Interview: Was macht ein Reproduktionsmanager?

Reproduktionsmanager, kurz Repromanager, sind ein wichtiger Bestandteil der Milchviehbranche. Sie kümmern sich unter anderem um die Fruchtbarkeit von Rindern.

Du fragst dich, welche Aufgaben sie übernehmen, wie man zu einem werden kann und was sie von einem Besamungstechniker unterscheidet? Wir haben mit einer Reproduktionsmanagerin über ihr Berufsbild gesprochen, die für uns diese sowie weitere Fragen beantwortet.

Repromanager

Steckbrief

  • Name: Birte Heuer
  • Position: Reproduktionsmanagerin
  • Unternehmen: Alta Genetics

Wie sind Sie Reproduktionsmanagerin geworden?

Birte Heuer: Ich bin Repromanagerin bei Alta Genetics und vertrete meine Kollegen zurzeit auf verschiedenen Betrieben in Niedersachsen. Ich habe ein Studium absolviert und schon im Verlauf des Studiums hat mir der Bereich der Fruchtbarkeit bei Rindern sehr zu getan. So kam ich schnell zur Besamung und entdeckte meine Freude für diesen Fachbereich. Man könnte in diesem Zuge auch sagen: „Probieren geht über studieren“!

Wir bei Alta Genetics sind ein recht bunter Haufen von Landwirten, Tierwirten, Landwirtschaftsmeistern, Fachagrarwirten, Agrarwissenschaftlern (B.Sc./ M. Sc.), Tierärzten aber auch Quereinsteiger mit landwirtschaftlichem Praktikum. Bei uns ist alles dabei, die größte Voraussetzung ist es, „Bock auf Kühe zu haben“ sowie eine gewisse handwerkliche Fähigkeit!

Das bedeutet, es ist egal ob ein Studium, eine Ausbildung oder ein Praktikum absolviert wurde. Man sollte für den Beruf Repromanager im Bereich Rind Freude und Lust für das Verständnis von landwirtschaftlichen Abläufen, ein Gefühl im Umgang mit dem Tier und eine gewisse handwerkliche Feinmotorik mitbringen. Und auch vieles davon kann man mit der Zeit erlernen!

Was macht ein Besamungstechniker?

Du interessiert dich für die Tierzucht und hast bereits eine landwirtschaftliche Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen? Erfahre mehr über den Berufs des Besamungstechniker und die Weiterbildungsmöglichkeiten.

Auf die Besamung welcher Tiere haben Sie sich spezialisiert?

Birte Heuer: Mir haben es immer schon die Kühe angetan und so sind wir bei Alta alle spezialisierte Repromanager auf Milchviehbetrieben und besamen nur Kühe beziehungsweise Rinder.

Was sind die Aufgaben einer Repromanagerin?

Birte Heuer: Meine Aufgaben als Reproduktionsmanagerin umfassen die Brunstbeobachtung, Besamung, Trächtigkeitsuntersuchungen und Dokumentation – also kurz um das komplette Fruchtbarkeitsmanagement bei Milchkühen und Rindern.

Ich versuche mit meiner Arbeit die Betriebe im Bereich des Fruchtbarkeitsmanagement möglichst vollständig zu unterstützen und damit einen Mehrwert für sie zu erzeugen. Dies beruht selbstverständlich auf einem großen Vertrauen seitens der Betriebsleiter und der stetigen Kontrolle der Ergebnisse von beiden Seiten.

Deshalb finde ich unsere Abrechnungsmöglichkeit PPP (PayPerPregnancy), also das Bezahlen-pro-erzeugter-Trächtigkeit, ein faires und gutes System. Denn die Reproduktion ist der Motor eines jeden Milchviehbetriebs. Oder man könnte auch sagen: „Wir suchen die Gründe für eine Besamung und nicht dagegen!“

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag als Reproduktionsmanagerin aus?

Birte Heuer: Der Alltag als Repromanager hängt von den zu betreuenden Betrieben ab. Jeder Milchviehbetrieb ist individuell und wird nach den jeweiligen Bedürfnissen betreut. Je nach Betriebsgröße findet die Tätigkeit an nur einem Ort statt oder es werden mehrere Betriebe/Betriebsstandorte angefahren.

Auf den Betrieben starten wir meist mit der Arbeit im Büro. Mithilfe des Herdenmanagementprogramms werden die anstehenden Arbeiten gemanagt. Stehen Tiere zur Trächtigkeitsuntersuchung an, welche Tiere sollten dem Tierarzt vorgestellt werden und wie sieht das anzuwendende Hormonprogramm aus? Für jeden Betrieb entsteht so ein wöchentlicher Rhythmus, sodass Betrieb und Repromanager effizient und in guter Absprache miteinander ihre Arbeiten absolvieren können.

Danach geht es meist weiter mit der Brunstbeobachtung. Dazu nutzen wir verschieden Möglichkeiten: manche Betriebe verfügen über ein Aktivitätssystem, wie zum Beispiel Alta COW WATCH oder wir nutzen Tailpaint Farbe (Stifte oder Spray, mit denen wir die Tiere von Hüfthöcker bis Sitzbeinhöcker farblich markieren) zur Brunsterkennung. Sind die brünstigen Tiere gefunden, wird entschieden, ob diese besamt werden können und anschließend besamt. Ein großer Vorteil ist hier, dass wir all unser Besamungsequipment und Sperma vor Ort auf dem Betrieb haben. Dies ist schonender für das Sperma und minimiert lange Gehwege.

Danach ist eine ordentliche Dokumentation wichtig. Dies geschieht auf den meisten Betrieben mithilfe des Herdenmanagementprogramms. So wird, unabhängig der Größe des Betriebes, egal ob 200 Kühe oder 2.000 Kühe, kein Tier vergessen.

Welche Aufgaben bereiten Ihnen an Ihrer Arbeit am meisten Freude?

Birte Heuer: Für mich ist das nicht eine bestimmte Aufgabe, sondern viel mehr das selbstständige Arbeiten und die Resultate, welche man für den Betrieb erreicht. Ich freue mich in diesem Zuge am meisten, wenn ich die von mir tragenden Jungrinder sehe und weiß, dass der Betrieb so seinen besten genetischen Zuchtfortschritt erhält.

Wie sind Sie zu Ihrer Stelle bei Alta Genetics gekommen?

Birte Heuer: Ich habe meine Zeit bei Alta mit einem Trainee Jahr gestartet. Für mich war das eine ganz tolle und spannende Zeit, weil ich das Unternehmen von all seinen Gesichtspunkten betrachten durfte und so sehr viel gelernt habe und Hintergrundwissen erfahren durfte. Letztlich war klar, dass ich weiter in der Praxis auf den Betrieben tätig sein möchte. Ich antworte immer mit Vergnügen auf die Frage, warum ich gerne bei Alta arbeite: „Weil wir MITTENDRIN, statt NUR dabei sind.“

Warum ist Alta Genetics Ihrer Meinung nach ein guter Arbeitgeber?

Birte Heuer: Weil wir ein Team aus unterschiedlichsten Typen sind und es für jede Frage irgendwen im Team gibt, der einem gerne weiterhilft. Der Blick über den Tellerrand ist erwünscht und durch unsere flache Hierarchie wird es ermöglicht, sich mit einzubringen und zu entwickeln.

Welche Herausforderungen hat man als Repromanagerin?

Birte Heuer: Ruhig und geduldig mit sich und den Tieren bleiben. Manchmal hat man selber einen schlechten Tag, die Tiere aber auch!

Haben Sie einen Tipp für angehende Reproduktionsmanager und Berufseinsteiger?

Birte Heuer: Sie werden jetzt vermutlich schmunzeln, aber ich hatte eine ganze Zeit ein Handmuskulatur-Trainings-Gerät in meinem Auto dabei und habe so während der Fahrt meine Hand sowie die Unterarmmuskulatur trainiert. Man benötigt zur Besamung der Tiere keine Kraft, sondern eher Feinmotorik in der Hand. Trotzdem wird eine ungewohnte Muskulatur beansprucht und das Training hat mir am Anfang geholfen.

Repromanager vs. Besamungstechniker: Was ist der Unterschied?

Birte Heuer: Beide Berufsgruppen sind im Auftrag von Kunden für die Besamung auf Milchviehbetrieben unterwegs und sind ausgebildet im Besamungswesen. Der größte Unterschied ist wahrscheinlich, dass Repromanager den gesamten Bereich des Fruchtbarkeitsmanagements übernehmen. Das bedeutet, dass wir nicht auf Abruf auf den Betrieben vorbeikommen, sondern jeden Tag unsere festen Routen und somit Betriebe haben. Wir übernehmen also auch die Brunstbeobachtung, Trächtigkeitsuntersuchung und Dokumentation. Somit sind wir im gesamten Reproduktionskreislauf mit involviert und übernehmen, nach enger Absprache mit den Betrieben, die Arbeit selbstständig.


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