Leidenschaft für Landtechnik

Das Telefon klingelt: Ein defekter Mähdrescher zwingt einen Landwirt, die Ernte zu unterbrechen. Hubertus Machtens reagiert professionell: Er fragt nach dem genauen Problem und geht beruhigend auf den Landwirt ein. Er werde schnellstmöglich einen Mechaniker schicken, der den Schaden behebt. „Gerade in diesem Sommer liegen die Nerven blank“, sagt er nach dem Auflegen. „Die sonnigen Wetterperioden sind kurz. Viele Landwirte hier in der Region mussten aufgrund des Regens Qualitätseinbußen hinnehmen. Ein kaputter Mähdrescher ist das Letzte, was sie gebrauchen können.“

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Der 25-jährige Meister leitet seit 2014 gemeinsam mit einem Kollegen eine Landmaschinenwerkstatt der New- Tec-Gruppe in Einbeck. Hier ist er für zwei Auszubildende und fünf Gesellen verantwortlich. „Ich bin der jüngste Meister, der für die New-Tec-Gruppe arbeitet“, sagt er schmunzelnd. Doch im Umgang mit den meist älteren Kunden oder Gesellen fällt dies nicht weiter auf – er überzeugt mit Fachwissen und praktischem Können.


Die New-Tec-Gruppe

Die New-Tec-Gruppe ist ein Anbieter von Agrartechnik in den Gebieten Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Brandenburg, Berlin und im nördlichen Thüringen. Sie ist Teil der Agravis-Technik Holding und einer der größten Händler der New Holland-Organisation in Europa.

Die New-Tec-Gruppe besteht aus der New-Tec West mit neun Standorten und der New-Tec Ost mit neun Standorten. Außerdem arbeitet sie mit 13 Partnerhändlern zusammen und stellt damit ein flächendeckendes Netzwerk für ihre Kunden bereit.


Praktische Erfahrungen konnte Hubertus Machtens schon während seiner Schulzeit sammeln. „Ich bin auf einem Ackerbaubetrieb bei Hildesheim groß geworden. Wir haben schon immer einen Großteil der Maschinen selbstständig repariert“, erklärt er. „In den Beruf des Landmaschinenmechanikers bin ich also reingewachsen und konnte mich sehr früh dafür begeistern.“

Begeisterung für Landtechnik

Nach der zwölften Klasse siegte diese Begeisterung und Hubertus Machtens entschied sich im Jahr 2010 dazu, das Gymnasium zu verlassen und eine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker zu beginnen. „Ich bewarb mich damals bei der New-Tec-Gruppe und bekam einen Ausbildungsplatz bei der Niederlassung in meinem Heimatdorf Harsum. Während der dreieinhalbjährigen Lehre hatte ich die Möglichkeit, in alle Bereiche des Berufes hineinzuschauen. Das Reparieren gehörte dabei genauso dazu wie neue Maschinen vorzuführen“, erklärt er.

Aufgrund guter Leistungen während seiner Ausbildung hätte Hubertus Machtens diese um ein halbes Jahr verkürzen können. „Ich entschied mich aber dagegen, denn in dem Beruf kommt es vor allem auf praktische Erfahrungen an. Im letzten halben Jahr konnte ich diese weiter sammeln“, sagt er.


„Ich wusste, dass ich als Landmaschinenmechaniker weiterkommen wollte.“


Bereits während seiner Lehre bewarb er sich an Meisterschulen. „Ich wusste, dass ich als Landmaschinenmechaniker weiterkommen wollte. Da in der Branche keine Praxisjahre zwischen der Berufsausbildung und der Weiterbildung zum Meister nötig sind, konnte ich im Anschluss an meine bestandene Abschlussprüfung mit der Vollzeitausbildung zum Meister in Lüneburg beginnen“, erklärt der 25-Jährige. Die Abschlussprüfung bestand er als Jahrgangsbester.

„Das qualifizierte mich dazu, an Berufswettkämpfen teilzunehmen, was für mich eine weitere Chance war, neue Erfahrungen zu sammeln“, erinnert er sich. Zunächst siegte er beim Landeswettkampf in Niedersachsen. Dies sicherte ihm die Teilnahme an Wettkämpfen auf Bundesebene. „Nach dem Bundessieg hätte ich gern an der Europameisterschaft teilgenommen. Diese findet jedoch nur alle zwei Jahre statt, sodass mir das leider verwehrt blieb“, sagt er.

Die Aufgaben der Wettkämpfe ähnelten denen der Berufsabschlussprüfung zum Land- und Baumaschinenmechaniker. „In verschiedene Fahrzeuge wurden Fehler eingebaut, die wir Teilnehmer beheben und erklären mussten“, beschreibt Hubertus Machtens. „Ich musste aber auch Baufahrzeuge reparieren, mit denen ich bis dahin keine Erfahrungen hatte“, ergänzt er lachend.

Nachwuchskräfte gesucht

Im August 2014 schloss Hubertus Machtens die Meisterschule in Lüneburg ab. „Viele Firmen kamen damals auf mich zu und boten mir eine Stelle an, denn gut ausgebildete Nachwuchskräfte sind in der Landmaschinenbranche gefragt“, erklärt er. „Ich entschied mich aber dafür, bei der New-Tec-Gruppe zu bleiben und übernahm nach meinem Meisterabschluss die Werkstattsleitung hier in Einbeck.“

Als junger Meister konnte Hubertus Machtens in der Werkstatt einiges mitgestalten. Kurz nach seinem Arbeitsantritt stand das Umbauen und Modernisieren der Räumlichkeiten an. „Dabei konnte ich viele meiner Ideen umsetzen und die Werkstatt nach meinen Vorstellungen mitgestalten“, erinnert er sich.

Neben seiner täglichen Arbeit in der Werkstatt engagiert sich Hubertus Machtens bei der Suche nach Nachwuchskräften. Das Ziel dabei ist es, die Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker wieder attraktiver für junge Leute zu machen. „Außerdem wollen wir unseren Azubis eine umfassende und individuelle Lehre bieten“, erklärt er. „Daher organisiere ich für alle Auszubildenden der New-Tec West gesonderte Ausbildungstage. An verschiedenen Stationen erklären meine Meisterkollegen und ich hierbei ausbildungsrelevante Dinge.“ Die Azubis werden dabei von den Ausbildern individuell gefördert. Im teilweise stressigen Arbeitsalltag sei dies nicht immer vollständig möglich.

„Es liegt mir am Herzen, Jugendliche für den Beruf des Landmaschinenmechanikers zu begeistern“, sagt Hubertus Machtens. „Dank meiner Kontakte, die ich während der Berufswettkämpfe knüpfen konnte, nahm ich im Herbst 2015 auf der Agritechnica an Werkstatt-Live teil. Hier haben wir vor Schulklassen an Maschinen geschraubt und die Schüler konnten Fragen zu unserer Arbeit und zum Beruf stellen“, berichtet er.

Kein Tag wie der andere

Für die Förderung der Nachwuchskräfte nimmt sich Hubertus Machtens bewusst Zeit, denn ansonsten hält sein Arbeitsalltag immer neue Herausforderungen bereit. „Eigentlich ist kein Tag wie der andere“, sagt er lachend. „Das macht den Beruf aus. Es wird nie langweilig, man muss sich ständig auf neue Situationen einstellen.“

Seinen Arbeitstag beginnt er um 7 Uhr morgens. „Das verschafft mir eine halbe Stunde Ruhe, um Dinge zu erledigen, zu denen ich sonst nicht komme“, erklärt er. „In dieser Zeit schreibe ich Aufträge für meine Mitarbeiter, mache die Arbeitseinteilung oder schreibe Rechnungen an Kunden.“ Um 7:30 Uhr folgt die Besprechung mit seinem Team, in der er den einzelnen Gesellen ihre Aufträge zuteilt und erklärt.

„Der Rest des Tages ist sehr flexibel. Ich kümmere mich um die Auftragsannahme von Kunden und darum, dass die Aufträge von meinem Team in der dafür vorgesehenen Zeit erledigt werden.“

Zudem müsse er für die Aufgaben Gesellen einteilen, die diese auch ausführen können. „Als Werkstattleiter ist für mich neben Fachwissen auch eine gute Menschenkenntnis sehr wichtig. Der professionelle Umgang mit den Kunden und Herstellerfirmen gehört genauso dazu wie das Einschätzen der Fähigkeiten meiner Mitarbeiter. Das menschliche Miteinander darf bei der täglichen Arbeit nicht zu kurz kommen“, erläutert er.

Zudem stellt er Rechnungen und Rabatte für Kunden aus und nimmt in Garantiefällen mit den Herstellern Kontakt auf. „Bei neuen Maschinen sorge ich außerdem dafür, dass sie nach den Kundenwünschen vorbereitet werden. Das bedeutet zum Beispiel, auf einem neuen Schlepper ein GPS-Gerät zu installieren. Anschließend muss der neue Besitzer von mir oder einem Mitarbeiter in die Technik eingewiesen werden“, sagt er.

Herausforderungen annehmen

Jetzt, im Sommer, ist für Hubertus Machtens und sein Team die Hauptarbeitszeit des Jahres. „In der Ernte ist es nicht selten, dass ich mehr als 50 Telefonate am Tag mit Kunden und Mitarbeitern führe. Das Wichtigste dabei ist, ruhig zu bleiben und den Überblick zu behalten“, beschreibt er. Um sich alles zu merken und die Aufgaben nach und nach zu erledigen, trägt er stets ein Notizbuch bei sich. Bei den Telefonaten schreibt er mit und teilt anschließend die Aufträge seinen Mitarbeitern zu.

„Die Gesellen müssen sehr flexibel sein, besonders, wenn draußen bei den Kunden etwas zu reparieren ist“, sagt er. Der Anspruch in diesem Beruf sei generell sehr hoch, da die Arbeitsbereiche so vielfältig sind. Gleichzeitig sei auch das sichere Auftreten im Kundenkontakt wichtig. „Der Beruf ist praxisnah und flexibel. Um allerdings die Arbeitsspitzen im Sommer zu meistern und langfristig erfolgreich zu sein, muss man dafür schon brennen“, fasst Hubertus Machtens zusammen.

„Außerdem ist viel Verständnis für die landwirtschaftlichen Tätigkeiten wichtig. Ich merke, dass es im Umgang mit Landwirten hilfreich ist, dass ich selbst von einem Ackerbaubetrieb stamme und ausgebildeter Landwirt bin.“

Während Hubertus Machtens von seinem nächsten Karriereschritt – dem Wechsel in eine größere Werkstatt und der Werkstattleitung dort erzählt – klingelt erneut das Telefon. Wieder kommt ein Auftrag, der möglichst schnell erledigt werden muss. „Ich verlasse diese Werkstatt in Einbeck mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt er, nachdem er das Telefon und sein Notizbuch wieder eingesteckt hat. „Hier habe ich nette Kollegen und einen festen Kundenstamm, der mir vertraut – das habe ich mir in den letzten Jahren erarbeitet. In der größeren Werkstatt in Peine kann ich mich aber weiterentwickeln und neuen Herausforderungen stellen.“

agrajo-Magazin 2017

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