Dual studieren

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Die Vorteile eines dualen Studiums liegen auf der Hand: Die Studierenden erhalten monatlich ein festes Einkommen nicht nur während ihrer Zeit im Ausbildungsbetrieb. Gleichzeitig erwerben sie im Betrieb intensive Einblicke in die Praxis. Der Nachteil ist, dass den dual Studierenden weniger Freizeit bleibt als ihren Kommilitonen, die einen rein hochschulbasierten Studiengang belegen. Anstelle von langen Semesterferien haben dual Studierende nur 24 bis 30 Urlaubstage im Jahr.

Je nach Bundesland und Anbieter gibt es unterschiedliche Modelle eines dualen Studiums. In der Agrarwirtschaft ist das ausbildungsintegrierte Studium am gebräuchlichsten: Die Teilnehmer erwerben nicht nur einen Studienabschluss (meist einen Bachelor of Science), sondern gleichzeitig auch einen anerkannten Ausbildungsabschluss (zum Beispiel als Landwirt/in oder Winzer/in). Studieninteressierte werden erst dann für das Studium zugelassen, wenn sie einen abgeschlossenen Ausbildungsvertrag mit einem Unternehmen vorweisen können. Oftmals unterstützen die Hochschulen auch bei der Kontaktanbahnung mit einem Ausbildungsbetrieb, indem sie Adressen von Unternehmen an Studieninteressierte weitergeben.

Ein anderes Modell, das unter anderem an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf im Bereich Agrartechnik angeboten wird, ist das praxisintegrierte Studium. Hier studieren die Teilnehmer an einer Hochschule oder Berufsakademie und arbeiten in den Praxisphasen in einem Unternehmen. Im Gegensatz zum ausbildungsintegrierten Studium erhalten die Studierenden nur einen Abschluss: den Hochschulabschluss. Auch bei diesem Modell gilt, dass zunächst ein Vertrag mit einem Unternehmen vorliegen muss, um die Immatrikulation für das Studium zu erhalten. Meist handelt es sich um einen Arbeits- oder einen Praktikumsvertrag.
Andere Modelle von dualen Studiengängen richten sich an bereits Berufstätige, die sich weiterbilden wollen. Berufsbegleitende weiterbildende Studiengänge werden häufig im Fernstudium angeboten.

Duales Bachelor-Studium

Ein duales Bachelor-Studium geht meist über drei bis viereinhalb Jahre. Die Aufteilung von Theorie- und Praxisphasen ist je nach Hochschule unterschiedlich geregelt. In Weihenstephan beispielsweise, wo der Bachelor-Studiengang seit 2011 auch im dualen System angeboten wird, dauert das Studium zusammen mit der Berufsausbildung als Landwirt/in viereinhalb Jahre. Vor dem ersten Semester gehen die Teilnehmer zunächst 15 Monate in die betriebliche Ausbildung inklusive drei Wochen Berufsschulbesuch. Weitere Berufsschulphasen und Praxiszeiten im Ausbildungsbetrieb leisten sie während der ersten vier Studiensemester ab. Nach der beruflichen Abschlussprüfung folgen die drei finalen Studiensemester. Unter anderem bieten folgende Hochschulen ein duales Studium der Agrarwirtschaft oder verwandter Bereiche an:

Fachhochschule Bingen:  Agrarwirtschaft ausbildungsintegriert: B.Sc., Ausbildung als Landwirt/in

Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Standorte Weihenstephan und Triesdorf:

Landwirtschaft ausbildungsintegriert: B.Sc., Ausbildung als Landwirt/in

Wirtschaftsingenieurwesen Agrarmarketing und Management B. Sc., Ausbildung vor- oder nachgelagerter Bereich der Landwirtschaft

Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Standort Weihenstephan: Gartenbau  ausbildungsintegriert: B.Sc., Ausbildung als Gärtner/in

Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Standort Weihenstephan: Brau- und Getränketechnologie ausbildungsintegriert: B.Sc., Ausbildung als Brauer/in und Mälzer/in

Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Standort Triesdorf:  Agrartechnik praxisintegriert: B.Eng.

Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Standort Triesdorf:  Ernährung und Versorgungsmanagement praxisintegriert: B.Sc.

Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen: Agrarwirtschaft ausbildungsintegriert: B.Sc., Ausbildung als Landwirt/in

Hochschule Ludwigshafen am Rhein: Weinbau und Oenologie ausbildungsintegriert: B.Sc., Ausbildung als Winzer/in

Hochschule Neubrandenburg:  Agrarwirtschaft  ausbildungsintegriert: B.Sc., Ausbildung als Landwirt/in

Hochschule Geisenheim: Weinbau und Oenologie ausbildungsintegriert: B.Sc., Ausbildung als Winzer/in

Universität Kassel: Ökologische Landwirtschaft ausbildungsintegriert: B.Sc., Ausbildung als Landwirt/in

Berufakademie Sachsen: Agrarmanagement praxisintegiert: B.Sc.

Duales Master-Studium

Nach einem dualen Studium mit Bachelor-Abschluss können die Absolventen ein reguläres Masterstudium an einer Hochschule aufnehmen. Für Absolventen einer Berufsakademie wird an manchen Hochschulen eine zusätzliche Aufnahmeprüfung verlangt, bevor sie für das Master-Studium zugelassen werden.

An einigen Hochschulen wird auch ein konsekutives duales Master-Studium angeboten. Dieses richtet sich an Bachelor-Absolventen unabhängig davon, ob sie zuvor ein normales oder duales Erststudium abgeschlossen haben. Es dauert eineinhalb bis zwei Jahre in Vollzeit oder drei Jahre in Teilzeit und ist als Studium mit vertiefter Praxis (praxisintegriert) konzipiert. Mindestens die Hälfte der Regelstudienzeit verbringen die Studierenden im Unternehmen.
Eine andere Möglichkeit gibt es für Absolventen, die nach dem Bachelor zunächst in den Beruf gestartet sind. Sie können ein nicht-konsekutives, weiterbildendes duales Master-Studium aufnehmen, zum Beispiel an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW). Deren Master-Studienangebot wird seit 2014 am Center for Advanced Studies (CAS) in Heilbronn koordiniert und wird in den drei Bereichen Wirtschaft, Technik und Sozialwesen angeboten. Die Regelstudienzeit beträgt vier Semester, während dieser Zeit wechseln sich Selbstlernphasen mit Präsenzzeiten in Lehrveranstaltungen ab. Das duale Master-Studium ist berufsbegleitend und gleichzeitig berufsintegrierend, das heißt, es besteht eine direkte Verknüpfung zwischen Studieninhalten und Berufstätigkeit. Ein Großteil des Studiums gilt den Projekten des Arbeitgebers.

Duale Master-Studiengänge mit Agrarbezug sind in Deutschland derzeit keine bekannt. Interessant für die Weiterentwicklung nach einem Bachelor-Studium mit ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt könnte beispielsweise der Master-Abschluss in Umwelttechnologie sein. Für Absolventen eines Agrar-Studiengangs, die zum Beispiel in die Geschäftsleitung eines mittelständischen Betriebs aufsteigen wollen, bietet sich ein Master in Business Management an. Er vermittelt Management-Know-how vermittelt und legt zugleich Wert auf branchenspezifisches Fachwissen. Ein kleiner Überblick über Hochschulen, die duale Master-Studiengänge anbieten:

Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden:

M.Eng konsekutiv: Umwelttechnologie

Duale Hochschule Baden-Württemberg:

Master of Arts praxisintegriert: Business Management

Beschäftigungsmöglichkeiten

Die Arbeitsmarktchancen der Absolventen sind wegen ihrer hohen Praxisorientierung hervorragend das gilt sowohl für die Teilnehmer an einem ausbildungsintegrierten wie auch an einem praxisorientierten Bachelor-Studium. Außerdem haben die Absolventen im Laufe ihres Studiums durch die Doppelbelastung von Studium und Praxiseinsatz ein hohes Maß an Durchhaltevermögen bewiesen das wird von vielen Arbeitgebern geschätzt. In einigen Studiengängen übersteigt die Zahl der Partnerunternehmen weitaus die Anzahl der Studienbewerber. Auch das garantiert den begehrten Absolventen einen erfolgreichen Start in den Beruf, denn häufig bleiben sie gleich bei ihrem Ausbildungsunternehmen beschäftigt und erhalten dort zahlreiche Weiterentwicklungsmöglichkeiten.

Je nach Studienrichtung werden die Absolventen eines dualen Studiums in der Betriebsleitung eines landwirtschaftlichen Betriebs oder eines Winzerbetriebs tätig. Aber auch im kaufmännischen Sektor und im Handel sind sie gefragt insbesondere diejenigen mit der betriebswirtschaftlichen Studienrichtung Branchenhandel Agrar. Zahlreiche Teilnehmer eines dualen Bachelor-Studiums mit Agrarbezug arbeiten später auch im Produktmanagement in der vor- oder nachgelagerten Industrie.

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