Die Folgen der Coronakrise auf Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Landwirtschaft

Die Coronapandemie und die damit verbundenen Geschäftsschließungen, sowie Reise- und Ausgangsbeschränkungen beeinflussen nicht nur unseren Alltag. Wirtschaft, Arbeitsmarkt und insbesondere Landwirtschaftsbranche trifft die Krise hart. Ein Überblick. 

Zusammenfassung

  • Landwirtschaft: Agrar- und Rohölpreise und die Einkommen sinken
  • Trifft es besonders hart: Automobil- und Flugzeugbranche
  • Arbeitslosenzahlen steigen
  • Best Practice: So meistert John Deere die Coronakrise
  • Maßnahmen der Regierung

So wirkt sich das Coronavirus auf die Agrarbranche aus

Die Landwirtschaft ist zwar systemrelevant, dennoch ist sie direkt und indirekt von den Beschränkungen betroffen. Rund 300.000 Erntehelfer fehlen auf den deutschen Feldern. Die Bundesregierung startete hierzu die Inititiative „Das Land hilft“, außerdem bat Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) in einer offiziellen Ansprache Studenten und Schüler, auf den Äckern auszuhelfen.

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Unter anderem Schüler und Studenten sollen bei der Ernte helfen.

Doch auch die Agrarmärkte stehen heftig unter Strom, Panikkäufe, Exportstopps und Versorgungsengpässe rütteln diese kräftig durch. Gleichzeitig hat der Rohölpreis vergangene Woche einen historischen Tiefstand erreicht, erstmals kostete ein Barrel am Terminmarkt in den USA minus 40 US-Dollar. Besonders in den Vereinigten Staaten ist die Lage verheerend – die Universität von Missouri (FAPRI) wagte eine erste, düstere Prognose auf die landwirtschaftlichen Einkommen:

Trotz der staatlichen Hilfen könnten die Einkommen der US-Farmer laut FAPRI um ein Viertel sinken. Hierzulande zeigt sich der Agrar- und Ernährungssektor jedoch wirtschaftlich robust und widerstandsfähig. Die Nachfrage hat sich aufgrund der Corona-Krise stark verändert, Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Reis, Mehl, Obst- und Gemüsekonserven sind stärker gefragt.

Die Automobil- und Flugzeugbranche trifft die Coronakrise besonders hart

Auf den deutschen Flughäfen herrscht gähnende Leere – wo sich sonst Passagiere und Besucher tummeln, bleiben Schalter und Wartehallen wie ausgestorben. Die Luftfahrtindustrie leidet massiv unter den Reisebeschränkungen. Fast 45 Prozent weniger Passagiere als in der Vorjahres-Woche nutzten deutsche Flughäfen, schrieb das Nachrichtenmagazin „Spiegel Online“ Ende März.

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Verwaiste Schalterhallen sind mittlerweile Alltag an den deutschen Flughäfen. Fast keine Branche leidet wie die Luftfahrtindustrie unter den Reisebeschränkungen.

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Werksmitarbeiter des Automobilkonzerns VW vor den Produktionshallen.

Aber auch die Autohersteller ächzen unter den Folgen der Pandemie. Die Unternehmen mussten die Fertigungsbänder weltweit schnell stoppen, um Mitarbeiter zu schützen und die Ausbreitung des Virus einzudämmen, hieß es im „Handelsblatt“. Zudem bräche die Nachfrage zunehmend weg. Folglich sei es unklar, wann man die Autoproduktion wieder voll hochfahren könne, so die Hersteller.

In der Krise haben die Menschen andere Sorgen, als sich einen Neuwagen zuzulegen. Die Ratingagentur Standard & Poors geht davon aus, dass der globale Auto-Absatz auf unter 80 Millionen Autos einbrechen wird. Das wäre ein Rückgang von 15 Prozent. Mit den Autoherstellern leiden auch die Zulieferer, z.B. die Chemieindustrie.

Der Arbeitsmarkt erlebt aufgrund der Coronakrise den schlimmsten April der Geschichte

Deutschlands Unternehmen haben laut „Spiegel Online“ bis zum 26. April für 10,1 Millionen Menschen Kurzarbeit angemeldet – das sind fast 30 Prozent alle sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer in Deutschland. Das teilte die Bundesagentur für Arbeit vergangene Woche mit. Damit habe die Zahl alle Prognosen übertroffen.

„Wir erfahren die größte Rezession seit Gründung der Bundesrepublik“, sagte der Chef der Bundesagentur für Arbeit Detlef Scheele. Das Arbeitsmarktgeschehen sei praktisch zum Erliegen gekommen. Auch die Arbeitslosenzahl ist im April um 304.000 Menschen angestiegen, so stark wie noch nie zuvor in einem April.

So meistert der Landmaschinenhersteller John Deere die Krise

Beim Landmaschinenhersteller John Deere sieht es anders aus: alle europäischen Fabriken produzieren aktuell. Das geht dank zahlreicher Maßnahmen, die das Unternehmen zum Schutz der Mitarbeiter getroffen hat. „Die Mannheimer Traktorenfabrik arbeitet derzeit im Einschichtbetrieb mit einer größeren Taktung als sonst. Dadurch kann der Sicherheitsabstand am Band eingehalten werden“, berichtet Ralf Lenge, Manager Public Relations beim Unternehmen. Darüber hinaus gebe es eine Vielzahl weiterer Maßnahmen zum Schutz der Angestellten. Die Ernte steht in viele Regionen bevor, deshalb sei es umso wichtiger, weiter zu produzieren. Was John Deere sonst alles im Zuge der Krise unternimmt, erfährst du im agrarheute-Interview mit Ralf Lenge.


Die Bundesregierung reagiert mit Maßnahmen auf die Krise

In der hohen Zahl der Kurzarbeit-Anmeldungen steckt aber auch eine gute Nachricht: das System funktioniert und schützt Millionen von Arbeitnehmern vorerst vor der Kündigung. Die Bundesregierung hat indes zahlreiche dringend benötigte Verbesserungen und Hilfen für Unternehmen und Arbeitnehmer beschlossen. So wurde im März der Zugang zum Kurzarbeitergeld erleichtert, jeder Betrieb mit mindestens 10 Prozent Arbeitsausfall kann nun Kurzarbeit beantragen.

Auch die Grundsicherung soll vor allem für durch die Krise geschädigte Kleinunternehmer und Solo-Selbstständige nun leichter zugänglich sein. Für den Arbeitsablauf in den Betrieben erstellte die Regierung einen einheitlichen Infektionsschutzstandard, an dem sich alle Unternehmen orientieren können. Mehr Informationen zu den Maßnahmen der Bundesregierung: www.bmas.de/informationen-corona

Autor: Maya Rychlik
Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) u.a.
Bildquelle: imago

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