Promotion Teil 1: Die Art der Promotion

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Grundsätzliche Bestandteile einer Promotion – also der Verleihung des Doktor-Grades – sind die Ausarbeitung und Veröffentlichung der Doktorarbeit sowie eine mündliche Prüfung. Die Promotion wird eingeleitet, nachdem der Doktorand seine Doktorarbeit (Dissertation) eingereicht hat. Jedoch sind erst mit der Veröffentlichung der Dissertation alle Leistungsbestandteile des Promotionsverfahrens erbracht. Daher darf der Doktortitel auch erst geführt werden, nachdem die Arbeit publiziert worden ist.

Veröffentlichungen können bei einem Verlag (hierfür gibt es speziell auf Dissertationen spezialisierte Verlage), in einer Fachzeitschrift, im Selbstverlag, als Mikrofilm oder neuerdings auch digital (Netzpublikation) vorgenommen werden. Einige Universitätsinstitute führen zudem eigene Publikationsreihen für die Veröffentlichung von Doktorarbeiten (z.B. Schriftenreihe des Instituts für …). Die Einzelheiten regelt die jeweilige Promotionsordnung. Die Veröffentlichung wird nachgewiesen durch Abgabe einer vorgeschriebenen Anzahl gedruckter Exemplare an die Fakultät sowie Universitätsbibliothek, die grundsätzlich ein Exemplar an die Deutsche Nationalbibliothek weiterleitet.

Stressfaktor Impact-Factor

Bei einer Doktorarbeit muss es sich nicht immer um einen dicken Wälzer (Monografie) handeln. Vor allem in naturwissenschaftlichen Fächern wird immer häufiger eine sogenannte kumulative Dissertation erstellt. Während die klassische Dissertation aus einem einzigen Text besteht, basiert die im Rahmen einer kumulierten Promotion angefertigte Dissertationsschrift auf Publikationen in Fachzeitschriften. Die verschiedenen Publikationen werden dann vom Doktoranden zu einem Gesamtwerk zusammengefasst („kumuliert“), welches dann bewertet wird.

Bei den Publikationen handelt es sich üblicherweise um Fachartikel, die in renommierten (sogenannten peer reviewed) Fachzeitschriften veröffentlicht wurden. Bevor ein eingereichter Artikel in einem solchen Journal veröffentlicht wird, wird er von hochqualifizierten Fachgutachtern (peer reviewern) hinsichtlich seiner Veröffentlichungswürdigkeit bewertet und ausgewählt.

Wie viele Veröffentlichungen notwendig sind, um als Promotionsleistung anerkannt zu werden, ist in den Promotionsordnungen der jeweiligen Fakultäten festgelegt. Neben der Anzahl an Artikeln ist auch das Ansehen der Fachzeitschrift entscheidend. Dieses wird oft am sogenannten Impact-Factor gemessen. Diese Maßzahl gibt an, wie häufig im Durchschnitt ein in dieser Zeitschrift veröffentlichter Artikel von anderen wissenschaftlichen Artikeln pro Jahr zitiert wird. Vielfach wird die Höhe des Impact-Faktors mit der wissenschaftlichen Qualität einer Zeitschrift gleichgesetzt. Beispielsweise lag der Impact-Factor der Zeitschrift Nature im Jahr 2012 bei 38,59. Wer hingegen in den vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft herausgegebenen Berichten über Landwirtschaft publiziert, hat nur einen Impact-Factor von 0,36 vorzuweisen.

Wie viele Veröffentlichungen notwendig sind, um für eine kumulative Dissertation zu genügen, dafür gibt es bislang noch keine deutschlandweit einheitliche Regelung. Die Spannweite, die in den bundesdeutschen Promotionsordnungen festgelegt ist, umfasst entweder eine Veröffentlichung in einem A-Journal (das heißt, in einer Fachzeitschrift, die als inhaltlich für die Disziplin sehr relevant und qualitativ sehr hoch eingestuft wird), zwei in einem B-Journal oder drei in einem C-Journal. Bei der Einstufung und Bewertung der Fachzeitschriften ist neben dem Impact-Factor auch die Anerkennung durch die Prüfungskommission entscheidend.

Monografisch oder kumulativ?

Für welche Promotionsform man sich entscheiden sollte, hängt entscheidend von der eigenen Karriereplanung ab. So ist eine kumulative Dissertation vor allem für diejenigen interessant, die in der Wissenschaft bleiben wollen. Denn so können sie schon früh Veröffentlichungen vorweisen und somit ihre wissenschaftliche Karriere entscheidend vorantreiben, da das Renommee eines Wissenschaftlers heutzutage vor allem an der Länge und Qualität seiner Publikationsliste bemessen wird. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Doktorand die – äußerst wichtige – Methodik des Publizierens lernt.
Bei einer herkömmlichen (monografischen) Dissertation sind Veröffentlichungen in Fachzeitschriften während der Promotionsphase hingegen schwierig, da Prüfungsordnungen für Monografien vorsehen, dass diese bislang noch unveröffentlichte neue Erkenntnisse enthalten müssen. Dieser Punkt wird an den verschiedenen Fakultäten unterschiedlich streng gehandhabt. Mitunter ist aber eine vorherige Veröffentlichung auch nur in Teilen der Daten absolut verboten.

Die kumulative Dissertation setzt zudem an dem Kritikpunkt der Monografie an, eine bloße Fleißarbeit zu sein, deren Qualität einzig von den Gutachtern des Promotionsverfahrens beurteilt wird, statt in dem unabhängigen Verfahren im Peer-Review-Prozess einer anerkannten Fachzeitschrift. Der Qualitätsanspruch an Veröffentlichungen wird zudem an die international gültigen Standards angepasst.

Da der Doktorand bei einer kumulativen Dissertation am Ende statt eines Einzelwerks mit geringem Verbreitungswert mehrere Veröffentlichungen vorweisen kann, wird er von den Fachkollegen weit stärker wahrgenommen. Zwar müssen auch die herkömmlichen Monografien – meist in geringer Auflage und auf eigene Kosten in einem Verlag veröffentlicht werden – doch in der Realität verstauben sie danach häufig in irgendeiner Bibliothek. Und um in ähnlicher Weise von anderen Wissenschaftlern wahrgenommen und anerkannt zu werden, muss eine Monografie schon in einer sehr renommierten Verlagsreihe veröffentlicht werden.
Dass kumulative Promotionen immer stärker auf dem Vormarsch sind, hat auch damit zu tun, dass sie für das betreuende Fachgebiet bzw. den Lehrstuhl interessanter sind, als monografische Dissertationen. Schließlich erhöhen sie rechnerisch die Anzahl der Publikationen des jeweiligen Instituts, was dessen Mittelzuweisungen positiv beeinflussen kann. Für die betreuenden Professoren ist es daher in der Regel interessanter, eine kumulative Arbeit zu betreuen.

Nicht einfach aufs Geratewohl herumdoktern

Die Veröffentlichung mehrerer kleiner Artikel in Fachzeitschriften – das klingt übersichtlich und einfach. Bei so vielen Vorteilen der kumulativen Promotion stellt sich die Frage, warum noch immer so viele Monografien geschrieben werden? Zum einen kann man noch nicht an allen Fakultäten im Sammelverfahren promovieren. Informationen darüber, wo eine kumulative Promotion möglich ist, sind im Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz erhältlich.

Ein sehr großes Problem ergibt sich für den Doktoranden durch die Schwierigkeit, die Zeit bis zur Veröffentlichung abzuschätzen, wodurch die Karriereplanung erschwert ist. Denn längst nicht jeder Artikel, der bei einem Journal eingereicht wird, wird auch gedruckt. Erst muss er ein komplexes Gutachterverfahren, die sogenannte Peer-Review, durchlaufen. In der Regel sind nach der Begutachtung eines Artikels Nachbesserungen oder grundlegende Überarbeitungen notwendig – wenn er nicht sogar gänzlich abgelehnt wird und der Autor sein Glück bei einer anderen Zeitschrift suchen muss. Bei einer solchen Prozedur kann die Zeitplanung eines Doktoranden schon kräftig ins Wanken geraten.

Für diesen kompletten Vorgang ungefähr ein Jahr einzuplanen, ist über den Daumen gepeilt ein guter Richtwert. Und zwar für jeden einzelnen Artikel! Eine lange Zeit – vor allem wenn man auf glühenden Kohlen sitzt, weil die Doktorandenstelle zeitlich befristet ist oder das Stipendium ausläuft. Bei einer herkömmlichen Monografie ist es daher viel einfacher, das Ende des Verfahrens abzuschätzen, da sie nur geschrieben, eingereicht und einfach veröffentlicht werden muss.

Zudem ist es oft extrem schwierig, seinen Artikel bei einem guten Journal unterzubekommen. Das gilt vor allem für die Fachzeitschriften, die einen hohen Impact-Factor haben (A- oder B-rated Journals). Sie sind fast ausschließlich US-amerikanisch und dort als deutscher Autor ohne Doktor- oder Professorentitel angenommen zu werden, ist nicht unbedingt einfach.

Daher kann gar nicht genug betont werden, wie ungemein wichtig es ist, frühzeitig zu klären, welche Kriterien an der jeweiligen Fakultät erfüllt werden müssen, um eine kumulative Arbeit anerkannt zu bekommen: Wie viele Artikel müssen geschrieben werden? Welchen Anforderungen müssen die Fachzeitschriften genügen (Impact-Factor oder eigene Beurteilung des Doktor-Vaters)? Und – ganz wichtig – müssen die Artikel bereits in den Journals in gedruckter Form erschienen sein oder genügt es, wenn sich einige der Artikel noch im Begutachtungsverfahren der Zeitschrift befinden?

Ob man seine Dissertation klassisch als Monografie oder doch lieber kumulativ verfassen sollte, ist also von den Vorgaben der Promotionsordnung, dem Fachgebiet und nicht zuletzt von den eigenen Karriereplänen abhängig. Wer eine wissenschaftliche Laufbahn anstrebt, ist vermutlich mit einer kumulativen Promotion besser beraten. Wem es hingegen besonders wichtig ist, seinen Zeitplan nicht vom Arbeitstempo und dem Wohlwollen der Zeitschriftengutachter bestimmen zu lassen, sollte eher die klassische Monografie in Betracht ziehen.

Wie Sie Ihre Doktorarbeit finanzieren können, lesen Sie in Promotion Teil 2: Die Finanzierung der Promotion. Neben der Eigenfinanzierung über Nebenjobs oder die Mithilfe der Eltern stehen einem zur Finanzierung der Promotion noch vier weitere Möglichkeiten zur Verfügung:

  1. Beschäftigung an einer Universität,
  2. Beschäftigung an einer außeruniversitären Forschungseinrichtung,
  3. Promotion in Zusammenarbeit mit einem Unternehmen sowie
  4. Stipendien.

Universitäten beschäftigen Promovierende als wissenschaftliche Mitarbeiter entweder auf einer Planstelle an einem Lehrstuhl oder durch Drittmittel finanziert über ein Projekt. Neben ihrer Dissertation arbeiten sie am Lehrstuhl ihres Professors und übernehmen dafür auch Aufgaben, die nichts mit ihrer Doktorarbeit zu tun haben, etwa das Abhalten von Seminaren. Oft haben sie nur eine halbe Stelle und zeitlich befristete Verträge.
Statt an einem Lehrstuhl der Uni können Doktorarbeiten auch an einem der folgenden außeruniversitären Forschungseinrichtungen, unter denen eine Vielzahl an wissenschaftlichen Institutionen zusammengefasst sind, entstehen: Fraunhofer-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren, Max-Planck-Gesellschaft oder Leibniz-Gemeinschaft.

Während Universitäten Forschung und Lehre betreiben, dürfen die außeruniversitären Forschungseinrichtungen nur der Forschung nachgehen. Dementsprechend besitzen sie auch kein eigenes Promotionsrecht und Doktorarbeiten können daher nur in Kooperation mit einem Hochschulprofessor entstehen. Die Forschungseinrichtungen bieten Beschäftigungsverhältnisse für Doktoranden in unterschiedlichem Ausmaß an. Die Verträge haben in der Regel eine Laufzeit von drei Jahren.

Weiterhin besteht die Möglichkeit, seine Doktorarbeit in einem Unternehmen zu schreiben. Auch hier ist die Kooperation mit einem Universitätsprofessor notwendig. Unternehmen bieten die Finanzierung von Promotionen an, wenn diese für sie von wissenschaftlichem oder wirtschaftlichem Interesse sind.
Außerdem kann man versuchen, eines der zahlreichen Stipendien zu ergattern. Das Angebot ist groß: So gibt es in Deutschland rund 20.000 Stiftungen, von denen viele auch Stipendien vergeben. Dazu kommen die Förderprogramme der einzelnen Bundesländer, von Unternehmen, Universitäten, Parteien, Kirchen und Wirtschaftsverbänden. Und sie werden auch nicht nur an hochbegabte Genies mit überdurchschnittlichem Abschluss vergeben. Denn außer einer guten Leistung können beispielsweise auch der Wohnort, das Studienfach oder ein Ehrenamt ausschlaggebend für den Erhalt eines Stipendiums sein. Zudem werden viele Fördertöpfe gar nicht ausgeschöpft aus Bewerbermangel! Die Chancen ein Stipendium zu ergattern, stehen also gar nicht mal so schlecht.

Julia Reinhardt, Redaktion agrarmanager

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