Systematisch, klar und ordentlich darauf achten Personaler

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Der eine Bewerbungsratgeber empfiehlt, einen chronologischen Lebenslauf von maximal zwei Seiten Länge einzureichen. Der andere schreibt, der Lebenslauf sollte unbedingt einer anti-chronologische Auflistung folgen, die auch berufsrelevante Studienprojekte enthält und durchaus drei Seiten lang sein darf. Während die einen Autoren dazu raten, alle Zeugnisse und Zertifikate vom Schulabschluss bis zum Gabelstaplerschein der Bewerbung beizulegen, geben andere den Tipp, besser nur die höchsten Abschlusszeugnisse sowie die Arbeitszeugnisse einzureichen und alles andere erst bei Nachfrage nachzuliefern.
Ähnliche Unstimmigkeiten gibt es bei folgenden Fragen: Ist heute noch ein Bewerbungsfoto zwingend notwendig? Gehören Hobbys und ehrenamtliche Tätigkeiten mit in den Lebenslauf? Dürfen Bewerber in der Personalabteilung anrufen, wenn sie eine Frage zur Stelle oder zum Bewerbungsprozess haben?

Bewerbungstipps aus erster Hand

Um diese Ungewissheiten klären zu können, ist es am besten, die Verantwortlichen zu fragen, bei denen täglich neue Bewerbungen auf den Tisch kommen. Dr. Norbert Kailich ist Personalleiter der Südzucker AG mit Sitz in Mannheim und Ochsenfurt. Das Unternehmen ist der größte Zuckerproduzent in der EU und beschäftigt konzernweit rund 18.300 Mitarbeiter. Derzeit sucht das Unternehmen eine große Bandbreite an neuen Mitarbeitern – von Verfahrensingenieuren bis zu Sachbearbeitern für die Buchhaltung, von Auszubildenden zum/zur Chemielaborant/in bis zu Koordinatoren Pflanzenbau.

Online-Bewerbungen bevorzugt

Bewerbungen kommen bei der Südzucker AG längst nicht mehr als dicke Mappenstapel an, sondern das Unternehmen bevorzugt seit einigen Jahren Online-Bewerbungen. Der Vorteil: Im Online-Formular bekommen Bewerber gezeigt, welche Informationen für die Personalabteilung wichtig sind. Für die Inhalte aber sind die Bewerber weiterhin selbst verantwortlich  das gilt für die Online-Bewerbung ebenso wie für die traditionelle Mappe. Und die größten Fehler, die Bewerber begehen können, sind unvollständige und schlampige Angaben, so Dr. Norbert Kailich: No-Go Nummer eins ist es, wenn Lücken im Lebenslauf verschwiegen werden. Außerdem sollten Fehler im Anschreiben vermieden werden und der Duktus sollte keine Arroganz vermitteln, sagt der Personalleiter.

Was keinesfalls fehlen darf

Für ihn und seine Kollegen sind Lebenslauf und qualifizierte Arbeitszeugnisse die wichtigsten Elemente einer Bewerbung. Zumindest sollten die jüngsten Arbeitszeugnisse beigefügt werden. Auch das Zeugnis, das die in Berufsausbildung oder Studium erworbenen Fähigkeiten signalisiert, erklärt er. Ein Schulabgangszeugnis sei dagegen nur dann nötig, wenn die Bewerbung relativ zeitnah zum Schulabschluss erfolgt  also maximal zehn Jahre nach Ende der Schulzeit. Dr. Norbert Kailich: Es ist aber unschädlich, das Zeugnis beizufügen. Sonstige Zertifikate und Teilnahmebescheinigungen von eintägigen Seminaren sind dagegen verzichtbar.

Fotos und Hobbys sollten dazu gehören

Weniger wichtig ist mittlerweile auch das Bewerbungsfoto. Wer möchte, könne darauf verzichten, erläutert der Personalleiter. Dennoch empfiehlt er den Bewerbern, ein (professionell aufgenommenes) Foto einzureichen. Über ein Bild wird auch eine gewisse Emotion übermittelt, die vielleicht auch einen marginalen Einfluss auf die  subjektive  Entscheidung haben kann, meint er.
Das gleiche gilt auch für die Angabe von Hobbys und ehrenamtlichen Engagements: Personaler lesen gern darüber im Lebenslauf, so der Personalexperte. Denn das sei ist für sie auch ein wichtiger Anknüpfungspunkt im späteren Vorstellungsgespräch. Ehrenamtliches Engagement und Vereinstätigkeit signalisieren zudem auch Social Skills sie sollten unserer Meinung also unbedingt erwähnt werden, ergänzt er.
Eine Frage, die immer wieder im Bewerbungsprozess auftaucht, ist: Dürfen Bewerber noch zum Telefonhörer greifen und in der Personalabteilung anrufen? Ja, lautet die bestimmte Antwort von Dr. Norbert Kailich. Sein Unternehmen ermuntert sogar die Bewerber, sich bei Rückfragen telefonisch oder per E-Mail mit einer Ansprechpartnerin aus dem Personalbereich in Verbindung zu setzen.

Keine reißerische Aufmachung

Ein weiterer Ratschlag mancher Bewerbungsratgeber: Wecken Sie durch eine auffällige Gestaltung Ihrer Bewerbung Aufmerksamkeit, denn ein Personaler nimmt sich im Durchschnitt weniger als fünf Minuten Zeit, um eingehende Bewerbungen zu sichten. Auch hierzu kann Dr. Norbert Kailich einen praxisrelevanten Tipp geben: Wenn es den Bewerbern gelingt, ihre Bewerbung zielgerichtet auf die Stelle aufzubauen und die Bewerbung ansonsten systematisch, klar und vor allen Dingen ordentlich ist  das heißt ohne orthografische Fehler wird ein ausreichendes Maß an Aufmerksamkeit erzeugt. Von reißerischen Aufmachungen halten wir nicht viel.

Daniela Furkel, Fachjournalistin

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