Die TH Bingen – Technische Hochschule Bingen


Zusammenfassung


Fachschaft Agrar der TH Bingen wächst

Über 2.600 junge Menschen studieren am TH-Campus in Bingen-Büdesheim, ungefähr 250 davon sind in einen agrarwirtschaftlichen Studiengang eingeschrieben. Trotz der großen Nachfrage nach einem Agrarstudium ist die Anzahl der Studierenden noch überschaubar. Das macht auch einen zentralen Vorteil der Technischen Hochschule aus: Die Studierenden arbeiten in kleinen Gruppen zusammen und es bestehen persönliche Arbeitsbeziehungen zu den Professoren.

Schwerpunkt bei allen Studiengängen ist die Nachhaltigkeit

Ein zweiter Vorteil liegt in dem breiten Angebot unterschiedlicher Studiengänge an der THB, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit befassen. Nehmen wir das Beispiel erneuerbare Energien, das gemeinsam in den Studiengängen Agrarwirtschaft, Umweltwissenschaften und Biotechnologie mit unterschiedlichen Schwerpunkten aufgegriffen wird. Dieser bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für den Agrarbereich. Es bieten sich vielfältige Möglichkeiten für Master- oder Bachelorarbeiten.

Aus Sicht der Agrarwirtschaft liegen die Schwerpunkte in der konventionellen und ökologischen Tier– und Pflanzenproduktion, Ökonomie und Technik. Endliche Ressourcen, Umweltbelastungen und das weltweite Bevölkerungswachstum stellen uns dabei vor große Herausforderungen. Wie schaffen wir es, bei allem nachhaltiger zu werden?

Prof. Wollny im Interview

Prof. Dr. Wollny, ehemaliger Studiengangsleiter Agrarwirtschaft der TH Bingen
©TH Bingen

Die Agrarwirtschaft in Bingen ist im Fachbereich 1 „Life Sciences and Engineering“ angesiedelt. Eine Besonderheit stellen die ausbildungsintegrierten Studiengänge „Agrarwirtschaft“ und „Weinbau und Oenologie“ dar. Professor Dr. agr. Clemens Wollny, Dekan des Fachbereichs Life Sciences and Engineering an der TH Bingen, hat uns erklärt, was das Agrarwirtschaftsstudium in Bingen auszeichnet.


Bingen liegt in der Pfälzer Weinregion und gleichzeitig nah am Ballungsgebiet Rein-Main. Spielt die Lage eine Rolle für die Studierenden?

In Erstsemesterbefragungen haben wir herausgefunden, dass der touristisch attraktive Standort Bingen und die Lage am Rhein für die Studienortwahl gar keine so große Rolle spielen. Die Studierenden sind eher inhaltlich orientiert: Was wird geboten? Wie passt das zu meinen Interessen?

Relativ gut ist die Wohnungssituation in Bingen und den umliegenden Gemeinden. Wohnungsprobleme sind mir nicht bekannt, auch das Preisniveau ist niedriger als in den Großstädten. Zudem gibt es ein Studentenwohnheim in Bingen.

Wie verhalten sich Studienplatznachfrage und -angebot?

Die Nachfrage nach den Bachelorstudiengängen ist sehr hoch. Dennoch haben wir keinen Numerus Clausus eingeführt. Wir nehmen alle Studierenden auf, die die Voraussetzungen die Fachhochschul- oder Hochschulreife erfüllen.

Im Masterstudium ist die Kombination von Landwirtschaft und Umwelt auch für Quereinsteiger aus anderen Studiengängen, wie z.B. Biologie, Geologie, Landschaftsarchitektur, Geoökologie oder Naturschutzmangement und ähnliche attraktiv. Der Studiengang ist deshalb voll ausgelastet.

Es gibt im Master zwar keinen Numerus Clausus, aber als Zulassungsvoraussetzung einen Notenschnitt im Bachelorabschluss von 2,5 oder besser. Diese Hürde dient dazu, die gute fachliche Qualifikation der Masterstudierenden zu gewährleisten

Wodurch zeichnete sich das ausbildungsintegrierte Bachelorstudium „Agrarwirtschaft“ aus?

Der Vorteil ist, dass die Studierenden nach insgesamt fünf Jahren zwei Abschlüsse haben, einen Bachelor of Science und einen landwirtschaftlichen Berufsabschluss. Außerdem sparen sie Zeit. Durch die Kombination der Ausbildung mit dem Studium verkürzt sich die Ausbildung auf 18 Monate.


Das ausbildungsintegrierte Studium beginnt mit 15 Monaten Berufsausbildung in einem landwirtschaftlichen Betrieb und enthält weitere drei Monate Praxis während des Studiums. Das bringt einen hohen Arbeitsaufwand mit sich, aber es rechnet sich: Die Absolventen sind am Arbeitsmarkt stark begehrt. (Hinweis der Redaktion: aktuell bietet die TH Bingen den Bachelor-Studiengang Agrarwirtschaft nur in Vollzeit an.)

Gilt das auch für den ausbildungsintegrierten Studiengang Weinbau und Önologie?

Bei diesem ist der Studienverlauf dem jährlichen Ablauf im Weinberg angepasst. Die Praxisprojekte sind zeitlich so organisiert, dass sie stattfinden, wenn die hauptsächliche Arbeit am Weinberg oder im Keller anfällt.

Wie unterstützen Sie Interessierte bei der Studienwahl?

Schon vor dem Studienbeginn bieten wir eine ganze Reihe an Veranstaltungen Schnuppervorlesungen, Hochschulinfotag, Informationsveranstaltungen und persönliche Beratung. Das wird rege angenommen, sodass sehr selten Studierende bei uns anfangen, die sich noch nicht informiert haben.

Als Studiengangsleiter führte ich selbst auch Beratungen durch. Hierbei ging es vor allem um das persönliche Wunschprofil und die Erwartungen des Einzelnen. Manchmal musste ich auch von einem Studium abraten, wenn keine realistischen Vorstellungen bestanden.

Wozu raten sie inhaltlich: Sollen Studierende sich auf bestimmte Themen spezialisieren, die besonders gefragt sind?

Ich rate immer dazu, nicht aufgrund des aktuellen Bedarfs einen Schwerpunkt zu setzen, sondern langfristig zu denken: Was möchte ich machen? Wofür bin ich am besten geeignet? Wer mit Interesse und Motivation zielstrebig an eine Sache herangeht, findet eigentlich immer eine passende Tätigkeit.

Diejenigen Personen, die wirklich das machen, wofür sie sich interessieren, weisen die größten beruflichen Erfolge auf. Zudem ist der Agrarbereich so breit gefasst, dass es im Vergleich zu vielen anderen akademischen Berufen relativ leicht ist, ein Arbeitsfeld zu finden, das den persönlichen Wünschen und Fähigkeiten nahekommt.

Warum haben Sie sich für die Agrarwirtschaft entschieden?

Ich hatte schon immer eine enge Verbindung zur Natur, komme aber nicht direkt aus einem landwirtschaftlichen Betrieb. Stattdessen hatte ich vor dem Studium Praktika in verschiedenen Betrieben in Deutschland und England absolviert. Das hat mir sehr gut gefallen, deshalb hat sich die Studienwahl so ergeben. Damals gab es noch einen hohen Numerus Clausus und die Universität war ein Massenbetrieb mit Hunderten von Studierenden völlig anders als heute an der Fachhochschule.

Prof. Wollny kam über verschiedene Praktika zur Agrarwirtschaft. © TH Bingen

Spezialisiert habe ich mich dann auf den Bereich Tiergenetik und Erhaltung tiergenetischer Ressourcen. Heute bin ich über diese Spezialisierung hinaus in weiteren Bereichen, vor allem international und im Zuge der Entwicklungszusammenarbeit, tätig. Das macht meiner Ansicht nach den Reiz an der Agrarwirtschaft aus: Je nach Interesse kann sich jeder entwickeln und seine Schwerpunkte setzen.

Die agrarwirtschaftlichen Studiengänge der Technischen Hochschule Bingen im Überblick


Bachelorstudium

Im Bachelorstudiengang „Agrarwirtschaft“ werden innerhalb der ersten drei Semester natur- und betriebswirtschaftliche Grundlagen vermittelt. Ab dem vierten Semester erfolgt mit der Wahl einer Vertiefungsrichtung (Agrarmanagement oder Landwirtschaft) die individuelle Profilbildung. In der Vertiefung Landwirtschaft kann auch der Schwerpunkt Intensivkulturen gewählt werden.

Die FH Bingen bietet auch ausbildungsintegrierte Studiengänge im agrarwirtschaftlichen Bereich an.

  • Agrarwirtschaft: Die Regelstudienzeit des Bachelorstudiengangs Agrarwirtschaft beträgt sieben Semester. Das Studium schließt mit dem akademischen Grad Bachelor of Science (B. Sc.) ab. In den ersten drei Semestern vermitteln wir Ihnen natur- und betriebswirtschaftliche Grundlagen. Ab dem vierten Semester wählen Sie eine Vertiefungsrichtung: „Landwirtschaft“, „Produktionsökonomik Pflanze“, „Produktionsökonomik Tier“ oder „Ökologische Agrarwirtschaft“. Mehr Informationen: www.th-bingen.de/agrarwirtschaft. Die TH Bingen bietet auch den ausbildungsintegrierten Studiengang im agrarwirtschaftlichen Bereich an.
Mann im Feld bei der Dokumentation
Ab dem vierten Semester können die Studierenden zwischen den Vertiefungsrichtungen „Landwirtschaft“, „Produktionsökonomik Pflanze“, „Produktionsökonomik Tier“ oder „Ökologische Agrarwirtschaft“ wählen. © Jonas von Blohn/ TH Bingen

Masterstudium

Der Masterstudiengang „Landwirtschaft und Umwelt“  ist konsekutiv, das heißt, es schließt direkt an den Bachelor an. Das Masterstudium geht über drei Semester und ist interdisziplinär angelegt.

Die Studierenden werden auf eine Karriere im Überschneidungsbereich von Landwirtschaft und Umwelt vorbereitet. Darüber hinaus besteht nach dem Abschluss die Möglichkeit zur Promotion an einer Universität oder zu einem Referendariat für den höheren Verwaltungsdienst.

Promotion

Der Anteil der Doktoranden in der Agrarwirtschaft ist im Vergleich zu den anderen Studiengängen in Bingen relativ hoch. Promotionsmöglichkeiten werden in Kooperation mit den Universitäten Hohenheim, Bonn oder auch anderen Universitäten angeboten. Die Doktoranden erarbeiten ihre praktischen Versuche und wissenschaftlichen Untersuchungen zum größten Teil in Bingen und bekommen den Doktorgrad der kooperierenden Universität verliehen.

Kontakt

Fachstudienberatung Agrarwirtschaft
Berlinstraße 109
55411 Bingen
Tel. +49 06721 409 0
E-Mail: studierendensekretariat@th-bingen.de
Homepage: https://www.th-bingen.de/home/#

Du interessierst dich für ein Studium im Agrarbereich? Dann schau doch mal in unseren Artikel Agrarwissenschaften studieren hinein.

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Autor: Christiane Siemann

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