Mehr als nur 14 Grüne Berufe

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35.102 Auszubildende zählte das Statistische Bundesamt im Jahr 2013 in den Grünen Berufen. Damit entwickelte sich die Zahl der besetzten Ausbildungsplätze in den Grünen Berufen wie Landwirt/in, Fachkraft Agrarservice, Hauswirtschafter/in, Tierwirt/in, Milchtechnologe/in und anderen insgesamt stabil, erklärt der Deutsche Bauernverband (DBV). Das bedeutet: Sie sinkt nicht so dramatisch, wie man befürchten könnte. Denn jährlich nimmt die Anzahl der Auszubildenden in der Grünen Branche ab. So erlernten 2010 noch 38.460 junge Menschen einen Grünen Beruf. Die Gründe für den Rückgang sind bekannt: Durch den demografischen Wandel sinkt die Zahl der Schulabgänger. Außerdem schauen die angehenden Azubis, die zwischen vielen freien Stellen in allen Branchen wählen können, genauer hin, in welchem Betrieb und bei welchem Arbeitgeber sie sich bewerben wollen. Bei der Entscheidung für einen Ausbildungsbetrieb spielen die Attraktivität der Ausbildung, eine gute Vergütung, gute Arbeits- und Urlaubskonditionen, die Ausbildungsqualität in der Praxis sowie Beschäftigungsperspektiven nach Abschluss der Lehre eine immer größer Rolle, so Franziska Schmieg vom DBV.

Offene Stellen

Bundesweit gibt es noch eine Vielzahl unbesetzter Ausbildungsplätze in den insgesamt 14 Grünen Lehrberufen, vor allem in der Land- und Tierwirtschaft sowie im Gartenbau. Die Arbeitsagentur registrierte Ende 2013 noch 586 offene Lehrstellen. Doch da die Betriebe ihre freien Ausbildungsstellen nicht melden müssen, liegt die Zahl weitaus höher. Allein in Nordrhein-Westfalen spricht die Landwirtschaftskammer von 408 freien Ausbildungsplätzen. Mit einer Nachwuchslücke von etwa 1.000 Arbeitskräften in der Landwirtschaft rechnet das Land Sachsen-Anhalt auf Grund von Untersuchungen des Zentrums für Sozialforschung Halle. Bundesweit sind nach internen Schätzungen des DBV mindestens 3.000 Ausbildungsplätze in der Agrarbranche unbesetzt, so Franziska Schmieg.

Vielfalt im Agribusiness

Schaut man über den Tellerrand der Grünen Berufe, dürfte die Zahl der offenen Ausbildungsplätze höher liegen. Denn die Agrarwirtschaft umfasst weitaus mehr.

Zu den vorgelagerten Bereichen gehören beispielweise die Landtechnikherstellung und der -handel, die Pflanzen- und Tierzucht, die Produktion von Saatgut, Dünge- sowie Futtermittel, und ebenso der Großhandel mit diesen Grundstoffen. Es gibt eine Vielzahl von Ausbildungsberufen in diesem Sektor wie Industriemechaniker/in, Pflanzentechnologe/in, agrarwirtschaftlich-technische/n Assistenten/in, Biologielaborant/in, Verfahrenstechnologe/in in der Futtermittelwirtschaft, Elektroniker/in, Industriekaufleute und viele weitere.

 

 

 

 

Der nachgelagerte Bereich der Landwirtschaft konzentriert sich auf die Verarbeitung der landwirtschaftlichen Rohprodukte beispielsweise in Getreide- und Mahlmühlen, Molkereien und Zuckerfabriken. Die Weiterverarbeitung der erzeugten Agrarprodukte für die Ernährung erfolgt mit physikalischen, chemischen und biologischen Verfahren. Die Palette der Ausbildungsberufe ist groß: von der Fachkraft für Lebensmitteltechnik und Fachkraft für Fruchtsafttechnik bis zum Brauer/in, Mälzer/in oder Müller/in. Auch im gewerblich-technischen Bereich bildet die Branche aus wie zum Mechatroniker oder Elektriker. Allein die produzierende Lebensmittelindustrie beschäftigt rund 520.000 Fachkräfte.

Auch der Getreide- und Viehhandel sowie der Obst- und Gemüsegroßhandel sind im nachgelagerten Bereich angesiedelt: Sie bieten beispielsweise Ausbildungsstellen für Kaufleute im Bereich Spedition und Logistik oder für die Fachkraft für Lagerlogistik und Kaufleute für Groß- und Außenhandel.

Genaue Angaben, wie viele Lehrstellen unbesetzt sind, existieren zwar nicht. Aber ein Blick auf Websites der Landmaschinenhersteller oder Betriebe der Lebensmittelindustrie zeigt: Sowohl in gewerblich-technischen und kaufmännischen Berufen werden im Agrarbusiness permanent Azubis gesucht. Viele Schulabgänger haben diese spannenden Berufe nicht im Blick.

Eine sehr gute Übersicht der Ausbildungsberufe in der Grünen Branche bietet der DBV. Auf der Homepage www.meine-gruene-zukunft.de findet ihr unter anderem spannende Erfahrungsberichte, in denen junge Fachkräfte von ihren eigenen Eindrücken in Videos berichten. Außerdem werden alle 14 Grüne Berufe übersichtlich erläutert.

Mehr Informationen zu Ausbildungsberufen in der Agrarbranche finden Sie bei agrajo.

Christiane Siemann

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