Tätigkeitsfeld Einkauf/Materialwirtschaft/Procurement

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In vielen Unternehmen läuft die Beschaffung noch nebenher, doch die Bedeutung des Einkaufs wächst ständig: Die Produktionszyklen werden schneller und kürzer, also müssen auch die Beschaffungsaktivitäten schneller funktionieren. Außerdem führen weltweite Beschaffungsmärkte zu einem verstärkten Wettbewerb, der Preisvorteile ermöglicht. Je größer das Unternehmen, umso häufiger existieren eigene Procurement-Abteilungen. Doch auch mittelständische Agrarbetriebe wissen inzwischen um den Stellenwert des Einkaufs. Allerdings sind Fachkräfte qualifizierte und erfahrene Einkäufer schwer zu finden. Ein Grund für den heutigen Fachkräftemangel ist die fehlende Ausbildung zum Einkäufer. Es gibt kaum Studiengänge, die zum Einkäufer qualifizieren (Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V., BME).

Der Einkäufer von heute ist nicht nur der operative Warenbeschaffer. Er ist Generalist (in betriebswirtschaftlichen Belangen) und zugleich Spezialist (beispielweise Agrar- oder Lebensmittelingenieur, Agrartechniker oder Agrarwirtschaftler).

Das Beschaffungswesen unterteilt sich in operative und strategische Tätigkeiten:
Bevor der operativ tätige Einkäufer Futter- und Düngemittel, Agrarrohstoffe, Wirkstoffe, Fette/Öle, Maschinen, Heizöl, Kraftstoffe und viele Betriebsmittel bestellt, klärt er mit den Fachabteilungen den Bedarf ab. Auf der Basis der Einkaufsplanung nehmen Einkäufer Ausschreibungen vor, verhandeln mit potenziellen Lieferanten im In- und Ausland, holen Angebote ein, führen Verhandlungen über Mengen, Preise, Qualitäten, Liefertermine und schließen Verträge ab. Sie überprüfen die Einhaltung von Qualitätsstandards, verhandeln Zahlungsbedingungen und wirken bei der Budgeterstellung und -kontrolle mit.
Strategische Einkäufer sind eher für das Materialmanagement (Überwachung der Lagerbestände und des Materialflusses), die Lagerwirtschaft/Lagerlogistik, das Lieferantenmanagement, Beschaffungsprozesse und für das Einkaufscontrolling zuständig. Sie bringen Kenntnisse des nationalen und internationalen Einkaufs-/Handelsrechts mit, kümmern sich um die Marktforschung im Bereich Beschaffung und gestalten die strategische Beschaffungspolitik.

Im Einkauf geht es um viel Geld: Einkäufer wollen gute Qualität zu möglichst niedrigen Preisen bei guten Lieferbedingungen erzielen. Ihr Ziel ist es, die Einkaufskonditionen zu optimieren. Deshalb entwickeln sie Einkaufsstrategien, beobachten und analysieren die Märkte im Bereich der Rohstoffe (pflanzliche und tierische) oder im technischen Sektor
(technische Komponenten, Ersatzteile und sonstigen Materialien). Sie kennen die Wettbewerbssituation der Großhändler, erschließen neue Lieferquellen und haben die ; aktuelle Preisentwicklung immer im Blick – neben den regulatorischen und firmeneigenen Qualitätsstandards.

Studium/Voraussetzung

Im Agribusiness erwarten die Unternehmen von Einkäufern ein abgeschlossenes agrarwirtschaftliches Studium, ein Studium der Lebensmittelwissenschaft, der Agrartechnik oder des Wirtschaftsingenieurwesens. Auch Bewerber mit einer kaufmännische Ausbildung und entsprechender Weiterbildung sind willkommen. Häufig wird für die ausgeschriebene Position Berufserfahrung im Agrarbereich vorausgesetzt. Oder je nach Branche und Betriebsmittel vertiefte Kenntnisse in der Erzeugung und Verarbeitung von Lebensmitteln, im Bereich der industriellen Verwertung von nachwachsenden Rohstoffen oder andere.
Besonderen Wert wird bei Mitarbeitern im Beschaffungswesen auf die Soft Skills gelegt. Als Einkäufer kommt nur weiter auf der Karriereleiter, wer großes Verhandlungsgeschick und Durchsetzungsvermögen mitbringt sowie ein sicheres Auftreten und Kommunikationsfreude. Sehr wichtig ist auch die Beherrschung von Fremdsprachen, denn die Beschaffungsmärkte sind längst international ausgelegt, sodass Verhandlungen häufig auf Englisch stattfinden.

Berufsbezeichnungen in Stellenanzeigen

In den Stellenangeboten wird selten auf den gewünschten Studienabschluss Bachelor oder Master eingegangen. Wichtiger ist den suchenden Unternehmen, dass die Bewerber das Fachgebiet gut kennen und beherrschen. Auch kaufmännische Erfahrungen werden nicht zwingend vorausgesetzt.
Folgende Berufsbezeichnungen sind in Stellenanzeigen häufig zu finden:

  • Technischer Einkäufer (m/w) Agrarwirtschaft
  • Rohstoffe Milchwirtschaft und Lieferantenbetreuung (m/w)
  • Strategischer Einkauf im Bereich Agrarwirtschaft/Biogasanlagen
  • Technischen Einkäufer (m/w) Biogas
  • Einkäufer/Rohwarenhändler (m/w)
  • Einkäufer (m/w) Rohware
  • Vertriebsprofi Einkauf (m/w)
  • Rohwareneinkäufer Futtermittel (m/w)

Arbeitgeber Einkauf/Beschaffungswesen

Sowohl Handelsunternehmen, wie die AGRAVIS Raiffeisen AG, BayWa AG  und andere, als auch produzierende Unternehmen der Lebensmittelindustrie, der Futtermittelindustrie, der Pflanzen- und Tierzüchtung ebenso wie die agrartechnische Industrie gehören zu den wichtigsten Arbeitgebern von Fach- und Führungskräften für den Einkauf. Auch große landwirtschaftliche Produktionsbetriebe suchen Mitarbeiter für den Einkauf und die Materialwirtschaft.

Etliche Stellenangebote für Einkäufer werden über Personalberater ausgeschrieben. Ein Grund dafür: Da qualifizierte Einkäufer auf dem Arbeitsmarkt Mangelware sind, bleibt oft nur der Weg der Abwerbung aus branchengleichen Unternehmen. Bei diesem Weg stellen die Berater sicher, dass der Name des Interessenten nicht beim aktuellen Arbeitgeber bekannt wird. Stellenangebote für Einkäufer im Agribusiness finden Sie im agrajo-Online-Stellenmarkt.

Einkommen/Gehalt

Das Bruttojahresgehalt von leitenden Angestellten im Einkauf liegt bei rund 78.000 Euro. Das zeigen die Ergebnisse der Vergütungsstudie der Dr. Schwerdtfeger Unternehmensberatung. Bei Mitarbeitern im Einkauf beträgt das Durchschnittsgehalt 39.000 Euro. Ähnlich Werte bestätigt die Tarifsammlung des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales. Danach liegt die tarifliche Bruttogrundvergütung (monatlich) zwischen 3.143 Euro 3.870 Euro. Wie auch in anderen Agrarberufen spielt die Berufserfahrung bei der Bezahlung eine wesentliche Rolle. Strategische Einkäufer verdienen in der Regel etwas mehr als die rein operativ tätigen. Auch im technischen Einkauf fällt der Gehaltsscheck etwas größer aus. Je besser ein Einkäufer verhandeln kann, umso höher sind seine Aufstiegschancen und sein Gehalt.

Christiane Siemann, Journalistin

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