Was macht ein Herdenmanager?

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Zusammenfassung


Der Job als Herdenmanager

Das Berufsbild „Herdenmanager“ ist nicht klar definiert. Denn es ist kein klassischer Ausbildungsberuf.

Tätigkeiten und Aufgaben

In der Regel ist die Hauptaufgabe eines Herdenmanagers das genetische Leistungspotetials einer Herde zu erkennen und auszuschöpfen. Dabei gilt, immer das Wohlergehen und die Gesundheit der Tiere sicherzustellen. Um die Leistungspotentiale zu erkennen, werden Daten und Kennzahlen der einzelnen Tiere gesammelt und ausgewertet. Den meisten Herdenmanagern reicht in vielen Fällen aber auch ein geschulter Blick.

Nicht alle Herdenmanager Organisieren, Überwachen und Kontrollieren nur die Tiere und Abläufe im Stall. In großen Betrieben ist es nicht selten auch die Aufgabe des Herdenmanagers, sich um die Mitarbeiter bzw. Kollegen zu kümmern. So wird auch das Delegieren von Aufgaben und die Erstellung von Arbeitsplänen übernommen.

Wie werde ich Herdenmanager?

Wie oben schon erwähnt, ist das Berufsbild Herdenmanager kein klassischer Ausbildungsberuf. Es gibt jedoch Kurse, die du belegen kannst um Herdenmanager zu werden. Angeboten werden diese bspw. von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen oder der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG).

Was kostet mich so eine Fortbildung?

Die Kosten sind je Bildungsstätte natürlich unterschiedlich. Bei der DLG würde dich ein Kurs zum Herdenmanager 3.402,02€ kosten. Dort sind allerdings auch Kosten für die Übernachtung, Verpflegung Seminarunterlagen und die benötigte Literatur enthalten.


Interview mit Herdenmanager Mirco Raddatz

Mirco Raddatz

Mirco Raddatz hat nach seinem erfolgreich abgeschlossenen Studium mit dem Abschluss
M.Sc. Agrarmanagement angefangen, als Herdenmanager bei der Kraus GbR zu arbeiten. Was genau er dort für Aufgaben hat und was ihn an dem Beruf so fasziniert, erzählt er uns im folgenden Interview.


Herr Raddatz, stellen Sie uns bitte kurz den Betrieb vor, auf dem Sie arbeiten. Wie lange sind Sie dort bereits beschäftigt?

Der Betrieb, bei dem ich angestellt bin, ist ein Familienbetrieb in der Nähe von Amberg im Norden Bayerns. Außer mir arbeiten auf dem Betrieb noch der Betriebsleiter und seine Frau sowie ein weiterer Angestellter.

Mit diesem Personal bewirtschaften wir etwa 100 ha Ackerland (Raps, Winterweizen, Wintergerste, Sojabohnen und Silomais), sowie 50 ha Wiesen und 30 ha Wald. Im Bereich Milchvieh haben wir ca. 80 melkende Kühe plus Nachzucht. Ausserdem haben wir seit Anfang 2017 eine Biogasanlage mit 75 kW zur Verwertung der anfallenden Gülle.

Wie sind Sie zum Beruf Herdenmanager gekommen? Beschreiben Sie uns Ihren Werdegang.

Mein Interesse an der Landwirtschaft ist während eines 9-monatigem Aufenthalt auf Island 2006/2007 entstanden, wo ich auf einem Milchviehbetrieb gearbeitet habe. Daher habe ich an der TU München in Weihenstephan zunächst im Bachelor Agrarwissenschaften studiert.

Darauf aufbauend habe ich den Master in Agrarmanagement absolviert, der von der TU München in Kooperation mit der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf angeboten wurde.

Dieser praxisnahe Studiengang ist darauf ausgerichtet, einen landwirtschaftlichen Betrieb zu führen. Während des Studiums habe ich mich auf Tierhaltung und insbesondere auf Milcherzeugung spezialisiert. Nach dem Studium bin ich von einem befreundeten Landwirt gefragt worden, ob ich die Stelle als Herdenmanager auf seinem Betrieb übernehmen möchte.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus? Welche Aufgaben übernehmen Sie als Herdenmanager auf den Betrieb?

Der Tag beginnt morgens mit einem Rundgang durch den Stall zur Tierkontrolle. Dabei wird überprüft, ob die Tiere gesund sind und ob Besamungen anstehen. Diese werden bei uns durch einen Besamungstechniker vorgenommen, auf anderen Betrieben aber auch durch den Herdenmanager selber.

Des Weiteren lege ich den Tieren morgens und abends frisches Futter vor. Wenn es nötig ist, helfe ich auch beim Melken aus. Insbesondere auf größeren Betrieben steht dafür aber eigenes Personal zur Verfügung. Tagsüber erledige ich alle Arbeiten, die rund um die Kühe und den Stall anfällen: Die Überwachung der Geburten sowie der Gesundheit der Tiere, die Boxenpflege (Einstreuen und Misten), die Nachzucht, das Füttern und die Klauenpflege der Tiere.


Außerdem kümmere ich mich um Tierverkäufe. Im Sommer helfe ich zudem bei der Silagegewinnung. Ein zunehmend wichtiger Teil meiner Arbeit ist die tägliche Dokumentation der Arbeiten, da von der Behandlung der Tiere über die Zu-und Abgänge in der Herde bis zum verwendeten Futter alles genau nachvollziehbar sein muss.

Hierbei helfen mir moderne Managementprogramme. Der Tag endet in der Regel mit einem abschließenden Rundgang durch den Stall.

Was macht Ihnen an Ihrem Job am meisten Freude? Welche Herausforderungen bringt Ihr Beruf mit sich?

Am meisten Freude macht mir die tägliche Arbeit mit den Tieren. Wenn ich sehe, dass es den Kühen gut geht, weiß ich, dass meine Arbeit erfolgreich war. Darin liegt aber auch eine der größten Herausforderungen, da sehr viele Aspekte zu berücksichtigen sind, damit die Kuh optimal versorgt ist.

Insbesondere in Zeiten, in denen es stressig wir, ist es nicht immer einfach, den Überblick zu behalten. Man muss sich und seine Entscheidungen immer neu hinterfragen und seine Arbeit jeden Tag überprüfen.

Warum sollte man Ihrer Meinung nach den Beruf Herdenmanager wählen? Sehen Sie einen Trend, dass Herdenmanager zukünftig noch gefragter werden?

Als Herdenmanager hat man einen sehr vielseitigen und abwechslungsreichen Arbeitsalltag, ist viel an der frischen Luft und bekommt ausreichend Bewegung. Die Arbeit mit den Tieren macht Spaß und man kommt außerdem mit vielen Leuten in Kontakt.

Wer an diesen Dingen Freude hat, für den ist der Beruf des Herdenmanagers gut geeignet. Aufgrund der Tatsache, dass die Betriebe zunehmend größer werden und dass viele Landwirte ein Problem damit haben, Nachfolger zu finden, werden Herdenmanager auch in Zukunft sehr gefragt sein.

Was sollten zukünftige Herdenmanager mitbringen? Wer kann Ihrer Meinung nach Herdenmanager werden?

Eine Ausbildung zum Landwirt oder ein Hochschulstudium Landwirtschaft sollte man absolviert haben, um den vielfältigen Anforderungen gerecht zu werden.

Neben körperlicher Fitness sollte man darüber hinaus Freude am Umgang mit Tieren haben und bereit sein, sich mit flexiblen Arbeitszeiten zu arrangieren, da die Tiere nun mal nicht um 17 Uhr Feierabend machen.

Vielen Dank an Mirco Raddatz für das Interview!

Du möchtest eine Ausbildung in der Grünen Branche machen und am liebsten mit Tieren zusammen arbeiten? Dann schau doch hier mal in die Berufsbilder des Landwirts oder Tierwirts hinein.

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Autor: agrajo-Redaktion im Interview mit Mirco Raddatz
Bildquellen: AdobeStock, Mirco Raddatz

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