Interdisziplinär studieren

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Als interdisziplinäre agrarwissenschaftliche Studiengänge werden solche angesehen, die abgesehen von naturwissenschaftlichen, technischen, wirtschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Inhalten, die im Agrarstudium integriert sind, ein weiteres Themengebiet schwerpunktmäßig behandeln. Das kann bereits im Bachelor-Studium der Fall sein, ist aber weitaus häufiger im Master-Studium anzutreffen. Während die meisten Bachelor-Studiengänge zunächst die inhaltlichen Grundlagen vermitteln, zeichnet sich bei den Master-Studiengängen ein immer stärkerer Trend zur Spezialisierung ab. In Folge dieser Entwicklung werden immer mehr interdisziplinär ausgerichtete Studiengänge angeboten, die sich an der Schnittstelle mehrerer Forschungsfelder bewegen.

Ein typischer interdisziplinärer Agrar-Studiengang bewegt sich zum Beispiel an der Schnittstelle von Landwirtschaft und Lebensmitteltechnologie. Die Studierenden befassen sich sowohl mit der Nahrungsmittelproduktion als auch mit der -verarbeitung. Auch das Thema Umweltsicherung wird häufig in Kombination mit agrarwissenschaftlichen Inhalten angeboten.

Sehr interessant für diejenigen Personen, die eine spätere Führungsposition in einem großen landwirtschaftlichen Betrieb oder eine Leitungsfunktion in einem Unternehmen der vor- und nachgelagerten Industrie anvisieren, ist die Kombination mit wirtschaftswissenschaftlichen Studieninhalten. Zwar vermitteln die meisten Agrar-Studiengänge Know-how in Betriebs- und Mitarbeiterführung, aber die auf Ökonomie spezialisierten Studiengänge beschäftigen sich gezielt mit betriebswirtschaftlichen Entscheidungsverfahren und der Bewertung agrarwirtschaftlicher Maßnahmen. Auch Beratungs- und Kommunikationskompetenzen werden in diesen Studiengängen verstärkt vermittelt.

Einen Spezialfall bei der Kombination von Wirtschafts- und Agrarthemen stellen die Studiengänge „Branchenhandel Holz“ und „Branchenhandel Agrar“ an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg dar. Hier erwerben die Teilnehmer gezieltes Handels-Know-how, kombiniert mit Fachwissen aus der Forst- beziehungsweise Agrarwirtschaft. Beide Studiengänge sind dual aufgebaut und an der wirtschaftlichen Fakultät angesiedelt. In eine ähnliche Richtung geht beispielsweise auch der Bachelor-Studiengang „Logistik und Management Frischeprodukte“ an der Hochschule Geisenheim, der Experten ausbildet, die sich mit den Besonderheiten von Frischeprodukten auskennen und gleichzeitig innovative Transportwege oder Lagertechniken entwickeln. Das Studium beinhaltet die drei Themengebiete Produktion, Management und Logistik.

Weitere interdisziplinäre Studiengänge sind an der Grenze zu den Ingenieurwissenschaften angesiedelt. Sie vermitteln zum Beispiel Inhalte der klassischen Produktionstechnik und befähigen in erster Linie für eine Expertenlaufbahn in der vor- und nachgelagerten Industrie sowie im Landmaschinen- und Maschinenbau. Diese Studiengänge schließen normalerweise mit einem Bachelor oder Master of Engineering ab und bescheren ihren Absolventen gute Berufsaussichten. Sehr gefragt sind auch diejenigen Studierenden, die sich im Studium mit den Themen nachwachsende Rohstoffe und Bioenergie beschäftigen. Sie befassen sich mit pflanzenbaulichen, technischen und ökonomischen Themen sowie mit Produktionsverfahren und Technologien zur Energiebereitstellung sowie mit gesellschaftlichen Fragestellungen.

Bachelor-Studium

Interdisziplinäre Bachelor-Studiengänge befassen sich unter anderem mit wirtschaftlichen oder energetischen Fragestellungen zusätzlich zur Agrarthematik.
Hier ein Überblick:

Hochschule Geisenheim:
B.Sc. Internationale Weinwirtschaft

B.Sc. Logistik und Management Frischeprodukte

Universität Hohenheim:
B.Sc. Nachwachsende Rohstoffe und Bioenergie

Hochschule Weihenstephan-Triesdorf:
B.Sc. Management erneuerbarer Energien

B.En. Wirtschaftsingenieurwesen Agrarmarketing und Management
B.Sc. Ernährung und Versorgungsmanagement

Duale Hochschule Baden-Württemberg:
B.A. Branchenhandel Holz (Dual)

B.A. Branchenhandel Agrar (Dual)

Hochschule Osnabrück:
B.Eng. Wirtschaftsingenieurwesen im Agri- und Hortibusiness

Universität Halle-Wittenberg:
B.Sc. Management natürlicher Ressourcen

Master-Studium

Da die interdisziplinären Studiengänge verschiedene Forschungsfelder integrieren, sind die formalen Voraussetzungen für das Master-Studium je nach Studiengang ganz unterschiedlich. Wer sich zum Beispiel für den Master-Studiengang Nachwachsende Rohstoffe und Bioenergie“ an der Universität Hohenheim bewerben will, kann sowohl über einen Bachelor-Abschluss in Agrarwissenschaften als auch in Bioenergie, erneuerbare Energien, nachwachsende Rohstoffe oder weiteren Fächern verfügen.
Hier finden Sie eine Auswahl an Hochschulen, die interdisziplinäre Master-Studiengänge anbieten:
Universität Hohenheim:
M.Sc. Nachwachsende Rohstoffe und Bioenergie

Universität Gießen:
M.Sc. Agrar- und Ressourcenökonomie

Hochschule Anhalt:
M.Sc. Food and Agribusiness
MBA Agrarmanagement (Fernstudium)

Hochschule Weihenstephan-Triesdorf:
M.Sc. Business Management & Entrepreneurship Renewable Energy

Technische Universität München
M. Sc. Sustainable Ressource Management

Universität Göttingen:
M.A. Development Economics

Fachhochschule Köln:
M.Sc. Natural Resources Management and Development

Universität Kassel/Hochschule Fulda:
M.Sc. International Food Business and Consumer Studies

Humboldt-Universität Berlin:
M.Sc. Integrated Natural Resource Management

Hochschule Osnabrück:
M.Eng. Management im Landschaftsbau

M.Sc. Nachhaltige Dienstleistungs- und Ernährungswirtschaft

Universität Halle-Wittenberg:
M.Sc. Management natürlicher Ressourcen

Universität Bonn:
M.Sc. Agricultural and Food Economics

Beschäftigungsmöglichkeiten

Es ist ratsam, schon vor dem Studienbeginn einen Blick auf den Stellenmarkt zu werfen: Wie gefragt ist die spezielle Fächerkombination von Wirtschafts-, Umwelt-, Technik- oder anderen Themen mit Agrarwissen? Ganz allgemein gilt jedoch: Wer fundiertes Agrarwissen sowie zusätzliches Fach-Know-how mitbringt und wer auch im Studium immer die Augen nach möglichen Einsatzfeldern offenhält, wird später keine Probleme haben, eine passende Beschäftigung zu finden. Ganz im Gegenteil: Zahlreiche große Unternehmen und Forschungseinrichtungen suchen händeringend nach Experten, die zusätzlich zum Agrarwissen auch Management- und Wirtschaftswissen mitbringen.

Das gilt auch für die beiden dualen Bachelor-Studiengänge „Branchenhandel Holz“ und „Branchenhandel Agrar“ an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg: Die Übernahmequote durch die Unternehmen beträgt nahezu 90 Prozent. Darüber hinaus zählt die Hochschule deutlich mehr Anfragen von Unternehmen, die dual Studierende suchen, als Studienplatzinteressenten. Der Bedarf der Unternehmen an Experten, die sich mit Themen von Agrartechnik und Agrarlogistik bis zum Supply-Chain-Management auskennen, übersteigt das Bewerberangebot bei weitem.

Auch wer einen stark spezialisierten Master-Studiengang absolviert hat zum Beispiel „Development Economics“ an der Universität Göttingen, der sich gezielt mit Wirtschaftsentwicklung und Agrarökonomik beschäftigt, hat sehr gute Berufsperspektiven in einem weiten Einsatzgebiet: Nicht nur Regierungs- und Entwicklungsorganisationen zählen zu den Arbeitgebern, teilt die Universität Göttingen mit. Auch internationale Organisationen wie die Weltbank und zum UN-System gehörende Einrichtungen, Forschungs- und Umfrageinstitute, Think Tanks und multinationale Unternehmen beschäftigen Absolventen dieses Master-Studiengangs.

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Daniela Furkel
Chefreporterin

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