt Schmidt. „Im ersten Jahr bekommt ein Auszubildender circa 500 Euro und im zweiten Jahr einen Hunderter mehr.“ Einer Fachkraft Agrarservice bezahlt er 13,13 Euro brutto pro Stunde. „Hat man Fortbildungskurse besucht, kann man auch mehr verdienen“, sagt der Betriebsleiter. „Man muss motivierte Leute gut bezahlen.“

Besonders gefällt Schmidt an seinem Beruf die Nähe zur Natur. „Ich bin fast jeden Tag draußen und habe mit Leuten zu tun. Das macht meinen Beruf so spannend.“ Ein reiner Bürojob wäre nichts für ihn. „Da würde ich eingehen“, sagt er. „Ich bin nun mal ein absoluter Maschinen- und Draußenmensch. Aber wenn du nicht für den Beruf brennst, dann lass es sein.“

agrajo-Magazin 2018

Weitere Artikel zu dem Thema