Fröhliche junge Frau mit Kopfhörern nimmt während der Arbeit im Homeoffice an einer Webkonferenz teil.
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16.09.2026
Antonia Gabarda-Crespo

Mehr Produktivität im Homeoffice? Das sagen aktuelle Studien

Produktiver im Homeoffice? Das sagt die University of Iowa

Homeoffice verspricht mehr Ruhe, weniger spontane Unterbrechungen und mehr Kontrolle über den eigenen Arbeitstag. Doch führt das automatisch dazu, dass Beschäftigte produktiver arbeiten? Genau dieser Frage ist eine aktuelle Studie des Tippie College of Business der University of Iowa nachgegangen.

Die Forschenden begleiteten dafür 219 hybrid arbeitende Beschäftigte eines Unternehmens über eine Arbeitswoche. Dabei verglichen sie, wie produktiv dieselben Personen an ihren Homeoffice- und Bürotagen waren. Das Ergebnis: An den Tagen zu Hause machten die Beschäftigten größere Fortschritte bei ihren Arbeitszielen und arbeiteten schneller als an den Tagen im Büro. Je häufiger die untersuchten Personen von zu Hause arbeiteten, desto stärker stieg ihre Produktivität innerhalb des Untersuchungszeitraums.

Doch warum? Ein entscheidender Faktor war nicht etwa, dass die Beschäftigten zu Hause grundsätzlich mehr Energie hatten. Vielmehr blieb ihr Energieniveau über den Tag konstanter. Die Forschenden ließen die Teilnehmer dafür während der fünf Untersuchungstage stündlich ihr Energielevel dokumentieren.

An Homeoffice-Tagen schwankte dieses Energielevel rund 33 Prozent weniger als an Bürotagen. Ein Rückgang der Energieschwankungen um einen Prozentpunkt war dabei mit 26 Prozent mehr Fortschritt bei der Zielerreichung verbunden. Die Studie der University of Iowa liefert damit einen interessanten Erklärungsansatz: Für Produktivität ist offenbar nicht nur entscheidend, wie viel Energie du hast, sondern auch, wie konstant du sie über deinen Arbeitstag einsetzen kannst.

Produktiv arbeiten: Warum Unterbrechungen dich so viel Energie kosten

Du bist gerade tief in einer Aufgabe und dann kommt eine Nachricht. Kurz darauf steht ein Kollege mit einer Frage neben dir. Zurück an die eigentliche Arbeit, klingelt das Telefon. Jede einzelne Unterbrechung mag harmlos erscheinen. In der Summe können die ständigen Wechsel aber Energie kosten. Genau diesen Effekt beobachteten die Forschenden der University of Iowa. An Bürotagen schwankte das Energieniveau der untersuchten Beschäftigten stärker. Mitautorin Emily Campion erklärt dies unter anderem mit den unterschiedlichen Reizen und Unterbrechungen, denen Menschen im Büro ausgesetzt sind. Wer wegen einer spontanen Anfrage eine Aufgabe unterbrechen muss, benötigt zunächst Energie für den Wechsel und anschließend erneut Energie, um sich wieder in die ursprüngliche Aufgabe einzuarbeiten.

Dabei spielt auch die Art der Ablenkung eine Rolle. Spontane Fragen von Kolleg, Geräusche im Büro oder ein anstrengender Arbeitsweg können laut der Untersuchung stärker an den Energiereserven zehren als typische Unterbrechungen zu Hause. Im Homeoffice haben Beschäftigte zudem häufig mehr Kontrolle darüber, wann sie auf einen Reiz reagieren: Eine E-Mail kann warten, Benachrichtigungen können ausgeschaltet und konzentrierte Arbeitsphasen bewusster geschützt werden.

Das bedeutet allerdings nicht, dass das Homeoffice automatisch frei von Ablenkungen ist. Haushalt, Familie oder das Smartphone können auch dort die Konzentration stören. Entscheidend ist vielmehr, wie gut du kontrollieren kannst, wann und wodurch du deine Arbeit unterbrechen lässt.

Kann mehr Büropflicht zur Belastung werden?

Die Produktivitätsdebatte ist nur eine Seite der Homeoffice-Frage. Flexible Arbeitsmodelle können sich auch darauf auswirken, wie Beschäftigte ihren Arbeitsalltag erleben. Das zeigen die Ergebnisse einer Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK). Über einen Zeitraum von zwei Jahren wurden Teams der TK mit Sachbearbeitung und Kundenkontakt untersucht. Insgesamt flossen Produktivitätsdaten von rund 11.000 Beschäftigten ein. Ergänzende Mitarbeiterbefragungen zeigten: 93 Prozent gaben an, dass ihnen Homeoffice bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie hilft. 81 Prozent sagten, dass die Arbeit von zu Hause Stress und Belastung im Alltag reduziert. Entsprechend kritisch kann eine deutliche Einschränkung bereits etablierter flexibler Arbeitsmöglichkeiten wahrgenommen werden. Fraunhofer-Forscherin Josephine Hofmann verweist gegenüber der Tagesschau darauf, dass gefühlter Stress und Belastung deutlich steigen können, wenn solche Möglichkeiten stark eingeschränkt werden.

Auch der Arbeitsweg spielt eine Rolle: Je weiter Beschäftigte vom Büro entfernt wohnen und je größer damit der Aufwand für die Anfahrt ist, desto kritischer bewerten sie laut Fraunhofer IAO den tatsächlichen Mehrwert ihrer Präsenz vor Ort. Ein Bürotag sollte deshalb nicht allein deshalb stattfinden, weil Anwesenheit vorgeschrieben ist. Präsenz entfaltet ihren Mehrwert insbesondere dort, wo persönlicher Austausch, Zusammenarbeit und soziale Kontakte tatsächlich gebraucht werden.

Zu viel Homeoffice? Ab diesem Punkt sinkt die Produktivität

Mehr Homeoffice bedeutet automatisch mehr Produktivität? Ganz so einfach ist es nicht. Genau hier liefert die Studie des Fraunhofer IAO im Auftrag der Techniker Krankenkasse eine wichtige Ergänzung zu den Ergebnissen der University of Iowa.

Die Fraunhofer-Forschenden untersuchten über zwei Jahre die tatsächlichen Leistungsdaten von rund 11.000 TK-Beschäftigten. Gemessen wurde die Produktivität anhand bearbeiteter Kundenanliegen und geführter Kundentelefonate. Im Durchschnitt war die Produktivität im Homeoffice dabei rund 20 Prozent höher als im Büro. Die Beschäftigten bearbeiteten von zu Hause also durchschnittlich mehr Kundenanliegen und führten mehr Kundentelefonate. Doch dieser Vorteil steigt nicht unbegrenzt. Die Forschenden identifizierten bei einem durchschnittlichen Homeoffice-Anteil von etwa 60 Prozent einen Kipppunkt. Wird dieser überschritten, nimmt die Produktivität wieder ab. Der Grund liegt laut Fraunhofer IAO vor allem im fehlenden fachlichen und sozialen Austausch. Verbringen Teams zu wenig gemeinsame Zeit vor Ort, fehlen informelle Gespräche und Informationen, die wiederum für die produktive Arbeit zu Hause wichtig sein können. Je weniger Kolleg gleichzeitig im Büro sind, desto stärker kann sich dieser Effekt bemerkbar machen. Homeoffice und Büro erfüllen damit unterschiedliche Funktionen: Zu Hause lassen sich bestimmte Aufgaben besonders konzentriert erledigen, während die Präsenzzeit persönlichen Austausch und Zusammenarbeit erleichtert.

Wie viele Tage Homeoffice sind optimal?

Die Fraunhofer-Studie liefert mit den rund 60 Prozent Homeoffice einen interessanten Orientierungswert. Bei einer klassischen Fünf-Tage-Woche entspricht das ungefähr drei Tagen zu Hause. Daraus lässt sich jedoch keine allgemeingültige Drei-Tage-Regel für jedes Unternehmen ableiten. Fraunhofer IAO betont selbst, dass der optimale Anteil von Unternehmen, Tätigkeit und Teamorganisation abhängt. Während konzentrierte Sachbearbeitung gut für das Homeoffice geeignet sein kann, profitieren Tätigkeiten mit intensivem Wissensaustausch, Abstimmungsbedarf oder kreativer Zusammenarbeit möglicherweise stärker von gemeinsamen Präsenztagen.

Die Ergebnisse der University of Iowa ergänzen dieses Bild aus einer anderen Perspektive: In ihrer Stichprobe waren dieselben Beschäftigten an Homeoffice-Tagen produktiver und profitierten von einem stabileren Energieniveau. Die Fraunhofer-Untersuchung zeigt wiederum, dass auf Teamebene ein zu hoher Homeoffice-Anteil langfristig Nachteile mit sich bringen kann, wenn der notwendige Austausch verloren geht.

Die Frage sollte deshalb weniger lauten: „Homeoffice oder Büro?“ Sinnvoller ist: „Welche Aufgabe funktioniert an welchem Arbeitsort am besten?“ Konzentriertes Arbeiten kann zu Hause sinnvoll sein, während Austausch, Vernetzung und gemeinsame Abstimmungen gezielt auf Bürotage gelegt werden können.

Produktiver im Homeoffice: Diese Tipps helfen dir

Homeoffice schafft gute Voraussetzungen für konzentriertes Arbeiten – produktiv wird dein Arbeitstag dadurch aber nicht automatisch. Gerade weil der direkte Rahmen des Büros fehlt, kommt es auf Selbstorganisation und klare Routinen an.

  • Plane deine Aufgaben. Eine To-do-Liste gibt deinem Arbeitstag Struktur. Ordne deine Aufgaben nach Priorität und plane besonders anspruchsvolle Tätigkeiten möglichst für Zeiten ein, in denen du dich erfahrungsgemäß am besten konzentrieren kannst.
  • Schütze konzentrierte Arbeitsphasen. Schalte Push-Nachrichten und andere vermeidbare Störquellen zeitweise aus. Die Ergebnisse der University of Iowa zeigen gerade, wie wichtig ein möglichst konstantes Energielevel für die Zielerreichung sein kann.
  • Schaffe einen festen Arbeitsplatz. Wenn möglich, sollte dein Arbeitsplatz klar vom restlichen Wohnbereich getrennt sein. Ein geeigneter Schreibtisch, ausreichend Licht, ein guter Bildschirm und ein ergonomischer Stuhl unterstützen nicht nur deine Konzentration, sondern auch deine Gesundheit.
  • Vermeide Multitasking. Noch schnell die Waschmaschine einschalten, während du telefonierst und nebenbei E-Mails beantwortest? Was effizient klingt, produziert zusätzliche Aufgabenwechsel. Erledige Tätigkeiten möglichst nacheinander und trenne Arbeit und Privates bewusst voneinander.
  • Plane echte Pausen ein. Flexibilität bedeutet nicht, ohne Unterbrechung durchzuarbeiten. Kurze, bewusst gesetzte Pausen können dabei helfen, Konzentration und Leistungsfähigkeit über den Tag zu erhalten.
  • Bleib in Bewegung. Stundenlanges Sitzen belastet den Körper. Nutze Pausen für einen kurzen Spaziergang, Dehnübungen oder Bewegung und verbinde die Mittagspause möglichst mit einem bewussten Ortswechsel.
  • Mach wirklich Feierabend. Wenn Arbeitsplatz und Zuhause derselbe Ort sind, verschwimmen die Grenzen schnell. Versuche deshalb, nach Ende deiner Arbeitszeit nicht immer wieder „kurz“ die E-Mails zu kontrollieren. Erholung gehört schließlich genauso zu einem produktiven Arbeitsalltag wie konzentrierte Arbeitsphasen.

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