Was bedeutet Digitalisierung für landwirtschaftliche Jobs?

Smart Farming auf dem Feld

Neun von zehn Deutschen sind mittlerweile online. Sie nutzen das Internet zum Einkaufen, Filmeschauen und im Beruf. 95 Prozent der 14- bis 29-Jährigen haben ein Smartphone. Keine Frage, die Digitalisierung verändert den Alltag und die Arbeitswelt und definiert die Grenzen von Produktion, Konsum und Distribution neu. Alles funktioniert schneller und erfordert immer weniger körperlichen Einsatz. Das gilt nicht nur für klassische Bürojobs, sondern auch für Agraringenieure und Landwirte.

Droheneinsatz beim Pflanzenschutz

Die sogenannten Digital Natives, also Personen, die mit dem Internet und digitalen Technologien aufgewachsen sind, sind mittlerweile im Berufsleben angekommen. Die Arbeitsstrukturen haben sich verändert. Viele Jobs, vor allem im Produktionsbereich, werden nun bereits von Maschinen ausgeführt. Dafür entstehen aber neue Berufe im IT-Bereich. Die Fähigkeit, sich in der digitalen Welt effektiv zu bewegen, ist heute eine Schlüsselqualifikation. Leistungsstarke Smartphones und Tabletcomputer erweitern die Möglichkeiten des Informierens, Kommunizierens sowie des Lehrens und Lernens. Auch in der Landwirtschaft werden die Veränderungen deutlich.

Die Mehrheit der Landwirte nutzt das Internet

Laut einer aktuellen agrajo-Umfrage nutzt die Mehrheit der Landwirte ständig oder mehrmals täglich das Internet, etwa zur Buchführung, zur Wettervorhersage oder zur Kontrolle der Biogasanlage. Zwei von drei Landwirten setzen auf digitale Lösungen für den Ackerbau und knapp die Hälfte für die Tierproduktion. Digitale Technologien spielen sowohl bei Landwirten als auch bei Arbeitnehmern im vor- und nachgelagerten Bereich im Arbeitsalltag eine große Rolle. Aber die Umfrage zeigte auch, dass zwei Drittel der Befragten noch Nachholbedarf für ihren Betrieb oder ihr Unternehmen sehen und die Chancen des digitalen Wandels noch nicht ausreichend nutzen.

Es standen jedoch 56 Prozent der Landwirte und 68 Prozent der Arbeitnehmer dem Einsatz digitaler Technologien positiv gegenüber. Darunter fällt zum Beispiel das IoT („Internet of Things“). Dahinter verbirgt sich die Vernetzung von Gegenständen (zum Beispiel Haushaltsgeräte oder Autos) mit dem Internet, allerdings ohne, dass der Mensch eingreift. Am Arbeitsplatz ist das Internet der Dinge längst angekommen. Melkroboter behandeln jede Kuh individuell und autonom. Sie melden dem Landwirt, wenn die Kuh krank ist.

Höher qualifizierte Jobs werden geschaffen

Digitales Kuhstallmanagement

Mehr als ein Drittel der Landwirte ist der Meinung, dass die Agrarbranche, verglichen mit anderen Branchen, mehr von der Digitalisierung betroffen ist. Dieser Ansicht war auch ein Viertel der Arbeitnehmer im vor- und nachgelagerten Bereich. Allerdings ist die Angst gering, dass Computer dabei Arbeitsplätze ersetzen. Die Mehrheit der Befragten gab an, dass sich durch die Digitalisierung die Anzahl der Arbeitsplätze nicht groß ändern wird. Aber ihrer Meinung nach werden eher Jobs für Höherqualifizierte geschaffen. Die Teilnehmer der Umfrage waren der Meinung, dass ihre Arbeit durch die Digitalisierung anspruchsvoller wird. Die meisten fühlen sich jedoch nicht überfordert.

Zudem wurde abgefragt, inwieweit sich für die Arbeitnehmer Veränderungen durch die Digitalisierung ergeben. Zum einen gaben die Befragten an, dass die zu verarbeitende Information zunimmt. Zum anderen werde es leichter, verschiedene Kommunikationswege zu nutzen. Gut sei, dass Arbeit schnell und effizient erledigt werden könne. Als weniger gut wurde die zunehmende Ablenkung von der eigentlichen Tätigkeit empfunden.

Das wünscht man sich von den Bildungseinrichtungen

Doch die Segnungen des Fortschritts sind nicht zum Nulltarif zu haben. Die Befragten waren sich einig, dass landwirtschaftliche Berufsschulen und Hochschulen mehr tun müssen, um Schüler und Studenten auf die neuen Anforderungen des Arbeitsmarkts vorzubereiten (siehe Grafik).

Sie wünschen sich vor allem, dass Lerninhalte den digitalen Anforderungen angepasst werden, zum Beispiel Smart-Farming-Module im Unterricht. Zudem sollten Lehrkräfte und Dozenten im Umgang mit Computern und Internet besser ausgebildet sein. Schließlich bemängelten sie noch die Ausstattung mit digitalen Endgeräten und wünschten sich deren verstärkten Einsatz. Wer mit den neuen Werkzeugen umgehen soll, muss lernen, sie zu beherrschen.

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