Agraringenieur: Viel mehr als ein Bauer mit Diplom
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10.10.2021
Redaktion Agrajo

Agraringenieur: Viel mehr als ein Bauer mit Diplom

Die Berufsbezeichnung Agraringenieur klingt sofort viel beeindruckender als „Bauer“. Tatsächlich ist dieser Beruf mehr als Felder bestellen und Pflanzen anbauen. Doch was ist ein Agraringenieur? Ein Agraringenieur vereint Technik mit Wissenschaft und Forschung sowie ökonomische Aspekte mit Produktion und Umweltschutz.

Es ist ein interessanter und anspruchsvoller Beruf, studierte Fachleute sind in der Agrarbranche gefragt und besitzen gute Zukunftsaussichten. Und Jobs in der Landwirtschaft boomen. 2020 stieg die Zahl der Ausbildungsverträge, während sich andere Branchen auf einem historischen Tiefstand befinden

Was macht ein Agraringenieur?

Die Aufgaben eines Agraringenieurs sind komplex . Ein Landwirt erledigte in früheren Zeiten alles mit seinen Händen. Heute müssen große Landmaschinen bedient werden, moderne Technik unterstützt die Tierhaltung – und das sind nur einige der Aufgaben, die mit diesem Berufsbild Agraringenieur beziehungsweise Agraringenieurin verbunden sind.

Entsprechend breit sind die Einsatzgebiete im Agraringenieurwesen:

  • Leitung eines landwirtschaftlichen Betriebs: Agraringenieure planen die Hof- und Feldarbeit, den Einsatz von Maschinen, Betriebsmitteln und Energie unter Berücksichtigung von Zeit, Kosten und Umweltschutz. Sie koordinieren die Arbeitskräfte und den Einkauf von Saatgut, Jungvieh, Futter und Düngemitteln.
  • Entwicklung von Nahrungsketten: Agraringenieure müssen immer stärker betriebswirtschaftlich denken. Sie konzipieren Arbeitsabläufe, wie Nahrungs- und Futtermittel erzeugt werden, unter Einbeziehung von kaufmännischen Gesichtspunkten. Hinzu kommen neue Herausforderungen für Agraringenieure wie der Einsatz von Gentechnologie oder aufkommende Tierseuchen.
  • Tierhaltung: Ein Agraringenieur führt Zuchtbetriebe, plant die industrielle Tiererzeugung oder befasst sich mit dem Vertrieb von tierischen Produkten. Dies gilt nicht nur Landwirtschaft, sondern auch im Bereich der Wildzucht oder von Fisch-Kulturen.
  • In der landwirtschaftlichen Zulieferindustrie: In Zusammenarbeit mit Biologen und Chemikern erforschen Agraringenieure Saat-, Futter- und Düngemittel. Sie stellen in Tests fest, wie sich Anbaubedingungen auf das Wachstum der Pflanzen auswirken.
  • Nahrungsmittelindustrie: Die Fachkenntnisse von Agraringenieuren sind bei Handelsunternehmen und Erzeugergemeinschaften gefragt. Sie arbeiten im Management und Marketing.
  • Qualitätssicherung: Agraringenieure analysieren Lebensmittel und Futtermittel. Bei der Kontrolle achten sie auch darauf, ob sie genetisch verändert wurden.
  • Umweltschutz: Das Wissen über Pflanzenschutzmittel, Dünger und Pestizide nutzen Agraringenieure, um den Ertrag eines Anbaugebiets zu steigern. Sie wirken Bodenerosion und Grundwasserverschmutzung entgegen oder regenerieren Ökosysteme in Land- und Forstwirtschaft, um die Artenvielfalt eines Gebiets zu erhalten.
  • Vertrieb: Als Fachleute beraten Agraringenieure im Auftrag von Herstellern oder Händlern Landwirte und Unternehmen über den Einsatz von Dienstleistungen und Produkten. Dies umfasst Futtermittel, technische Ausrüstung oder den Einsatz von Dünger.
  • Beratung: Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Fördermitteln für Landwirte. Einen Hof bestellen und hier den Überblick zu behalten, ist schwer. Agraringenieure können  fachlich als auch betriebswirtschaftlich unterstützen. Sie beraten, wie der Hof organisiert wird, welche Absatzmöglichkeiten es gibt und welche Förderprogramme infrage kommen.

Das verdient ein Agraringenieur

Da die Einsatzgebiete eines Agraringenieurs vielfältig sind, gibt es auch beim Gehalt eine breite Spanne. Der Verdienst hängt vom Bildungsabschluss, der Branche und der Unternehmensgröße, als auch dem Bundesland und der Stadt ab. Nach dem Studium verdienen Agraringenieure im Schnitt 35.000 Euro pro Jahr. Besonders viele offene Stellen gibt es in Berlin, München und Hamburg.

Der durchschnittliche Verdienst von Agraringenieuren mit Erfahrung liegt bei 46.400 Euro. Je nach Jahren im Beruf beziehungsweise Berufserfahrung variiert dies. Wer bereits fünf Jahre als Agraringenieur arbeitet, kann bis zu 60.000 im Jahr verdienen, bei mehr als zehn Jahren Berufserfahrung kann das Gehalt zwischen 70.000 und 100.000 Euro liegen.

Lust auf einen Beruf mit Technik? Dann lies auf agrajo nach, was ein Land- und Baumaschinenmechatroniker macht.

Ausbildung: So wird man Agraringenieur

Es gibt mehrere Wege, Agraringenieur zu werden. Früher führte das Studium zum Abschluss Diplom Agraringenieur, heute sind es mindestens sechs Studiensemester bis zum Bachelorabschluss Agraringenieur. Entsprechende Studiengänge bieten Universitäten und Fachhochschulen an – das reicht vom Agrartechniker über den Agrarbiologen bis hin zu Agrarwissenschaftler. Als Agraringenieur ist es empfehlenswert, sich möglichst schnell zu spezialisieren und auf ein Fachgebiet festzulegen, zum Beispiel die Forschung.

Nach dem Abschluss kann das Bachelor-Studium Agraringenieur durch einen Master in weiteren vier weiteren Semestern ausgebaut werden.

Kurzüberblick zum Beruf

Das sollte ein Agraringenieur mitbringen

Ein Agraringenieur verbringt nur wenig Zeit mit Feldarbeit. Das verrät schon der Blick in den Studienplan der Universitäten. Es geht um Informatik, Chemie, Boden- und Pflanzenkunde, Betriebswirtschaft und Statistik. Wer sich für eine Ausbildung als Agraringenieur entscheidet, sollte:

  • Mathematische und naturwissenschaftliche Kenntnisse
  • Ein Verständnis für Technik
  • Kaufmännisches Denken
  • Kommunikationsfähigkeit mitbringen

Agraringenieur – ein vielfältiger Beruf

Eine Karriere als Agraringenieur ist also die richtige Wahl für alle, die an der frischen Luft arbeiten wollen, in Kontakt mit Pflanzen und Tieren. Die gestalten wollen, organisieren, ein abwechslungsreiches berufliches Betätigungsfeld suchen, das ihnen erlaubt, ihre vielfältigen Begabungen in vielfältigen Branchen einzusetzen – in einem spannenden Beruf, der in den nächsten Jahren immer wichtiger wird.

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