Berufliche Weiterbildung: Man lernt nie aus

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Berufe werden heutzutage durch die technologische Entwicklung, internationale Standards, neue Kundenanforderungen und zunehmende Spezialisierung immer anspruchsvoller. Um mit den steigenden Anforderungen am Arbeitsplatz Schritt halten zu können, müssen die eigenen Fertigkeiten und Kompetenzen kontinuierlich erweitert werden. Der Schlüssel hierfür heißt berufliche Weiterbildung. Sie ermöglicht es einem zudem, individuelle Ziele in Angriff zu nehmen und sich Karrierewünsche zu erfüllen. Berufliche Weiterbildung wird definiert als Bildungsvorgang, der eine vorhandene berufliche Vorbildung vertieft oder erweitert. Es wird zwischen Anpassungs- und Aufstiegsfortbildungen unterschieden. Anpassungsfortbildungen stellen den Regelfall der beruflichen Weiterbildung dar. Sie dienen dazu, zusätzliches Fachwissen oder neue Kompetenzen zu erwerben, vorhandenes Wissen aufzufrischen oder der technischen Entwicklung anzupassen. Typische Beispiele sind Schulungen in neuer Software oder Technik sowie Veranstaltungen zu rechtlichen Änderungen. Durchgeführt werden sie häufig von Bildungseinrichtungen der Kammern, von Berufsverbänden oder von privaten Bildungsdienstleistern. Sie enden meist mit einem Zertifikat oder einer Teilnahmebescheinigung.
Aufstiegsfortbildungen setzen eine abgeschlossene Berufsausbildung sowie Berufserfahrung voraus. Die Inhalte sind fixiert und am Ende steht ein zusätzlicher, staatlich anerkannter Berufsabschluss. Typische Abschlüsse sind beispielsweise Meister, Techniker, Fachwirt oder Fachbetriebswirt. Der Abschluss wird durch eine Prüfung bei der zuständigen Stelle – beispielsweise der Landwirtschaftskammer – erlangt.

Beruflich am Ball bleiben

Wer eine Weiterbildung plant, sollte zunächst überlegen, seinen Arbeitgeber auf seinen Weiterbildungswunsch anzusprechen. Schließlich profitiert er davon, wenn die Mitarbeiter aufgrund höherer Qualifikation ihre Aufgaben besser wahrnehmen oder sogar neue Aufgaben übernehmen können. Einen Rechtsanspruch darauf, dass der Betrieb zahlt, gibt es jedoch nicht. Zumindest nicht für freiwillige Fortbildungen. Wenn der Chef die Maßnahme jedoch selbst anordnet, so muss er selbstverständlich auch die dadurch entstehenden Kosten tragen. Wenn die Weiterbildung nicht am Arbeitsort stattfindet, muss er ebenfalls die An- und Abreise übernehmen sowie Überstunden vergüten.

Doch auch wer sich aus eigener Initiative und ohne Unterstützung seines Arbeitgebers weiterbilden möchte, muss dies in der Regel nicht komplett aus eigener Tasche zahlen. Denn auch der Staat bietet zahlreiche finanzielle Unterstützungsleistungen an.

Prämiengutschein: Mit einem Prämiengutschein werden Selbstständige und Angestellte, die mindestens 15 Stunden in der Woche erwerbstätig sind und deren jährlich zu versteuerndes Einkommen maximal 20.000 beträgt, bei der beruflichen Weiterbildung gefördert. Ein Prämiengutschein deckt die Hälfte der Kurskosten bis maximal 500 ab. Er kann alle zwei Jahre beantragt werden.

Aufstiegsfortbildungsförderung (Meister-BAföG): Anders als der Begriff vermuten lässt, kommt das Meister-BAföG nicht nur Meisterschülern, sondern auch den Teilnehmenden an anderen Aufstiegsfortbildungen zugute. Gefördert werden sowohl Vollzeit- als auch Teilzeitmaßnahmen. Für beide zahlt der Staat einen Zuschuss von 30,5 % der Gebühren bis zu einer Grenze von 10.226. Die restlichen Gebühren können über ein zinsgünstiges Darlehen finanziert werden. Bei Vollzeitmaßnahmen kann zudem ein Beitrag zum Lebensunterhalt beantragt werden. Dieser besteht aus einer Zuschuss- und einer Darlehenskomponente.

Weiterbildungsstipendium: Berufstätige bis 25 Jahren, die ihre Berufsausbildung mit der Note 1,9 oder besser abgeschlossen haben, können sich um ein Weiterbildungsstipendium bewerben. Die Stipendiaten bekommen drei Jahre lang die Weiterbildungskosten bis zu einer Höhe von jährlich 2.000 erstattet. Sie müssen aber einen Eigenanteil von mindestens 10 % der Kosten selbst tragen.

WeGebAU: Die Abkürzung steht für Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen. Der Staat übernimmt bis zu 100 % der Kosten. Für Geringqualifizierte erhalten die Arbeitgeber zusätzlich noch Lohnkostenzuschüsse.

Bildungsgutschein: Mit dem Bildungsgutschein übernimmt die Bundesagentur für Arbeit die Kosten der Weiterbildung bei drohender oder bestehender Arbeitslosigkeit. Der Anspruch auf Arbeitslosengeld bleibt erhalten.

Aqua: Die Abkürzung steht für Akademiker qualifizieren sich für den Arbeitsmarkt. Die Angebote richten sich an arbeitslose Hochschulabsolventen, die für den (Wieder-) Einstieg in das Berufsleben eine qualifizierte Weiterbildung benötigen.

Förderung auf Landesebene: In allen Bundesländern gibt es Programme, die sich vor allem an Mitarbeiter kleiner und mittlerer Unternehmen richten. Etwa Bildungsscheck Brandenburg, Individuelle Weiterbildung in Niedersachsen (IWiN)
oder Qualifizierungsscheck Hessen. Auf den Seiten des Infoweb Weiterbildung (IWWB) sind detaillierte Informationen zu den einzelnen Förderprogrammen erhältlich.

Zwar sind komplett finanzierte berufliche Fortbildungen selten. Doch immerhin: Kosten, die für eine berufliche Fortbildung aus eigener Tasche bezahlt wurden, können beim Finanzamt geltend gemacht und von der Steuer abgesetzt werden.

Weiterbilden, weiterkommen

Allerdings kostet Weiterbildung natürlich nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Die gute Nachricht: In den meisten Bundesländern haben Arbeitnehmer hierfür Anspruch auf eine bezahlte Freistellung von der Arbeit – Bildungsurlaub, Bildungsfreistellung oder Arbeitnehmerweiterbildung genannt.In zwölf Bundesländern ist der Anspruch gesetzlich verankert. Im Schnitt können Beschäftigte hier fünf Tage pro Kalenderjahr als Bildungsurlaub geltend machen. Ausnahmen bilden Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und Thüringen, wo bislang kein gesetzlicher Anspruch auf Bildungsurlaub besteht. Voraussetzung ist, dass die Weiterbildungsmaßnahme als Bildungsurlaub anerkannt ist.

Julia Reinhardt, Redaktion agrarmanager

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