Hofübergabe

Landwirt Im Getreide

Die Hofübergabe sollte kein Tabuthema sein. Wenn in der Familie rechtzeitig und offen über dieses Thema gesprochen wird, wird das Konfliktpotenzial, welches durchaus vorhanden ist, gesenkt.

Entschlossenheit

Bist Du Dir sicher, dass Du den Hof Deiner Eltern weiterführen willst? Das solltest Du nämlich! Denn das ist keine einfache Aufgabe. Auf keinen Fall solltest Du den Hof nur aus Pflichtgefühl übernehmen. Fühlst Du Dich von Deinen Eltern in die Rolle des Hofübernehmers gedrängt, dann ist es keine gute Entscheidung, den Hof zu übernehmen.

Es reicht auch nicht, wenn Du die Leidenschaft zur Landwirtschaft in Dir trägst, die Du ohne Frage brauchst. Wenn Du auf einem Hof aufgewachsen bist, dann weißt Du, dass auch die Stellung der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit in den letzten Jahren immer schwieriger geworden ist. Auch damit musst Du als Hofbesitzer umgehen können. Du solltest einen Weg finden, wie Du in Zukunft damit umgehen willst und Dir überlegen, welchen Teil auch Du dazu beitragen kannst, das Image der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit wieder aufzubessern.

Zeitpunkt

Spätestens, sobald die 65. Geburtstage Deiner Eltern in die Nähe rücken, wird das Thema Hofübergabe konkret, da Deine Eltern dann das Altersgeld beziehen möchten. Für die Übergabe des Hofes mag das ein geeigneter Zeitpunkt sein, aber Thema sollte dies in der Familie schon vorher sein, damit eine gerechte Lösung für alle gefunden wird.

Hast Du zum Beispiel Geschwister, die weichenden Erben, dann sollte geklärt sein, was sie als Ausgleich dafür bekommen, dass Du den Hof übernimmst. Überlicher Weise sind das Geldbeträge oder Grundstücke.

Auch sollte geregelt sein, ob und wie weit Du als Hofübernehmer, die Versorgung und Pflege der Eltern übernimmst. Das Thema wird aber in den Übergabeverträgen nur noch selten geregelt. Denn, kommt es zum Beispiel wider Erwarten zum Streit zwischen den Parteien, ist es schwierig auf die Vertragsregelung zu pochen. Es wird sich dann zwar gekümmert, aber nicht mehr so, wie es erwartet werden würde. Dennoch ist die Versorgung und Pflege der Eltern ein sehr wichtiges Thema, was spätestens bei der Übergabe des Hofes in der Familie besprochen und geregelt werden sollte.

Berufliche Qualifikation

Was ist die beste, berufliche Voraussetzung für die Hofübernahme? Eine schwierige Frage, für die es keine pauschale Antwort gibt! Ausbildung? Techniker? Meister? Studium? Es gibt viele Möglichkeiten.

Laut einer Statistik der Agrarsozialen Gesellschaft e.V. (2018) unterscheiden sich die Bildungsformen der Landwirte je nach Rechtsform. Während die Mehrheit der Haupterwerbsbetriebsleiter einen eher geringqualifizierten Berufsabschluss, wie zum Beispiel die Ausbildung zum Landwirt, haben, verfügen mehr als 50 % der Betriebsleiter von Personengesellschaften über den Abschluss Landwirtschaftsmeister oder Fachagrarwirt. Einen Hochschulabschluss haben sogar mehr als 60 % der Leiter von Betrieben mit der Rechtsform juristische Person.

Ebenfalls in dieser Statistik zu sehen, ist ein Zusammenhang zwischen Betriebsgröße und Hochschulabschluss. Je kleiner der Betrieb, desto geringer ist der Anteil an Betriebsleitern mit Hochschulabschluss:

Daher liegt es an Dir, welchen Weg Du gehen möchtest und gehen kannst. Sicher schadet ein höherer Bildungsabschluss nie. Er qualifiziert Dich in jedem Fall für die verantwortungsvolle Aufgabe, Deinen Betrieb zu leiten und hilft Dir auch landwirtschaftsfremde Betriebsaufgaben zu meistern. Jedoch solltest Du bei Deiner Entscheidung auf jeden Fall Deine persönlichen Möglichkeiten und Deine Betriebsgröße berücksichtigen. Klar, spielt Deine berufliche Qualifikation eine Rolle, aber sie ist ja nicht endgültig. Du hast nach der Hofübernahme immer noch die Möglichkeit Dich weiterzubilden.

Bereitschaft

Ist es dann soweit und der Hof wurde an Dich übergeben, ist es nicht immer leicht. Du hast neue, innovative Ideen, Deine Eltern wollen aber lieber, dass Du den Hof in ihrem Sinne nach altbewährter Methode weiterführst. Was nun? Eigentlich bist Du ja jetzt der Chef. Doch nur, weil der Hof übergeben ist, heißt das noch nicht, dass das auch in den Köpfen aller angekommen ist. Auch hier lohnen sich ruhige und sachliche Gespräche. Erkläre Deinen Eltern Deine Situation und Dein Vorhaben. Sie müssen verstehen, dass Du nichts Böses für den Hof willst und dass es sich auch lohnen kann, andere Wege zu gehen.

Eventuell kann auch eine dritte Partei helfen, beiden Seiten die Sichtweise der jeweils anderen Partei zu erklären – ein Art Mediator. Diese Rolle könnte zum Beispiel eine Deiner Geschwister, ein Verwandter oder ein Außenstehender übernehmen.

Dass die Hofübernahme gelingt, hängt von vielen Punkten ab. Sich rechtzeitig Gedanken zu machen und klare, offene Gespräche innerhalb der Familie zu führen, sind die ersten Schritte in die richtige Richtung!

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