Auslandssemester: Studieren im Ausland

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Vermutlich ist es zu keinem anderen Zeitpunkt im Leben so vergleichsweise unkompliziert für einige Zeit im Ausland zu leben, wie während des Studiums. Wer bei der Vorbereitung ein paar wesentliche Punkte beachtet, der hat gute Chancen auf einen erfolgreichen Auslandsaufenthalt.
Wichtig ist, ausreichend Zeit einzuplanen. Hochschulexperten raten, dass ein Auslandsaufenthalt mindestens drei, besser sechs Monate andauern sollte. Doch leider sind nach einer aktuellen Befragung des HIS-Institut für Hochschulforschung immer weniger Studenten bereit, die Regelstudienzeit für einen Auslandsaufenthalt zu überschreiten. Das hängt vor allem mit der verschulten Studienstruktur zusammen und der damit verbundenen Sorge, nach der Rückkehr nicht direkt wieder anschließen zu können. Viele der Befragten äußerten zudem Bedenken, dass sich eine Verlängerung der Studienzeit negativ auf ihre Jobaussichten auswirken könne. Diese Sorge ist jedoch meist unbegründet, denn kaum ein Arbeitgeber wird es einem anlasten, wenn sich das Studium aufgrund eines Auslandaufenthaltes verlängert.

Für die Dauer des Auslandsaufenthaltes kann man zudem ein Urlaubssemester beantragen. Dieses wird nicht als Fachsemester gezählt und folglich auch nicht auf die Regelstudienzeit angerechnet. Das ist besonders für BAföG-Empfänger wichtig, da ihnen so keine förderfähige Studienzeit mit Anrecht auf finanzielle Unterstützung verloren geht. Im Gegenteil: Sie können sogar für bis zu zwei Urlaubssemester zusätzliches Auslands-BAföG beantragen. Der Antrag für ein Urlaubssemester sollte etwa drei Monate vor Antritt des Auslandsaufenthaltes beim Studierendensekretariat der Heimathochschule eingereicht werden. Dort sind auch die Antragsvordrucke erhältlich.

Das nötige Kleingeld

Ein entscheidender Aspekt bei der Vorbereitung eines längeren Auslandsaufenthalts ist die Finanzierung. Neben den Reise- und Lebenshaltungskosten kommen mitunter auch Studiengebühren, ein höherer Krankenversicherungssatz oder eine private Zusatzabsicherung hinzu.

Für viele lohnt es sich, Auslands-BAföG zu beantragen, denn dieses greift oft auch dann, wenn im Inland kein BAföG-Anspruch besteht. Die Förderung ist vom gewünschten Zielland abhängig. Den Antrag stellt man am besten sechs Monate vor Beginn des Auslandsaufenthaltes bei dem für das Zielland zuständigen BAföG-Amt.

Wen es ins EU-Ausland zieht, der sollte sich unbedingt um ein Stipendium der Europäischen Union bemühen. Mithilfe des Erasmus+-Programmes können die Stipendiaten bis zu zwei Jahre lang an einer Universität im europäischen Ausland studieren. Die Vorteile des Programms: Eine finanzielle Unterstützung, die Vergabe zinsgünstiger Kredite sowie die Befreiung von im Ausland erhobenen Studiengebühren.

Richtige Planung: Das A und O

Finanzierung klären, Auslandsversicherungen abschließen, Unterkunft suchen: Bevor der Spaß losgehen kann, ist Initiative gefragt, denn für einen gelungenen Auslandsaufenthalt ist eine gute Vorbereitung wichtig.

Die hierfür benötigte Zeit sollte man keinesfalls unterschätzen. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) rät, dass man anderthalb Jahre vor dem geplanten Auslandssemester mit der Planung beginnen sollte. Das ist vor allem für Ziele außerhalb Europas notwendig, für die häufig ein Visum benötigt wird. Allein dafür sollten man schon mindestens drei bis vier Monate einplanen, denn die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam.

Damit die belegten Kurse nach der Rückkehr anerkannt werden, ist es wichtig, sich vor dem Antritt des Auslandsaufenthaltes bei seiner Heimat-Uni zu erkundigen, was für die Anrechnung der Scheine notwendig ist: Welche Studieninhalte sind anrechnungsfähig und welche nicht? Ist eine Mindestanzahl an Semesterwochenstunden Voraussetzung für die Anerkennung? Werden auch Scheine anerkannt, für deren Erlangen man keine Prüfung ablegen, sondern nur seine Anwesenheit dokumentieren musste?

Auf keinen Fall sollte es zudem versäumt werden, sich rechtzeitig zu erkundigen, welchen formalen Vorgaben der im Ausland erworbene Leistungsnachweis entsprechen muss. Denn sonst kann es passieren, dass das heimische Prüfungsamt einen Schein nicht anerkennen möchte, auf dem beispielsweise die Note B+ oder ein good anstelle einer 2,0 vermerkt ist.

Julia Reinhardt, Redaktion agrarmanager

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