Interview einer Hauswirtschafterin: Mit der Weiterbildung zum Meistertitel

Maria Hartl ist gelernte Hauswirtschafterin und hat nach ihrer abgeschlossenen Ausbildung die zweijährige Weiterbildung zur Meisterin der Hauswirtschaft angefangen.

Im Interview mit agrajo spricht sie über ihre Ausbildung und den Spagat zwischen Job und Weiterbildung sowie ihrem Meisterprojekt. Lies jetzt in die Erfahrungen einer angehenden Meisterin der Hauswirtschaft rein!

Du hast 2019 deine dreijährige Ausbildung zur Hauswirtschafterin abgeschlossen. Wie bist du auf den Ausbildungsberuf gestoßen?

Ich habe als erste Ausbildung Chemielaborantin gelernt. Ich merkte allerdings, dass mir der Beruf nicht so viel Freude bereitet. Daher beschloss ich, die Ausbildung zur Hauswirtschafterin zu absolvieren. Ich konnte meine Ausbildungszeit daher auch auf zwei Jahre kürzen.

Ich hatte in der Realschule schon das Fach Haushalt und Ernährung. Dieses Fach gefiel mir immer sehr gut. Vor meiner ersten Ausbildung überlegte ich schon, ob ich Hauswirtschafterin werden sollte. Damals entschied ich mich allerdings dagegen. Nachdem der erste Beruf nicht ganz meinen Vorstellungen entsprach, lag es nahe, dass ich doch noch den Beruf der Hauswirtschafterin erlerne. Ich entschied mich auch die Ausbildung dual zu machen und nicht auf die Teilzeitschule zu gehen.

Was macht eine Hauswirtschafterin?

In unserem Artikel beantworten wir die wichtigsten Fragen: Was macht eine Hauswirtschafterin, wo arbeitet sie und wie wird man eine?

Was hat dir während der Ausbildung am meisten Spaß gemacht?

Am meisten Spaß hat mir die Zeit im Ausbildungsbetrieb gemacht. Ich lernte in einem Hofcafé. Dort war die Arbeitsatmosphäre sehr angenehm und man konnte sehr viel lernen.

In welchem Job hast du nach dem Ausbildungsabschluss angefangen zu arbeiten?

Direkt im Anschluss im Sommer 2019 fing ich in einem Privathaushalt mit einer kleinen Landwirtschaft im Nebenerwerb an. Dort bin ich bis heute angestellt.

Wann merktest du, dass du zusätzlich die Meisterprüfung der Hauswirtschaft ablegen möchtest?

Für mich war bereits während der Ausbildung klar, dass ich den Meistertitel der Hauswirtschaft erwerben möchte. Da ich nach der abgeschlossenen Ausbildung schon etwas älter als üblich war, gefiel mir das Konzept den Meistertitel in Form von Teilzeitunterricht zu erwerben sehr, da man nebenbei noch arbeiten und Geld verdienen kann.

An welcher Schule absolvierst du deinen Vorbereitungslehrgang auf die Meisterprüfung?

Ich bin seit Oktober an der Landwirtschaftsschule in Rosenheim und besuche dort den dreisemestrigen Studiengang „Haushalt, Ernährung und Betriebsführung“. Zusätzlich zum Meistertitel erwirbt man mit Abschluss der Schule noch den Titel „Staatlich geprüfte/r Wirtschafter/in für Ernährung und Haushaltsmanagement“.

  • Anm.d.Red.: Der Studiengang „Ernährung, Haushalt und Betriebsführung“ in Rosenheim beginnt immer im Oktober eines Jahres. Der Anmeldeschluss für das dreisemestrige Studium ist im April des Jahres. Der Unterricht findet berufsbegleitend vom Oktober bis März des übernächsten Jahres statt.

Du absolvierst die Weiterbildung zur Meisterin der Hauswirtschaft in Teilzeit. Wie funktioniert bei dir der Spagat zwischen Job und Schule?

Ich arbeite weiterhin 32 Stunden pro Woche bei meinem derzeitigen Arbeitgeber. Man muss dazu sagen, dass mein Chef sehr kulant ist und mir auch öfters frei gibt, damit ich lernen kann. Teilweise ist es sehr anstrengend, die Arbeit und die Schule unter einen Hut zu bekommen. Da aber meine Familie immer hinter mir steht und, wie schon erwähnt, mein Arbeitgeber auch sehr freundlich ist, habe ich bis jetzt immer alles sehr gut geschafft.

Wie finanzierst du deine berufliche Weiterbildung? Erhältst du Unterstützung?

Ich wohne noch Zuhause und arbeite in Teilzeit als Hauswirtschafterin. Der Besuch der Landwirtschafsschule ist kostenlos. Lediglich Lebensmittelkosten, Lehrfahrtskosten und die Kosten für Unterrichtsmaterialien muss ich selber zahlen. Dadurch ist die Weiterbildung sehr kostengünstig.

Zu deiner Meisterarbeit: Wie lange dauerte das Projekt und wie bist du auf das Thema gekommen?

Das Projekt komplett durchzuführen und zu erarbeiten dauert genau ein halbes Jahr. Davor muss man sich das Thema überlegen und einen Antrag einreichen. In der Schule haben wir Unterstützung und Tipps bei der Themenauswahl bekommen.

Mein Thema war: „Reduzierung von Kunststoffen zur Vermeidung von Mikroplastik durch Maßnahmen in einem Privathaushalt“. Der Themenbereich Kunststoff war bei mir ziemlich früh festgelegt, da ich mich sehr für die Umweltverschmutzung und die Auswirkungen von Kunststoffen interessiere. Ich wollte das Thema auch so wählen, dass ich es in der Arbeit umsetzen und durchführen konnte. Irgendwann bin ich dann auf den Bereich des Mikroplastiks gekommen und war damit auch sehr zufrieden. Es ist ratsam, wenn man sich ein Thema aussucht und überlegt, ein Thema zu wählen, hinter dem man zu 100 % steht. Man muss sich damit nämlich ein komplettes halbes Jahr damit auseinandersetzen.

Welchen Einfluss hatte die Pandemie auf deine Weiterbildung?

Wir hatten im ersten und im zweiten Semester einige Monate Online-Unterricht. Ab dem Sommer 2021 konnten wir wieder in die Schule kommen. Bis jetzt konnten wir im dritten Semester (Winter 2021/2022) immer Präsenz-Unterricht unter Einhaltung aller Hygienemaßnahmen halten.

Die Pandemie hatte leider einen weiteren Einfluss auf die Weiterbildung: Wir konnten nur sehr wenige Lehrfahrten machen. Auch der Austausch mit den anderen Studierenden aus den anderen Klassen der Hauswirtschaft oder Landwirtschaft kam eher zu kurz.

Im März dieses Jahrs bist du fertig. In welchem Bereich möchtest du nach deiner Meisterprüfung arbeiten?

So ganz genau weiß ich noch nicht, was ich nach der abgeschlossenen Weiterbildung machen möchte. Erstmal bleibe ich noch ein wenig in meiner aktuellen Arbeit. Im Herbst 2022 steht noch eine längere Reise ins Ausland an, danach möchte ich eine leitende Position in der Hauswirtschaft übernehmen. Am liebsten in einem Seniorenheim oder einem Krankenhaus. Aber mal sehen was sich bis dahin noch so ergibt.

Welchen Rat hast du für Hauswirtschafterinnen und Hauswirtschafter, die noch überlegen, ob sie die Weiterbildung machen wollen?

Man sollte sich im Klaren sein, dass die Weiterbildung anstrengend ist und man wirklich dabeibleiben muss. Auch ist es ratsam nicht so viele Stunden wie ich nebenbei zu arbeiten, da das auf die Dauer sehr anstrengend werden kann. Dennoch kann ich die Weiterbildung sehr empfehlen, vor allem an der Landwirtschaftsschule in Rosenheim.

Der Unterricht ist sehr praxisbezogen und man lernt wirklich sehr viel. Auch wird einem immer geholfen, wenn man einen Rat braucht. Mir macht die Weiterbildung sehr viel Freude, vor allem auch dass man danach in so vielen Bereichen Arbeiten kann. Außerdem habe ich sehr nette Menschen in meiner Klasse kennengelernt, mit denen ich auch nach Ende der Schulzeit noch Kontakt halten werde.

Wir danken Maria für das Interview und wünschen ihr alles Gute für die berufliche Zukunft!


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