„Die Gemüslichen“ – Biogemüsekisten im Abo aus dem Lautertal

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Janne und Josua haben ihrer einjährigen gemeinsamen Weltreise beschlossen, zu ihren Wurzeln zurückzukehren und „Die Gemüslichen“ zu gründen. Sie wollen sich selbst versorgen, naturnah leben und die Ernte mit den Menschen in der Region teilen.

Wann genau kam euch die Idee, „die Gemüslichen“ zu gründen? Gab es ein konkretes Ereignis?

Als wir im Januar 2018 in Indien für einen Monat auf einer Permakultur-Farm mitgeholfen haben, wurde uns erstmals bewusst, dass wir ein naturnahes Leben führen wollen. Gerade der in Indien sehr starke Kontrast von großen, lauten und dreckigen Städten zum ruhigen Landleben hat uns dies bewusst gemacht.

Unserer neu entdeckten Begeisterung für Permakultur folgend besuchten wir auch in Nepal und in Mittelamerika noch andere Permakultur-Projekte, die meist auch eng mit dem Thema Selbstversorgung verbunden waren.

Als wir Ende 2018 von unserer Reise zurückkamen, war uns klar, dass wir das, was wir auf unserer Reise kennengelernt hatten, hier in Deutschland leben wollen. Wie es der glückliche Zufall wollte, gab es noch ein seit 30 Jahren in Familienbesitz befindliches Grundstück, das zwar verwildert war, aber groß genug, um unseren Traum zu verwirklichen.

So entstand unsere Idee, „Die Gemüslichen“ zu gründen. Parallel zum Gemüseanbau ist unsere längerfristige Vision, ein Permakultur-System mit Pilzzucht, Streuobstwiese, Hühnern und allem, was ein funktionierender Kreislauf benötigt, zu etablieren.

Welche Gemüsesorten liefert ihr in den Abokisten?

Wir liefern pro Woche mindestens sechs verschiedene Gemüsesorten und achten dabei darauf, sowohl Kochgemüse wie Karotten, Zucchini oder Mangold, Rohkost wie beispielsweise Radieschen oder Salat und Kräuter in die Gemüse-Abo-Kiste zu legen. Da wir hauptsächlich Freiland-Gemüse anbauen, ist das Gemüse, welches wir in die Kisten packen, von den Temperaturen und der Saison abhängig.

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Regionales Kochgemüse wie Karotten und Zucchini aber auch Rohkost wie Kräuter und Salate finden sich in den Gemüse-Abokisten der Gemüslichen. ©Die Gemüslichen

Weil wir neben der Frische des Gemüses, welches in der Regel nicht länger als 24 Stunden, bevor es unsere Abonnenten erreicht, geerntet wird, auch großen Wert darauf legen, auch ausgefallenere Gemüsesorten in unser Sortiment mit aufzunehmen wie beispielsweise bunte Möhren oder runde Zucchini, legen wir für diese Sorten „Beipackzettel“ mit in die Kisten.

Auf diesem „Beipackzettel“ sind meist die Geschichte und Herkunft dieser Sorte erläutert als auch Anregungen zu finden, wie das Gemüse gut in der Küche verwendet werden kann.

Was macht euch am meisten Freude an eurem Beruf?

Das Schöne an unserem Beruf ist es, dass wir uns sowohl körperlich, geistig als auch sozial auslasten können. Als Gemüsegärtner sind wir bei jedem Wetter draußen in der Natur und die ganze Zeit in Bewegung,
was uns körperlich beansprucht und fit hält.

Der nachhaltige und intensive Gemüseanbau auf kleiner Fläche verlangt eine strukturierte Planung, auf die wir uns insbesondere in den Wintermonaten konzentrieren. Auch Marketing und Vertrieb gehören zu unseren täglichen Aufgaben, die wir gerne an regnerischen Tagen, von denen es leider immer weniger gibt, erledigen.

Diese geistigen Tätigkeiten sind ein guter Ausgleich zur sonstigen
körperlich intensiven Arbeit auf den Beeten. Auch die soziale Komponente kommt bei uns nicht zu kurz, da wir durch die Direktvermarktung fast jeden Abonnenten persönlich kennen.

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Janne und Josua schätzen die körperlich intensive Arbeit auf den Beeten. Sie sind bei jedem Wetter draußen. ©Die Gemüslichen

Anstatt auf Zertifikate setzen wir auf Transparenz und laden unsere Mitgenießer gerne ein, sich selbst ein Bild davon zu machen, wie ihr Gemüse wächst, um so auch wieder eine Verbindung zu den Lebensmitteln herzustellen, die in der Abo-Kiste zu finden sind.

Zudem ist es eine schöne Belohnung, das selbst angebaute Gemüse frisch vom Beet auf unsere Teller zu bringen und stellt uns als Hobbyköche auch regelmäßig vor verschiedene Herausforderungen, was Zubereitung und Kreativität anbelangt.

Auf welche Herausforderungen/Schwierigkeiten seid ihr beim Aufbau eurer kleinen Farm gestoßen?

In unserem Fall war es wohl eine sehr große Herausforderung, aus einem mit Brennnesseln, kleinen Sträuchern und Bäumen und großen verwilderten Kirschbäumen zugewuchertem Grundstück eine
Fläche zu schaffen, auf der wir unsere Beete anlegen konnten. Eine Wiese wäre für den Anfang mit Sicherheit einfacher gewesen.

Unser Grundstück war im wahrsten Sinne des Wortes verwildert, denn vor allem für Rehe war unser Gebüsch im Laufe der letzten 20 Jahre zu einem Rückzugsort geworden. Obwohl wir von Beginn an einen Zaun um die Beete errichteten, schafften es die Rehe immer wieder, ein Schlupfloch zu finden.

Die Gemüslichen Hof
Eine der größten Herausforderungen war es, die Beete vor Rehen zu schützen. Diese hatten das vormals verwilderte Grundstück als Rückzugsort genutzt. ©Die Gemüslichen

Als das erste Mal unser gesamter Mangoldbestand bis auf den Boden abgefressen war, waren wir wirklich an einem Tiefpunkt angelangt. Der ständige Wettlauf mit den Rehen, wo sie als nächstes
einbrechen, war eine richtige Herausforderung für diese Saison und hat uns einige Stunden Arbeit gekostet. Zudem war es mühsam, bei vom engsten Umfeld geäußerten Bedenken uns und unserer Vision treu
zu bleiben.

Gerade unser bewusster Verzicht auf große Maschinen und der damit einhergehende Idealismus zum Thema Nachhaltigkeit wurde oft belächelt. Doch nach einer ersten erfolgreichen Saison konnten wir auch die Zweifler überzeugen und die kritischen Stimmen sind leiser geworden. Das verbuchen wir ebenso als schönen Erfolg.

In welchem Umkreis liefert ihr die Kisten?

Je kürzer die Wege und je näher die Abonnenten, desto nachhaltiger ist unserer Meinung nach das Konzept, für sich selbst und andere Menschen Gemüse anzubauen. Daher beträgt unser Lieferradius auch nur circa 15 Kilometer. Besonders freuen wir uns daher über Abonnenten aus unserem Dorf oder aus den nahegelegenen Nachbardörfern.

Hat die Corona-Pandemie und der Lockdown eure Arbeit beeinflusst? Wenn ja, wie?

Die Corona-Pandemie hat uns persönlich in unserem Arbeitsalltag kaum beeinflusst, da wir vor allem zu zweit draußen unter freiem Himmel arbeiten und somit weder Masken tragen noch die Distanzregelungen berücksichtigen müssen.

Wir gehen davon aus, dass gerade unser Angebot der Abo-Kisten, welche direkt nach Hause geliefert werden, durch die Corona-Pandemie eine noch größere Zielgruppe anspricht als ursprünglich von uns erwartet.

Welches regionale, saisonale Rezept könnt ihr unseren gemüslichen Lesern vorschlagen?

Zuckerschoten-Dicke-Bohnen-Salat (beides gab es diese Saison in unserer Gemüse-Abo-Kiste)

Zutaten:

  • Zuckerschoten
  • Dicke Bohnen
  • Lauchzwiebeln
  • Olivenöl
  • Essig
  • Senf
  • Salz, Pfeffer
  • Ein Süßungsmittel deiner Wahl

Zubereitung

Die Dicke Bohnen aus der Hülse nehmen und in Salzwasser blanchieren. Nach 10 Minuten die Zuckerschoten geputzt und in schräge Streifen geschnitten ebenfalls für weitere fünf Minuten zu den Dicken Bohnen ins Salzwasser dazugeben.

Anschließend Dicke Bohnen und Zuckerschoten abgießen und unter kaltem Wasser abschrecken. So bleiben sie knackig und kühlen schneller ab. Aus Öl, Essig, Senf, Honig/Sirup/Zucker, Salz und Pfeffer ein Dressing kreieren  und die abgekühlten Bohnen und Zuckerschoten untermischen. Mit Lauchzwiebeln garniert und wahlweise Nüssen wie zum Beispiel Walnüssen wird dieser Salat zum gemüslichen Gaumenschmaus. Mehr Informationen gibt’s auf der Homepage der Gemüslichen.

Wir bedanken uns ganz herzlich, dass ihr Gemüslichen euch Zeit genommen habt, unsere Fragen zu beantworten! Mit eurer Idee tragt ihr zu einem umweltbewussteren, nachhaltigen Lebensstil bei. Wir wünschen alles Gute für die Zukunft!

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Interview: Maya Rychlik

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