Linda Rödders Agrarpraktikum in Irland

Eines Oktobers verschlug es Linda auf die grüne Insel – für ein Agrarpraktikum. Dabei hatte die junge Masterstudentin für Sonderpädagogik vorher gar nichts mit der Landwirtschaft am Hut. Was sie dort alles erlebt hat, erzählt sie uns im Interview.  


Irland – oft auch als die „grüne Insel“ bezeichnet – ist ein bei Touristen aus aller Welt beliebtes Urlaubsziel. Und das nicht umsonst, denn das sagenumwobene Land der Kelten bietet tolle Landschaften. Zudem gelten die Iren als sehr gastfreundlich. Die 26-jährige Linda hat es im Oktober 2017 für ein Agrarpraktikum auf die grüne Insel verschlagen.

Bis dahin hatte sie noch keine Erfahrung in der Landwirtschaft gesammelt, wuchs aber schnell in ihre Aufgaben hinein und fand Gefallen an der Arbeit mit den Tieren. Der Betrieb liegt in West Cork im Südwesten Irlands am Meer. Das sind ihre Erfahrungen bei ihrer Arbeit, mit dem Land und Leuten Irlands:  

Linda, kannst du den Betrieb, auf dem du dein Praktikum gemacht hast, genauer beschreiben?

Auf dem Betrieb wird zum großen Teil biologisch gewirtschaftet. Er wird von einem älteren Ehepaar geleitet und die Dame pflegt einen biologischen Gemüsegarten, der für den eigenen Bedarf dient. Der Schwerpunkt liegt aber in der Rinderzucht. Der Großteil der Herde (ca. 25 Rinder und ein Pferd) steht auf einem an den Hof angrenzenden wilden Landstück. Die „Weide“ ist ein naturbelassenes großes Stück Land, das von Zäunen und dem Meer begrenzt wird (wie auf den Fotos sichtbar).

Ein paar Kühe, die Jungbullen und die trächtigen Kühe, standen in einem Stall auf dem Hof. Außerdem gab es auf dem Hof noch zwei Schweine in einem abgetrennten Bereich in dem gleichen Stall und ein Hühner- und Entenhaus mit Auslauf.

Zusätzlich stehen auf dem Hof viele alte verschrottete Autos, die der Farmer auseinander nimmt, um einzelne Teile und Materialien zu recyceln. Zur Unterstützung hat das Paar meistens ein bis drei freiwillige Helfer da; zu der Zeit als ich dort war, war noch ein weiterer junger Mann da.

agrajo.com Agrarpraktikum Irland Rinderweide
Die Weide der Rinder ist ein naturbelassenes großes Stück Land, das von Zäunen und dem Meer begrenzt wird.

Das Paar hat ein weiteres Zimmer im Haus, wo der andere Freiwillige gewohnt hat, und einen Wohnwagen auf dem Grundstück. In diesem habe ich gewohnt, was mir sehr gut gefallen hat. Das Bad und die Küche, habe ich im Haus mitbenutzt. Die Bäuerin war sehr besorgt darum, dass wir immer genug zu essen bekommen und hat jeden Tag frisch gekocht.

Wie war ein typischer Arbeitstag auf dem Hof? Was waren deine täglichen Aufgaben, was wurde dir beigebracht?

Der Tag ging morgens nach dem Frühstück damit los, dass einer der Freiwilligen die Gänse und Hühner gefüttert und die Eier eingesammelt hat. Der andere hat die Kühe und die Schweine im Stall versorgt und den Mist der Kühe beseitigt.  Danach gab es tagesabhängig verschiedene Aufgaben.


Da zu der Zeit ein starker Sturm über die Region gefegt ist, wurde der Farmer von einigen Freunden damit beauftragt, umgefallene Bäume mit der Kettensäge zu zerlegen und wegzuschaffen, wobei wir mitgeholfen haben.

Wenn Zeit war und das Wetter es zuließ, haben wir unter Anleitung versucht, die Autos auseinander zu nehmen. Außerdem haben wir in der Zeit dort den Hühneraußenstall vom ganzen Kot befreit, eine Silofutterraufe repariert und auf die Weide geschafft. Ein Freiwilliger hat täglich abends das Gelände der Kühe durchforstet, diese gezählt und eventuell wieder zurück in den richtigen Bereich geführt, da der Zaun an einer Stelle zum Nachbargrundstück hin offen war.

agrajo.com Agrarpraktikum Irland Wohnwagen Linda
Linda hat während ihrer Zeit auf dem Hof in einem Wohnwagen gelebt, was ihr sehr gefiel.

Zwischendrin gab es immer wieder Teepausen zu Hause, oder bei den Freunden, auf deren Grundstück wir arbeiteten. Mir ist es dabei oft schwergefallen, die Menschen zu verstehen, da der Farmer und seine Freunde in sehr starkem Dialekt miteinander gesprochen haben.

Was hat dir besonders an der Arbeit gefallen?

Ich arbeite gerne körperlich und an der frischen Luft, das hat mir gut gefallen. Außerdem freue ich mich, wenn ich etwas mache und am Ende ein Ergebnis habe, wie eine Futterraufe auf der Weide oder einen sauberen Hühner- oder Kuhstall.

Was hat dir eher weniger gefallen an deiner Arbeit?

Der Farmer hat zwar eine sehr witzige nette Art und wir haben uns außerhalb der Arbeit gut verstanden. Allerdings konnte er bei der Arbeit sehr ungeduldig und sauer werden, was mich teilweise sehr verunsichert hat und ich mich nicht respektiert gefühlt habe.

Außerdem haben wir wesentlich mehr gearbeitet als es abgesprochen war, was aber auch daran lag, dass auf einem Hof einfach sehr viel Arbeit anfällt.

Was hast du in deiner Freizeit dort gemacht? Konntest du viel von der grünen Insel sehen?

Abends haben wir im Wohnzimmer zusammen Fernsehen geguckt und das haben die Hunde und Katzen immer genutzt, um sich auf unsere Schöße zu legen und gestreichelt zu werden. Das habe ich sehr genossen. Außerdem bin ich gerne auch ohne die Kühe zu suchen über deren Gelände am Wasser entlang spaziert und an einem freien Tag bin ich einen Berg in der Nähe hochgewandert.

agrajo.com Agrarpraktikum Irland Linda Rödder Schafe
Viele Farmer in Irland haben Schafe. Die Tiere betreiben fast nebenbei Landschaftspflege der grünen Flächen.

Abends und nachts habe ich oft auf einem Hügel auf dem Grundstück gesessen und mit einem Hund an meiner Seite das Meer betrachtet. Ansonsten waren es sehr arbeitsintensive drei Wochen. Ich habe dort aktiv mitbekommen, dass man in der Landwirtschaft mit Vieh nie einen Tag frei hat und es immer mal mindestens die tägliche Fütterung zu tun gibt.

Da die Farm äußerst weit außerhalb lag, bin ich in der Zeit auch nicht gereist. Freitags sind wir immer in die nächstgrößere Stadt auf den Wochenmarkt gefahren, wo es viel zu gucken und wenig zu arbeiten gab.

Was hat dir am meisten an Irland/ den Iren gefallen?

Ich liebe es, dass viele Iren eine sehr offene, unkomplizierte, witzige, herzliche und entspannte Art haben. Außerdem liebe ich die raue, grüne und friedliche Landschaft und das Meer.

Wie hat dir dein Praktikum beruflich und persönlich geholfen? Konntest du dich weiterentwickeln?

Für mich war diese Zeit in Irland eine Auszeit aus meinem Studium, in der ich gut abschalten konnte. Da ich anderweitig beschäftigt war als mit dem Studium, hatte ich keinen großen Druck.

Willst du wieder nach Irland zurückkehren?

Ja, ich möchte wieder nach Irland zurück. Während meiner Zeit auf dem Hof habe ich eine Familie kennengelernt, bei der ich im Anschluss eine Zeit gewohnt und im Haushalt mitgeholfen habe.

Seitdem besuche ich die Familie regelmäßig und sie mich in Deutschland. Nach meinem Studium hoffe ich, dort in die Nähe ziehen zu können. Bei meinen Besuchen habe ich auch meinen Farmer immer wieder gesehen auf dem besagten freitäglichen Markt.

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Interview: Maya Rychlik
Bildquellen: Adobestock, pixabay.com, Linda Rödder

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