Tätigkeitsfeld: Agrarberatung

Smart-Farming im Kuhstall

An wen wenden sich Landwirte von familiären Höfen oder Geschäftsführer von landwirtschaftlichen Großbetrieben, wenn sie Fragen zur Investitionsplanung oder Baumaßnahmen haben? Oder zur wirtschaftlichen Betriebsführung, Qualitäts- sowie Ertragssteigerung und zum Immissionsschutz? Sie suchen Unterstützung bei Agrarberatern. Diese Berater arbeiten bei den Landwirtschaftskammern und Landwirtschaftsämtern, in Berufs- und Fachverbänden oder in Unternehmensberatungen. Sie sind auf unterschiedliche Fachthemen rund um Landwirtschaft, nachwachsende Rohstoffe und die Agrarindustrie spezialisiert. Externe Berater haben den sogenannten Helikopter-Blick auf das Unternehmen und können dadurch seine Weiterentwicklung fördern. Ob Resistenzzüchtung von Nutzpflanzen, Fragen der Tierhaltung, Schadensbegutachtung oder Wasserrahmenrichtlinien: Die Berater bringen neben den Fachkenntnissen ein gebündeltes Wissen der Agrarökonomie mit.

Arbeitgeber für Agrarberater

Die Arbeitgeber von Agrarberatern lassen sich in drei Gruppen einteilen.

Öffentlicher Sektor Berater bei Bund, Land und Kommune
Ganz oben in der Verwaltung und Gesetzgebung steht das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), das die Rahmenbedingungen vorgibt. Es setzt beispielsweise mit EU oder Ländern Programme auf, um die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft zu verbessern. Es gestaltet die Agrarsozialpolitik und vieles andere. Das Ministerium sucht regelmäßig auf seiner Website Referenten und Berater für die unterschiedlichen Agrar-Disziplinen.

Bei den Ländern sind die Landwirtschaftskammern angesiedelt als Vertretung der  Interessen der Land- und Forstwirtschaft auf Länderebene. Sie haben zahlreiche staatliche Verwaltungsaufgaben, aber vor allem bieten sie auch ein großes Beratungsangebot für landwirtschaftliche Betriebe. Aufgabe der Kammern ist es, die Betriebe zu unterstützen, sich zukunftssicher und rentabel auszurichten.

Landwirtschaftsämter sind als untere Verwaltungsbehörde für die Themen und Rechtsgebiete der Landwirtschaft, Landschafts- und Bodenkultur zuständig. Je nach Bundesland sind sie eigenständige Behörden oder den Verwaltungen der Landkreise angegliedert. Sie sorgen für die fristgerechte Auszahlung der nichtinvestiven Fördermittel von EU, Bund und Land. Sie vertreten bei Inanspruchnahme landwirtschaftlicher Flächen durch Land oder Kommune die Belange der Landwirtschaft. Auch sind sie für Aufgaben des Pflanzenschutz- und Düngerechts sowie des Saatgutrechts zuständig.

Agrarwirtschaftliche Unternehmensberatungen
Es gibt zahlreiche große und kleine Agrarberatungen mit unterschiedlichen Spezialisierungen. Während die einen mehr betriebs- und steuerrechtliche Aspekte im Fokus haben, konzentrieren sich andere auf Schadensgutachten, Antragswesen, Vertragsgestaltung und Betriebsentwicklung. Wieder andere Agrarberatungen haben sich auf Strategie und Umsetzung für Handel oder Produktion von pflanzlichen oder tierischen Erzeugnissen spezialisiert.
Die meisten Studierenden der Agrarwirtschaft und Agrarwissenschaft knüpfen schon während des Studiums erste Kontakte zu Agrarberatungen, beispielsweise über ein Praktikum.

Verbände
Auch Agrarverbände spielen eine relevante Rolle als Arbeitgeber für Agrarberater. Es gibt geschätzt rund 200 Agrarverbände in Deutschland, die sich nach ihrem Ziel unterscheiden: Sie verfolgen agrarpolitische, landwirtschaftliche oder berufsständische Interessen. Außerdem finden sich zahlreiche Fachverbände, die sich auf unterschiedliche landwirtschaftliche Produkte oder Handlungsfelder spezialisiert haben. Ebenso gibt es Verbände auf EU-Ebene (beispielsweise der Verband der Landwirte und Kooperativen Copa-Cogeca), sowie auf kommunaler Ebene (beispielsweise der Kreisbauernverband).

Zu den bundesweit aktiven Verbänden zählen beispielsweise der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e.V. (BDP), der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT) oder der Verband für Landwirtschaftliche Biokraftstoffe e.V. Der Industrieverband Agrar e.V. (IVA) vertritt die Interessen der agrochemischen Industrie in Deutschland. Der wohl bekannteste berufsständische Zusammenschluss ist der Deutsche Bauernverband (DBV). In manchen Bundesländern gibt es auch Arbeitgeberverbände für Agrar/Landwirtschaft/Ernährung. Sie alle suchen Experten und Berater für ihr spezielles Aufgabengebiet.

Voraussetzung: Studium und/oder Beamtenlaufbahn

Nahezu alle Arbeitgeber von Agrarberatern setzen ein Studium der Agrarwirtschaft oder Agrarwissenschaft voraus. Sie erwarten den Universitäts- oder Fachhochschulabschluss Agrarwirtschaft (Bachelor, Master oder Diplom). Darüber hinaus spielt der fachliche Schwerpunkt eine große Rolle. Agrarberater sind selten Seiteneinsteiger. Werden fachliche Schwerpunkte im Ackerbau, Rinderhaltung, Pflanzenernährung, Agrarlogistik oder Stallbau erwartet, sollten Absolventen diese Kenntnisse auch punktgenau mitbringen.

Beamtenausbildung: Landesverwaltungen suchen Agrarwirtschaftler als Beamte für den höheren Dienst. Sie arbeiten überwiegend bei Landwirtschaftsbehörden, Landwirtschaftskammern sowie an agrar- und hauswirtschaftlichen Fachschulen. Sie durchlaufen einen Vorbereitungsdienst. Für die Aufnahme in den Vorbereitungsdienst wird in der Regel ein abgeschlossenes Masterstudium oder ein als gleichwertig anerkannter Hochschulabschluss vorausgesetzt. Entsprechend der gewählten Fachrichtung kommen die Studienbereiche Agrarwissenschaften, Ökotrophologie, Gartenbauwissenschaften, Landschaftsarchitektur oder Landschaftsplanung infrage. Zusätzlich muss eine berufspraktische Tätigkeit nachgewiesen werden, beispielsweise eine Berufsausbildung, die der Studienrichtung entspricht, oder ein mehrmonatiges Praktikum.

Beamte im höheren Beratungs- und Fachschuldienst erledigen Verwaltungsaufgaben in Landwirtschaftsbehörden und erstellen beispielsweise Gutachten zu aktuellen rechtlichen Vorgängen. Bei Planungsverfahren im Bereich der Agrarstrukturverwaltung arbeiten sie ebenso mit wie bei der Umsetzung von agrarwirtschaftlichen Förderprogrammen. Sie setzen sich mit neuen rechtlichen Vorschriften in ihrem Verantwortungsbereich auseinander, zudem lehren sie an agrarwirtschaftlichen Fachschulen. Daher erstellen und überarbeiten sie auch Unterrichtsmaterialien für die berufliche Aus- und Weiterbildung.

Stellenangebote in der Agrarberatung finden Sie im agrajo-Stellenmarkt.

Berufsbezeichnungen in Stellenanzeigen

In Stellenanzeigen werden Unternehmensberater im Agrarsektor unter folgenden Bezeichnungen gesucht:

  • Agrarspezialist/in,
  • Landwirtschaftlicher Berater/in,
  • Landwirtschaftlicher Fachberater/in,
  • Landwirtschaftsberater/in,
  • Fachberater/in oder Referent/in für beispielsweise Rind, Biogasprodukte, Management, produktionstechnische Beratung, Ackerbau oder andere Bereiche.

Fast alle Arbeitgeber setzen agrarökonomisches Fachwissen voraus, insbesondere Kenntnisse der Agrarvermarktung. Häufig werden auch Erfahrungen mit betriebswirtschaftlicher Software erwartet. Großen Wert legen die Arbeitgeber ebenso auf kommunikative Fähigkeiten, denn Berater sind Dienstleister, die einen guten Draht zu Landwirten haben sollten.

Gehalt/Einkommen in der Agrarberatung

Im öffentlichen Dienst erfolgt die Vertragsgestaltung nach den gültigen Regelungen für Beschäftigte des Landes oder Bundes. Das durchschnittliches Einstiegsgehalt Uni/FH in einer Beamtenlaufbahn liegt zwischen 2.250 Euro und 2.460 Euro brutto pro Monat.
Die Beamtenanwärter erhalten auf Widerruf Anwärterbezüge, die eventuell durch Zulagen ergänzt werden.
In Gehaltstabellen für Agrarberufe wird die Berufsbezeichnung Agrarberater auch für Mitarbeiter im Vertrieb verwendet. Diese dürfen jedoch nicht mit Agrarberatern in Unternehmensberatungen verwechselt werden. Daher treffen die Gehaltsangaben nicht auf sie zu. Eine Orientierung bieten eher Gehaltsangaben in dem Bereich der allgemeinen Unternehmensberatungen. Danach liegt das Einstiegsbruttogehalt von Beratern zwischen 45.000 und 55.000 Euro pro Jahr.

Christiane Siemann, freie Wirtschaftsjournalistin

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