Ein Familie steht vor Strohballen: Der Vater trägt die Tochter im Arm und die Frau steht lächelnd neben den beiden
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05.02.2026
Antonia Gabarda-Crespo

Work-Life-Balance: Geht das überhaupt?

Herausforderungen in Landwirtschaft & Produktion

Berufe in der Landwirtschaft oder  Produktion sind das Rückgrat unserer Versorgung und funktionieren nach ganz eigenen Regeln. Während in vielen Büroberufen Aufgaben verschoben oder flexibel organisiert werden können, sind Arbeitsabläufe in diesen Bereichen häufig an feste Prozesse gebunden. Tiere müssen täglich versorgt, Maschinen bedient und Lieferketten eingehalten werden und das unabhängig davon, ob Wochenende ist oder ob kurzfristig etwas dazwischenkommt. Hinzu kommen saisonale Spitzenzeiten, etwa während der Ernte oder bei erhöhtem Produktionsbedarf, die den Arbeitsdruck zusätzlich verstärken. Auch äußere Faktoren wie Wetterbedingungen oder unerwartete technische Störungen können dazu führen, dass Arbeitspläne spontan angepasst werden müssen. Gleichzeitig sind körperliche Belastung, Schichtarbeit und Personalmangel in vielen Betrieben Realität. All diese Rahmenbedingungen machen es besonders herausfordernd, klare Grenzen zwischen Beruf und Privatleben zu ziehen und eine ausgewogene Work-Life-Balance dauerhaft umzusetzen.

Warum gehören in der grünen Branche Überstunden oft dazu?

In Berufen wie Landwirtschaft und Produktion sind Überstunden für viele Beschäftigte keine Ausnahme, sondern ein fester Bestandteil des Arbeitsalltags. Das liegt vor allem daran, dass Arbeitsprozesse in diesen Branchen häufig nicht einfach unterbrochen oder auf einen anderen Tag verschoben werden können. Wenn Produktionslinien laufen, Tiere versorgt werden müssen oder Liefertermine eingehalten werden sollen, entsteht schnell zusätzlicher Zeitdruck. Besonders in arbeitsintensiven Phasen, etwa während saisonaler Spitzen oder bei kurzfristigen Ausfällen im Team, bleibt oft wenig Spielraum für geregelte Arbeitszeiten. Auch Personalmangel verstärkt die Situation: Aufgaben verteilen sich auf weniger Schultern, wodurch Mehrarbeit häufig unvermeidbar wird. Viele Beschäftigte erleben dadurch das Gefühl, ständig einspringen zu müssen oder „gebraucht“ zu werden. Umso wichtiger ist es, langfristig nicht nur Leistung zu erwarten, sondern auch Erholungszeiten bewusst einzuplanen, denn dauerhafte Überlastung kann auf Dauer sowohl die Gesundheit als auch die Motivation erheblich beeinträchtigen.

Strategien für eine gesunde Work-Life-Balance

Auch wenn die Arbeitsbedingungen herausfordernd sind, kannst du aktiv Einfluss nehmen. Hier sind Strategien, die sich besonders in systemrelevanten Berufen bewährt haben:

1. Mini-Pausen bewusst nutzen

  • Gerade in körperlich intensiven Jobs helfen kurze Erholungsmomente enorm. Schon 5 Minuten bewusstes Durchatmen oder Sitzen können Stress senken.

➡ Tipp: Plane Pausen wie feste Termine und nicht „wenn Zeit ist“.

2. Klare Feierabend-Rituale schaffen

  • Wenn Arbeit und Privatleben ineinanderfließen, fehlt der mentale Abschluss.

➡ Beispiel: Nach der Schicht bewusst umziehen, Musik hören oder einen kurzen Spaziergang machen als Signal „Jetzt beginnt Freizeit“.

3. Kommunikation statt stilles Durchhalten

  • Viele Überlastungssituationen entstehen, weil niemand früh genug etwas sagt.

➡ Sprich Belastung frühzeitig an, bevor sie zur Dauer wird.

4. Erholungszeit aktiv schützen

  • Freie Tage sind kein Bonus, sondern notwendig für Gesundheit und Leistungsfähigkeit.

➡ Plane Erholung genauso fest ein wie Arbeit, ohne schlechtes Gewissen.

5. Fokus auf das, was beeinflussbar ist

Nicht alles lässt sich ändern, aber kleine Stellschrauben schon: Schlaf, Ernährung, Pausen, soziale Kontakte.

Arbeitgeber: Modelle für flexible Arbeitszeiten

Damit Work-Life-Balance auch in systemrelevanten Berufen realistischer wird, sind nicht nur Beschäftigte gefragt, sondern auch Arbeitgeber. Gerade in Landwirtschaft und Produktion, wo Arbeitsabläufe oft fest getaktet sind, können moderne Arbeitszeitmodelle einen wichtigen Beitrag leisten, um Belastungen besser zu verteilen und Überlastung vorzubeugen. Flexible Lösungen wie Arbeitszeitkonten ermöglichen es beispielsweise, Mehrarbeit in intensiven Phasen später durch freie Tage auszugleichen. Auch verlässlich geplante Schichtsysteme und langfristige Dienstpläne schaffen mehr Planungssicherheit für Mitarbeitende und erleichtern die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Darüber hinaus können Teilzeitmodelle, Jobsharing oder zusätzliche Entlastungsangebote helfen, die Arbeitsorganisation zeitgemäßer zu gestalten. Entscheidend ist dabei auch die Unternehmenskultur. Wer Erholung ernst nimmt, klare Grenzen respektiert und Mitarbeitende nicht dauerhaft verfügbar hält, stärkt Motivation, Gesundheit und langfristige Bindung. Flexible Arbeitszeitmodelle sind deshalb nicht nur ein Vorteil für Beschäftigte, sondern auch ein wichtiger Faktor im Wettbewerb um Fachkräfte.

Praxistipps für Arbeitnehmer

Auch wenn die Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft oder Produktion oft herausfordernd sind, kannst du als Arbeitnehmer selbst einiges tun, um deine Work-Life-Balance langfristig zu stärken. Wichtig ist vor allem, realistische Grenzen zu setzen und Mehrarbeit nicht als dauerhafte Selbstverständlichkeit zu betrachten. Gerade in stressigen Phasen hilft es, Erholungszeiten bewusst einzuplanen und freie Tage tatsächlich zur Regeneration zu nutzen, statt nur Aufgaben nachzuholen. Ebenso entscheidend ist offene Kommunikation. Wer frühzeitig anspricht, wenn die Belastung zu groß wird, kann Überforderung vorbeugen, bevor sie zur Dauerbelastung wird. Auch Routinen außerhalb der Arbeit, etwa wie Sport, Familie oder soziale Kontakte schaffen Stabilität und helfen, gedanklich abzuschalten. Letztlich bedeutet Work-Life-Balance nicht, dass Arbeit weniger wichtig ist, sondern dass auch dein Privatleben und deine Gesundheit ausreichend Raum bekommen. Gerade in Berufen, die für unsere Gesellschaft unverzichtbar sind, sollte auch die eigene Belastbarkeit nicht dauerhaft überstrapaziert werden.

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