Mehr als nur 14 Grüne Berufe

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Zusammenfassung 

Zahl der Azubis in Grünen Berufen sinkt

32.493 Auszubildende zählte das Statistische Bundesamt im Jahr 2018 in den Grünen Berufen. Damit sank die Zahl der besetzten Ausbildungsplätze in den Grünen Berufen wie Landwirt/in, Fachkraft Agrarservice, Hauswirtschafter/in, Tierwirt/in, Milchtechnologe/in und anderen leicht gegenüber dem Vorjahr, erklärte der Deutsche Bauernverband (DBV). 2017 waren es noch 32.898 junge Menschen gewesen.

Jährlich nimmt die Anzahl der Auszubildenden in der Grünen Branche ab. So erlernten 2010 noch 38.460 junge Menschen einen Grünen Beruf. Die Gründe für den Rückgang sind bekannt: Durch den demografischen Wandel sinkt die Zahl der Schulabgänger. Außerdem schauen die angehenden Azubis, die zwischen vielen freien Stellen in allen Branchen wählen können, genauer hin, in welchem Betrieb und bei welchem Arbeitgeber sie sich bewerben wollen.


Bei der Entscheidung für einen Ausbildungsbetrieb spielen die Attraktivität der Ausbildung, eine gute Vergütung, gute Arbeits- und Urlaubskonditionen, die Ausbildungsqualität in der Praxis sowie Beschäftigungsperspektiven nach Abschluss der Lehre eine immer größer Rolle, so Franziska Schmieg vom DBV.


Die klassischen 14 Grünen Berufe

Das sind die klassischen 14 Grünen Berufe laut dem Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung:

  • Brenner (m/w/d): Als Brenner bist Du vom Einkauf der Rohstoffe, über den Gärungsprozess bis zur Vermarktung der Spirituosen mit dabei. Dabei stellst Du aus stärke- und zuckerhaltigen Rohstoffen Rohspiritus oder Trinkbranntweine her.
  • Fachkraft Agrarservice (m/w/d)Landtechnik, Pflanzenbau, Kundenberatung die Arbeit bei einem Lohnunternehmen ist vielseitig. Die Ausbildung zur Fachkraft Agrarservice zielt genau darauf ab.
  • Fischwirt (m/w/d): Als Fischwirt oder Fischwirtin lernst Du während der dreijährigen Ausbildung alles rund um die Fischerei, die Fischzucht und alles Wichtige zu aquatischen Nutztieren vom Ei bis zum verzehrfertigen Produkt.
  • Forstwirt (m/w/d): Die heutigen Forstwirte wurden bis 1974 noch „Waldarbeiter“ genannt. Obwohl Forstmaschinen oft die Handarbeit ersetzen, ist dieser Beruf körperlich anstrengend und nicht ungefährlich.


  • Gärtner (m/w/d): Dieser Beruf hat weit mehr zu bieten als nur in der Erde zu wühlen. Natürlich stehen Pflanzen im Mittelpunkt des Berufsbildes. Um Pflanzen drehen sich alle Aufgaben eines Gärtners.
  • Hauswirtschafterin (m/w/d): Du interessierst Dich für Haushalt und Garten? Zudem bist Du ein Organisationstalent? Dann könnte Hauswirtschafterin der Beruf für Dich sein.
  • Landwirt (m/w/d): Ohne die Landwirte gäbe es nichts zum Essen auf dem Tisch. Nicht umsonst gehört die Landwirtschaft zum primären Wirtschaftssektor, sie ist systemrelevant. Die grundlegende Aufgabe des Landwirts ist sowohl die Versorgung der Verbraucherinnen und Verbraucher mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln als auch die Erzeugung nachwachsender Rohstoffe.
  • Pflanzentechnologe (m/w/d): Als Pflanzentechnologe arbeitest Du an der Entwicklung und Zucht neuer Energie-, Nahrungs- oder Zierpflanzen mit. Die Kernaufgabe eines Pflanzentechnologen ist, die Pflanzenzucht zu verbessern.
  • Milchtechnologe (m/w/d): Als Milchtechnologe arbeitest du meist in Produktions- und Abfüllhallen von Molkereien. Das Labor gehört aber auch zu deinen Arbeitsplätzen. Damit die Herstellung von Milchprodukten reibungslos funktioniert, bist du dafür verantwortlich, dass die Maschinen korrekt laufen und Störungen schnellst möglich behoben werden.
  • Milchwirtschaftlicher Laborant (m/w/d): Als Milchwirtschaftlicher Laborant prüfst du, ob die hergestellten Lebensmittel den Vorschriften und Gesetzten entsprechen. Dazu nimmst du bei allen Produktionsschritten, also von der Rohmilch bis zu der Verpackung, entsprechende Proben. Alles wird von dir überprüft und untersucht.
  • Pferdewirtin (m/w/d): Für die Arbeit mit Pferden solltest Du körperlich fit und sportlich sein. Ebenso brauchst Du Leidenschaft für Pferde und ein hohes Maß an Zuverlässigkeit. Nicht selten benötigen Pferde auch eine Betreuung außerhalb der geregelten Arbeitszeiten, beispielsweise im Krankheitsfall.
  • Revierjäger (m/w/d): Hast Du Interesse an der Jagd und der Natur? Als Berufsjäger oder Revierjäger könntest Du den Wald zu Deinem Arbeitsplatz machen.


  • Tierwirt (m/w/d): Du wolltest schon immer mit Tieren zusammenarbeiten? Du brauchst etwas, wo du richtig anpacken kannst? Dann ist der Beruf des Tierwirts bestimmt die richtige Wahl für dich.
  • Winzer (m/w/d)Wein gehört zu den beliebtesten Genussmitteln weltweit. Winzer sind Experten für die Weinherstellung. Als Winzer bist du vom Anbau der Weinstöcke, über die Weinlese und das Keltern bis zur Vermarktung immer mit dabei.
  • Mehr Informationen: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Offene Stellen in Grünen Berufen

Bundesweit gibt es noch eine Vielzahl unbesetzter Ausbildungsplätze in den insgesamt 14 Grünen Lehrberufen, vor allem in der Land- und Tierwirtschaft sowie im Gartenbau. Die Arbeitsagentur registrierte Ende 2013 noch 586 offene Lehrstellen. Doch da die Betriebe ihre freien Ausbildungsstellen nicht melden müssen, liegt die Zahl weitaus höher.

Allein in Nordrhein-Westfalen spricht die Landwirtschaftskammer von 408 freien Ausbildungsplätzen. Mit einer Nachwuchslücke von etwa 1.000 Arbeitskräften in der Landwirtschaft rechnet das Land Sachsen-Anhalt auf Grund von Untersuchungen des Zentrums für Sozialforschung Halle. Bundesweit sind nach internen Schätzungen des DBV mindestens 3.000 Ausbildungsplätze in der Agrarbranche unbesetzt, so Franziska Schmieg.


Vielfalt im Agribusiness

Schaut man über den Tellerrand der Grünen Berufe, dürfte die Zahl der offenen Ausbildungsplätze höher liegen. Denn die Agrarwirtschaft umfasst weitaus mehr.

Zu den vorgelagerten Bereichen gehören beispielweise die Landtechnikherstellung und der -handel, die Pflanzen- und Tierzucht, die Produktion von Saatgut, Dünge- sowie Futtermittel, und ebenso der Großhandel mit diesen Grundstoffen. Es gibt eine Vielzahl von Ausbildungsberufen in diesem Sektor wie Industriemechaniker/in, Pflanzentechnologe/in, agrarwirtschaftlich-technische/n Assistenten/in, Biologielaborant/in, Verfahrenstechnologe/in in der Futtermittelwirtschaft, Elektroniker/in, Industriekaufleute und viele weitere.


Auch der Getreide- und Viehhandel sowie der Obst- und Gemüsegroßhandel sind im nachgelagerten Bereich angesiedelt: Sie bieten beispielsweise Ausbildungsstellen für Kaufleute in der Spedition und Logistik oder für die Fachkraft für Lagerlogistik und Kaufleute für Groß- und Außenhandel. Der nachgelagerte Bereich der Landwirtschaft konzentriert sich auf die Verarbeitung der landwirtschaftlichen Rohprodukte beispielsweise in Getreide- und Mahlmühlen, Molkereien und Zuckerfabriken.

Die Weiterverarbeitung der erzeugten Agrarprodukte für die Ernährung erfolgt mit physikalischen, chemischen und biologischen Verfahren. Die Palette der Ausbildungsberufe ist groß: von der Fachkraft für Lebensmitteltechnik und Fachkraft für Fruchtsafttechnik bis zum Brauer/in, Mälzer/in oder Müller/in. Auch im gewerblich-technischen Bereich bildet die Branche aus wie zum Mechatroniker oder Elektriker. Allein die produzierende Lebensmittelindustrie beschäftigt rund 520.000 Fachkräfte.

Genaue Angaben, wie viele Lehrstellen unbesetzt sind, existieren zwar nicht. Aber ein Blick auf Websites der Landmaschinenhersteller oder Betriebe der Lebensmittelindustrie zeigt: Sowohl in gewerblich-technischen und kaufmännischen Berufen werden im Agrarbusiness permanent Azubis gesucht. Viele Schulabgänger haben diese spannenden Berufe nicht im Blick.

Eine sehr gute Übersicht der Ausbildungsberufe in der Grünen Branche bietet der DBV. Auf der Homepage www.krassgrün.de findet ihr unter anderem spannende Erfahrungsberichte, in denen junge Fachkräfte von ihren eigenen Eindrücken in Videos berichten. Außerdem werden alle 14 Grüne Berufe übersichtlich erläutert.

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Autor: Christiane Siemann
Bildquellen: Adobestock

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