Die Macher von ISARKINDL: Vom Startup zu erfolgreichen Bierbrauern

Hallo Xaver! Stell‘ euer Unternehmen ISARKINDL bitte kurz vor.

Servus! Wir Isarkindl, Bierbrauer Simon & Xaver, Betriebswirt Rainer und Grafikerin Nina, vertreiben klassische Biere, modern interpretiert in zeitgemäßem feschem Gewand, eben unter der Marke „ISARKINDL“. Auf die Plätze, Fertig, Prost!
Wir konzentrieren uns momentan noch sehr auf den hiesigen Markt, Freising, München und Großraum. Uns gibt es in zahlreichen Getränkemärkten, Kiosken und Supermärkten. In Bars, Kneipen und ein paar Wirtshäusern könnt ihr uns auch genießen, wenn Sie denn wieder öffnen dürften. Und dann findet man uns in Nicht-Corona-Zeiten auch an vielen Straßenfesten im Ausschank!

Wir sind gespannt auf eure Produkte. Welche Biere braut ihr und was ist daran besonders?

Wir arbeiten als sogenannte „Kuckucksbrauer“. Wir gehen mit unseren Rezepten, Rohstoffen (wie Hopfen und Malz) und allen weiteren Materialien (Leergut, Etiketten, Kronkorken, …) zu bestehenden Brauereien und diese setzen diese Biere dann gemeinsam und in sehr enger Absprache mit uns bestmöglich um. Wir sparen uns die Investition einer nicht bezahlbaren Brauerei auf nicht-bezahlbarem Boden. Aber nicht nur für uns Bierbrauer die optimale Lösung. Die bestehende Brauerei kann freie Kapazitäten wie Arbeitskräfte, Tanks und Ausrüstung voll nutzen und voll ausschöpfen. „Win-Win“ sozusagen!

Die Bierbrauer von Isarkindl haben mittlerweile sechs verschiedene Biere im Angebot
Die Isarkindlgang der Isarkindl Bierbrauer zählt schon sechs Mitglieder.  ©Isarkindl


Wir haben natürlich unser „Lager Hell“ als Steckenpferd. Angelehnt ans Münchner Helle, mit einem Tick dunklem Malz für etwas mehr Vollmundigkeit und deutlich mehr Aromahopfen für einen nachhaltigen, eindeutig guten Charakter!
Dann haben wir ein sensationell gutes Märzen, unser „Schmankerl Märzen“, natürlich unser „Weißbier“, das deutliche Aromen von Banane mitbringt und ein trübes Radler, das „Naturradler“, für den Sommer und unsere Straßenfeste.

Wie seid ihr darauf gekommen, euch als Bierbrauer selbständig zu machen? Wie und wo ist die Produktidee entstanden?

Simon, ein Kommilitone von mir, und ich studieren beide an der TU München, Standort Weihenstephan den Master Brauwesen und Getränketechnologie. Wir sind beide passionierte Hobbybrauer und konnten an einem freiwilligen Wettbewerb zur Entwicklung eines neuen Produkts teilnehmen, dem Innovationswettbewerb für Getränke und Lebensmittel (kurz IGL) der Studienfakultät für Brau- und Lebensmitteltechnologie. Um das ernsthaft zu bewerkstelligen, haben wir Rainer als angehenden Betriebswirt und Nina als angehende Grafikerin von Anfang an einbezogen. Es entstanden viele sehr gute Rezepte, gute Ideen, eine starke Marke und ein noch stärkeres Team. Zu Zeiten von „Craftbeer“ und dem 500-jährigen Reinheitsgebot im Jahr 2016 war der Markt, die Kommunikation und die Zeit reif, die Chance zu nutzen, unsere Ideen in die Wirklichkeit umzusetzen und als Bierbrauer durchzustarten.


Rohstoffe – wann immer es geht, direkt beim Landwirt.


Woher bezieht ihr die Rohstoffe für eure Biersorten – wo findet euer Herstellungsprozess statt?

Wir beziehen unseren Hopfen aus der Holledau ums Eck, eh klar! Wann immer es geht, direkt beim Landwirt. Inzwischen gibt es sehr innovative und erfolgreiche Landwirte, die Ihren Hopfen selbst werterhaltend weiterverarbeiten (eigene Pelletierung z.B.) und diese Ressourcen zapfen wir natürlich sofort an.

Der Weg beim Malz ist da sehr viel aufwendiger, aber auch hier schauen wir, dass wir regional arbeiten können. Die Standardmalze hat unser Lohnbrauer aus dem Ebersberger und Erdinger Raum wiederum von Brauereien, die noch selbst mälzen (das tun nur noch sehr wenige, die Malzherstellung ist mittlerweile sehr zentralisiert organisiert).

Wie oben schon erwähnt, brauen verschiedene Brauereien im Auftrag und in enger Abstimmung mit uns Bierbrauern gemeinsam unsere Biere. Das findet vor allem im Erdinger Landkreis, aber auch in ganz Oberbayern statt.

Wie war der Weg von der Idee bis zum ersten ISARKINDL-Bier? Gab es viele Versuche im Entwicklungsprozess bis zu den ISARKINDL-Bieren heute?

Unsere ersten Ideen haben nur noch wenig zu tun mit dem jetzigen Sortiment. Wir sind in dem Studentenwettbewerb angetreten mit einer alternativen Hefe zur Vergärung der Würze zum Bier. Das lässt sich hierzulande aber nicht so einfach auf vernünftige Maßstäbe umsetzen (um nicht krasse Qualitätsverluste in Kauf zu nehmen). Aber es entstanden vielerlei Ideen und Netzwerke, aus denen wir nach wie vor intensiv schöpfen.

Am Ende aber haben wir gut zwei Jahre an allem gearbeitet (also von der ersten Idee und der Teilnahme bis zum ersten verkauften Bier 2016). Versuche haben wir aufgehört zu zählen; es waren sicher über 100 Versuchssude, zu Hause im eigenen Keller, aber auch im professionellen Technikum am Lehrstuhl für Brau- und Getränketechnologie am Weihenstephaner Berg.

Das sehen die Isarkindl Bierbrauer am liebsten. Zufriedene Kunden und leere Flaschen. ©Isarkindl

Könnt ihr uns noch etwas zu euren Kunden und Abnehmern sagen? Wo gibt es euch schon?

Unsere direkten Abnehmer sind Großhändler, Einzelhändler und Gastronomen (plus Verkäufe an der Rampe für Endkunden). Unsere Kundschaft ist sehr gemischt. Jung und Alt, die offen für neue Ideen sind, Qualität in der Flasche und im Glas wertschätzen und sich von unserem Handeln mit einem handwerklich produzierten Genussmittel begeistern lassen. Unsere Bier verbindet da durchaus viele Menschen, die hiesige Kultur fördern und unterstützen wollen.

Welche Produktvariationen gibt es? Habt ihr Weiterentwicklungsideen und Ziele für die Zukunft?

Variationen wird es sicher geben. Wir haben diverse Ideen neuer kreativer Bierstile, aber auch Klassiker im modernen Stil. Der Markt aber ist nicht einfach und wir schauen, das Fundament als Bierbrauer aufzubauen. Erst dann machen „Spielereien“ Sinn.

Natürlich möchten wir auch mehr Bier verkaufen, unsere Marke und unser Schaffen unter noch mehr Leute bringen, für einen guten Bierpreis und Wertschöpfung kämpfen und weiter Spaß an der Arbeit haben. Am Ende wollen wir aber auch, dass wir uns nicht nur Butterbrot leisten können, sondern auch mal etwas mehr .

Was macht dir als Bierbrauer persönlich am Bier brauen und bei der Herstellung eures Produkts am meisten Spaß?

Der Umgang mit Rohstoffen und Lebensmitteln, ihren Wegen zu uns und von uns weg bis zum Endkunden. Wir erleben die ganze Wertschöpfungskette und haben daher teilweise viel Einfluss darauf. Das bringt aber alles nichts, wenn es nicht kommuniziert wird. Die Kommunikation mit Geschäftskunden ist spannend und reizvoll, die Kommunikation mit dem Endkunden einfach spaßig.
Auch die Kommunikation in der Branche zu Veränderungen, Verbesserungen, Schwierigkeiten ist wichtig, denn die Branche und Community ist überschaubar und daher sehr nahbar. Bier verbindet!


Hast du noch ein paar abschließende Wort für alle mit einer bahnbrechenden Idee im Kopf während Studium oder Ausbildung?

Wichtig ist, dass die Idee stimmt und genug Potential hat, wenn man sich eingehend mit der Materie befasst. Da mache ich mir bei den wenigsten Initiativen Sorgen. Aber Viele denken, es wäre finanziell reizvoll. Die „Start-Ups“ lassen sich ja immer toll darstellen, alles hipp, alles cool…. Ja, das kann sein. Ist es aber in 98 von 100 Fällen nicht.

Die nächsten Jahre werden harte Arbeit, viel Zeit, viel Nerven und ein paar graue Haare kosten – egal ob wir erfolgreich sind oder nicht. Es macht wirklich Sinn, sich zuvor und laufend nach Fördermitteln umzuschauen. Wir konnten nur sehr wenig nutzen, waren aber froh um jeden Cent oder die Beratung von Profis. Die Motivation muss ständig hoch sein, auch noch in 10 Jahren.


Danke dir für das spannende Interview. Wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg sowohl privat als auch mit eurem Unternehmen.
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Bildquellen: Isarkindl