Uni oder FH- was passt besser zu dir?

Du interessiert dich für ein Studium in der grünen Branche? Mit der Wahl des geeigneten Studiengangs geht für dich die Frage einher, ob du an einer Uni oder FH studieren wirst.

Welche Unterschiede es zwischen einem Studium an der Uni oder (Fach-)Hochschule gibt, zeigt dir unser Beitrag.


Hochschule oder Uni: keine Unterschiede?

Früher, vor etwa 15 Jahren, war der Unterschied zwischen der Universität und (Fach-)Hochschule klar:

  • wer in die Forschung gehen und wissenschaftlich arbeiten will, geht an die Universität (Uni),
  • Praxis-Liebhaber, die klare Strukturen mögen, zieht es zu den Fachhochschulen (FHs)

Langsam verschwimmen die scharfen Grenzen zwischen Uni und FH aber, beide Bildungsinstitutionen bewegen sich immer weiter aufeinander zu. Seit dem Bologna Prozess 2010 und der damit einhergehenden Vereinheitlichung der Studiengänge (Bachelor und Master) sind die Abschlüsse von Uni und FH zumindest auf dem Papier gleichwertig. Mittlerweile kann man auch an einer Fachhochschule nach dem Master (in Zusammenarbeit mit einer Universität) promovieren. Auf agrajo erfährst du, welche Arten der Promotionen es gibt.

Das zeigt sich auch in der Namensgebung: Viele Fachhochschulen tragen den Titel „Hochschule“ oder „University of Applied Sciences“ – Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Somit kommen Fachhochschulen im Titel auch Universitäten näher.

Ein Beispiel stellt die Hochschule Neubrandenburg dar – hier kannst du einen der angebotenen Studiengänge mit Bachelor oder Master abschließen.


Uni oder FH – die Vor- und Nachteile im Überblick

UniversitätFachhochschule
Vorteil bei den Inhaltenmehr Bezug zu Wissenschaft und ForschungWissen soll dich auf die Arbeitswelt vorbereiten
Nachteil bei den InhaltenPraktische Erfahrung muss man sich selbst suchenDu lernst weniger das wissenschaftliche Arbeiten
Vorteil StundenplanFreie Zeiteinteilung und mehr EigenverantwortungStrukturiertes Lernen
Nachteil StundenplanMan fühlt sich schnell verloren im Uni-Systemweniger Freiräume beim Lernen
Vorteil LehrbeauftragteHöheres Budget für Forschung und Lehrstuhlmitarbeitermehr Kontakt zu Dozenten, mehr Dozenten für weniger Studenten
Nachteil LehrbeauftragteWeniger persönlicher Bezug zu den Professoren, weniger Ansprechpartner bei Fragenbei Wunsch, in die Forschung zu gehen, evtl. weniger Kontakte

Wo liegen die Unterschiede zwischen Uni und FH?

Der Hauptunterschied von Uni und FH lag ursprünglich im Bildungsauftrag: Unis sollen für die Wissenschaft ausbilden, FHs für die Wirtschaft.

Die folgenden fünf Unterschiede zwischen Uni oder FH gelten auch heute noch.

Zulassung: darin unterscheiden sich Hochschule und Uni

Mit der Allgemeinen Hochschulreife (Abitur) kannst du an einer Uni oder FH studieren – so steht es in den Zulassungsvoraussetzungen vieler universitärer Studiengänge.

Mit einer fachgebundenen Hochschulreife (Fachabitur) kannst du dich zwar an jeder Fachhochschule einschreiben, jedoch nur an Unis mit der Fachrichtung deiner schulischen Ausbildung.

Forschung und Betreuung: Universität vs. FH

Uni-Dozenten sind stärker in die Forschung eingebunden und üben weniger Lehrtätigkeit aus. An den FHs müssen die Professoren mindestens 18 Wochenstunden Vorlesungen halten, an den Unis dagegen nur 9 Wochenstunden, FH-Professoren haben also deutlich mehr Kontakt zu den Studierenden.

Das Budget für Forschung ist dagegen an den Unis meist höher.

Studenten im Hörsaal
Das Lernumfeld an den FHs ist meist kleiner und strukturierter als an Unis. Dort drängen meist viel mehr Studenten in den Hörsaal. © stock.adobe.com/luckybusiness

Lernumfeld: große Hörsäle vs. kleine Seminargruppen

In den Hörsälen der Universitäten drängen sich schon mal 500 Studenten, an den FHs lernt man in Übungen und Seminaren in kleineren Gruppen. Das Studium an der FH ist stärker vorgegeben, die Stundenpläne sind meist vor den Semestern bereits festgelegt.

Die Anzahl der eingeschriebenen Studenten pro Studiengang ist demnach ein Unterschied zwischen Uni oder FH.

Lehrbeauftragte: Unterschiede in der Berufserfahrung

Dozenten an FHs sind meist praxisorientierter, denn sie müssen vor ihrer Lehrtätigkeit mindestens fünf Jahre hauptberuflich gearbeitet haben.

Bei Uni-Dozenten ist keine Berufserfahrung außerhalb des Uni-Betriebs erforderlich.

Unterschiede bei den Studiengängen: exklusive Uni-Fächer

Insgesamt gibt es an Unis eine größere Bandbreite an Studiengängen, die du belegen kannst, wie etwa bei Sprach- oder Geisteswissenschaften. Das Fach Germanistik gibt es beispielsweise nur an Unis – wir konnten den Studiengang nicht an einer Hochschule finden. Bei Studiengängen wie Jura oder Medizin lohnt es sich die Abschlussform der Hochschule konkret zu lesen.

Es kann also auch von der Studienwahl abhängen, ob du die Wahl zwischen Uni oder FH hast.


Fachhochschule schlechter als Uni? – und weitere Vorurteile

Diese Vorurteile halten sich hartnäckig über die beiden Bildungseinrichtungen:

Die Schlauen gehen zur Uni

Da das Studium an einer Uni mehr eigenständiges Lernen von den Studenten verlangt, denken viele, Uni-Studenten seien schlauer.

In der Realität gibt es aber keine Hinweise darauf, dass Uni-Studenten bessere Abschlussnoten haben oder sie im Beruf anerkannt sind. Zudem sind Noten kein 1:1-Maßgeber für Intelligenz.

Theoretiker gehen an die Uni, Praktiker an die FH

Auch wenn an der FH die Anwendbarkeit eines Fachs im Vordergrund steht: wie theoretisch oder praktisch dein Studium ist, hängt hauptsächlich von der Wahl des Studienfachs ab. Mittlerweile bereiten auch Unis ihre Studenten mit Pflichtpraktika und Kooperationen mit Unternehmen und externen Forschungseinrichtungen aufs Arbeitsleben vor. Und auch an FHs wird geforscht und ein breites Fundament an Fachwissen vermittelt.

Der Wechsel zwischen Uni und FH macht Probleme

Durch die Vereinheitlichung der Abschlüsse in Bachelor und Master im Bologna Prozess 2010 und der Anrechnung der Leistungen als Credit Points ist der Wechsel von einer FH an eine Uni in den meisten Fällen kein großes Problem mehr. Wie einfach der Wechsel durchgeführt werden kann, hängt aber stark von den einzelnen Unis oder FHs ab.

Uni-Absolventen verdienen mehr

Uni vs. FH: Wer bekommt mehr Gehalt? Ein Universitätsabschluss ist kein Garant für ein höheres Einkommen. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung von 2016 zeigt: Fünf Jahre nach dem Berufseinstieg verdienen FH-Absolventen im Durchschnitt 47.700 € brutto im Jahr, Uni-Absolventen 41.550 € brutto. Das liegt zum Teil daran, dass an FHs deutlich mehr technische Studiengänge angeboten werden als an Unis.

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Unis sind internationaler als FHs

Früher waren die Unterschiede klar: Unis standen für eine vernetzte Welt der Wissenschaft mit zahlreichen Partneruniversitäten und die FHs hatten deutlich kleinere Netzwerke. Heute gilt jedoch: Ohne internationale Ausrichtung geht es auch in der akademischen Welt nicht mehr.

Gerade im wirtschaftlichen Bereich gibt es mittlerweile viele internationale Studiengänge an Fachhochschulen, meist auf Englisch und mit fest eingeplanten Auslandssemestern und -praktika. Auch beim Erasmus-Austausch gibt es zwischen Uni und FH keine Unterschiede mehr.

Zwei Studentinnen im Gespräch nach der Vorlesung
Auch die FHs legen mittlerweile viel Wert auf internationalen Austausch und Partneruniversitäten. ©stock.adobe.com/Jacob Lund

FHs sind viel verschulter als Unis

Dieses Vorurteil über Fachhochschulen stimmt: Der Stundenplan eines FH-Studiums ist meist vorgegeben. Doch auch dieser lässt sich leicht umändern, natürlich nicht in dem Maße wie an einer Uni, wo man die Fächer in bestimmte Semester vorverlegen und nachholen kann.

Dennoch haben seit der Umstellung auf Bachelor und Master sowohl Unis als auch FHs bestimmte Vorgaben, wann die Studenten welche Leistungen erbringen müssen. Zudem gilt die angebliche Präsenzpflicht an FHs auch nicht immer und auch an Unis gibt es zahlreiche Präsenzveranstaltungen.

An der FH gibt es keine Forschung

An Universitäten gibt es ein höheres Budget für Forschung und die wissenschaftlichen Mitarbeiter und Professoren haben mehr Zeit dafür. Das heißt aber nicht automatisch, dass an FHs gar nicht geforscht wird: Hier spielt die anwendungsbezogene Forschung eine große Rolle. Zudem arbeiten FHs oft mit Unternehmen in Forschungsprojekten zusammen, der Staat unterstützt dies außerdem mit Fördergeldern.


Fazit: Uni oder FH – wo bist du am besten aufgehoben?

Klar ist: Fachhochschulen sind nicht schlechter als Universitäten und Universitäten sind nicht schlechter als Fachhochschulen.

Je nach Lerntyp passt das Studium an der Uni oder FH besser zu dir – es ist also individuelle Entscheidung. Die Wahl, ob eine Uni oder FH besser für dich ist, hängt unter anderem von folgenden Dingen ab:

  • Zielen,
  • Interessen
  • und deiner Veranlagung

Uni oder FH: Diese Fragen solltest du dir stellen

Um herauszufinden welche Studienmöglichkeit besser zu dir passt, kannst du auch wie folgt vorgehen:

  1. Überleg‘ dir, welches Fach du studieren möchtest. In manchen Fällen gibt es den Studiengang nur an einer Uni.
  2. Welcher Studententyp bist du? Schätzt du klare Strukturen und magst kleine Lerngruppen lieber, wirst du an einer FH besser aufgehoben sein. Bist du ein Typ, der mehr Freiraum und Eigenverantwortung braucht, wird eine Uni eventuell die bessere Wahl sein.
  3. Forschung vs. Wirtschaft: Weißt du bereits, dass du in die Forschung gehen willst, kann dir eine Uni evtl. mehr bieten. An der FH lernst du gezielter und wirst für die Wirtschaft vorbereitet, sammelst schon während deines Studiums erste Erfahrungen darin.

Zuletzt solltest du dir überlegen, welche Art der Inhalte dich in deinem Fach eher ansprechen. Dazu hilft meist ein Blick in das Vorlesungsverzeichnis der jeweiligen Uni oder FH. Auch ein Schnuppertag in einer Vorlesung der Uni oder FH kann dir bei deiner Entscheidung. Wir wünschen dir bei deiner Wahl, ob Uni oder FH, alles Gute!

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