Landtechnik ist einfach mein Ding

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Lukas Voss hat seinen Berufseinstieg Schritt für Schritt vorbereitet. Schon seine Bachelorarbeit hat der Maschinenbauer aus Schleswig-Holstein bei der Firma Lemken geschrieben. Die waren als eines der führenden deutschen Landtechnikunternehmen einfach der richtige Partner, erklärt der 23-Jährige. Direkt im Anschluss arbeitete er als Vorführfahrer für den Landtechnikhersteller aus dem niederrheinischen Alpen. Daraus entwickelte sich die Festanstellung: Seit Januar 2014 ist er hier im Bereich Agrotraining beschäftigt.

Faszination Landtechnik

Landtechnik war immer mein Ding, erläutert Lukas auf dem Weg in die Kantine. Die befindet sich auf der Rückseite der Firmenzentrale. Durch die Glasfront blickt man auf die Werksgebäude und auf eine Reihe historischer Anbaugeräte, die davor ausgestellt sind. Ich komme nicht vom Hof, habe aber schon als Kind immer viel Zeit bei meinem Onkel verbracht, der einen Milchviehbetrieb hat. Im Stall hat er sich nie viel aufgehalten; Kühe haben ihn nie besonders interessiert.  Für mich gab es nichts Schöneres, als mit den großen Maschinen zu arbeiten. Daraus entwickelte sich schnell sein Berufswunsch. Nach seinem Abitur 2010 machte er ein Praktikum bei Claas in Harsewinkel und begann dann, Maschinenbau in Kiel zu studieren. Maschinenbau war immer mein Traumstudium, erzählt Lukas. Allerdings war ich einer der wenigen, die danach in die Landtechnik wollten. Die anderen haben sich mehr für Autohersteller oder Ähnliches interessiert.

Familienunternehmen

Er schaut kurz von seinem Tablett auf. Gerade durchquert Viktor Lemken, Inhaber der Firma, die Kantine. Große Aufregung, dass der oberste Chef gerade anwesend ist, herrscht aber nicht. Wir sehen ihn und seine Tochter Nicola eigentlich jeden Tag, auch wenn ich arbeitstechnisch wenig Kontakt zu ihnen habe, erklärt er. Herr Lemken und seine Tochter sind das, was unsere Firmenphilosophie ausmachen. Lemken ist ein familiengeführtes Unternehmen, zwar global tätig und international aufgestellt, aber dennoch mit familiären Strukturen. Gerade das gefällt mir besonders.

Rund 850 der insgesamt 1.144 Mitarbeiter des Landtechnikherstellers arbeiten am Standort Alpen. Hier befinden sich die Produktion, die Forschung und Entwicklung, Vertrieb und Marketing und die gesamte Verwaltung. Lukas selbst ist im Agrotraining beschäftigt. Diese Abteilung ist zuständig für die Schulung der internen und externen Vertriebs- und Servicemitarbeiter. Sein Spezialgebiet ist oder wird, erklärt er, ich bin ja erst ganz kurz dabei der Bereich Grubber und Kurzscheibeneggen. Damit ist er in seinem Team allein für diese Produktgruppe verantwortlich. Insgesamt sind wir zu viert im Team, sagt er und bringt sein Tablett zum Geschirrwagen. Mein Chef Peter Baumgärtner, ein Kollege und eine Kollegin. Jeder hat seinen Spezialbereich: Pflüge, Drillmaschinen, Pflanzenschutz … Meiner ist eben Grubber und Scheibeneggen.

Ortswechsel

Für diesen Job ist Lukas weit von zu Hause weggezogen. Rund 500 km liegen zwischen seinem Elternhaus und seiner Wohnung, die er sich zwischen den Weihnachtstagen kurz vor seinem ersten Arbeitstag organisiert hat. Das macht mir aber nichts aus, beteuert er, verlässt die Kantine und geht an der geschwungenen Wand des großen Konferenzraums vorbei Richtung Vorführhalle. Ich bin ja bereits für das Studium weggezogen, und nun eben noch etwas weiter. Das war mir auch von Anfang an klar, denn bei uns oben im Norden gibt es nun einmal keine Landtechnikindustrie. Für den richtigen Job kann man das schon machen. Die Chancen, dass er lange hier am Niederrhein bleiben wird, stehen gut: Lemken ist, nach eigenen Aussagen, ein Unternehmen mit einer hohen Mitarbeitertreue. Viele Angestellte sind seit 20 Jahren oder länger hier am Standort beschäftigt. Teilweise arbeiten hier mehrere Generationen einer Familie. Und auch das, findet Lukas, ist es, was ein Familienunternehmen ausmacht: ein gutes Miteinander und ein gutes Zugehörigkeitsgefühl.

Schritt für Schritt

Dass er seine zukünftigen Kollegen aus seiner Tätigkeit als Vorführfahrer bereits kannte, hat ihm geholfen. Ich wusste ja bereits, dass Herr Baumgärtner mein Chef wird; mit ihm hatte ich während meiner Bachelor- und Vorführfahrerzeit schon oft zusammengearbeitet. Auch aus anderen Bereichen lernte er damals viele Kollegen kennen. Es ist gut, zumindest die Gesichter zu kennen, auch wenn man sich natürlich in so kurzer Zeit nicht alle Namen merken kann.

Zu denen, die er sich direkt gemerkt hat, gehört natürlich auch Nicola Lemken, die Tochter des Firmenseniors, die ihm im Flur gerade entgegenkommt. Sie ist vor einigen Jahren in die Firmenleitung eingestiegen. Dabei hatte sie ursprünglich in einem ganz anderen Bereich gearbeitet, als Betriebswirtschaftlerin bei Bayer. Nach ein paar Jahren aber hat sie sich in Abstimmung mit dem Vater für das Familienunternehmen entschieden. Ihren Einstieg hat sie akribisch vorbereitet, sich durch Tätigkeiten auf landwirtschaftlichen Betrieben und bei anderen Landtechnikfirmen fit gemacht für die Branche. Das finde ich gut, erklärt Lukas, während er den Vorführraum betritt. Praxiskenntnisse sind einfach wichtig, wenn man in einem Landtechnikunternehmen arbeiten möchte.

Endlich raus auf den Acker

Im Vorführraum ist alles blau. Natürlich, das ist hier schließlich Lemken. Vor einer kleinen Tribüne sind mehrere Anbaugeräte der Firma ausgestellt. Lukas geht zu einer Säkombination hinüber und lehnt sich entspannt an. Hier in diesem Raum bin ich auch tätig. Aber meist finden die Schulungen natürlich draußen statt, wo wir die Maschinen im Feldeinsatz zeigen können.

Jetzt, in der kalten Jahreszeit, sind er und sein Team noch viel im Büro anzutreffen. Die Jahresplanung steht an: Wer reist wann wohin, wo ist welche Schulung zu organisieren, sind die Unterlagen auf dem neuesten Stand? Aber ab dem Frühling geht es dann raus in die Praxis. Darauf freue ich mich sehr, lacht Lukas. Es ist schön und gut, hier in Alpen am Computer zu sitzen und zu planen. Aber ich kann es kaum erwarten, rauszugehen und richtig loszulegen. Was ihm besonders an seinem Job gefällt, ist die gute Mischung: Die richtige Balance zwischen Büro und Acker. Wir müssen organisieren und gut strukturiert sein. Trotzdem müssen wir auch den Overall anziehen und richtig anpacken.

In der ganzen Welt unterwegs

Von Kanada bis Chile, von Norwegen bis Südafrika ist sein Team unterwegs, um überall auf der ganzen Welt die Service- und Vertriebsteams auf den neuesten Stand zu bringen. Dabei bringt Lukas nicht nur seine eigenen Kenntnisse an den Mann, sondern holt auch viele Ideen von den Schulungen mit nach Alpen. Während des Feldeinsatzes kommen immer wieder Anregungen und Verbesserungsvorschläge von den Leuten. Wir nehmen von jedem Termin einen Zettel mit Wünschen für die Konstruktion mit, den wir an die Kollegen weitergeben. So bleiben wir in engem Kontakt mit den Praktikern.

Er blickt auf die blau lackierten Lemken-Maschinen in der Vorführhalle. Er kann es kaum erwarten, dass es losgeht draußen auf dem Acker. Denn Landtechnik, das ist für ihn vor allem eins: Ärmel hochkrempeln und loslegen. Er freut sich auf seine erste Saison.

Julia Davids – Redaktion dlz karriere

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