Spaghetti, Cola, Salzstange: Vom Rohprodukt zum Lebensmittel

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Bevor die Nahrungsmittel als fertige Gerichte in der Vakuumverpackung, Konserve, Flasche oder Tüte auf dem Markt landen, müssen sie hergestellt werden. Mit ihren rund 550.000 Beschäftigten zählt die Ernährungsindustrie zu den größten Arbeitgebern Deutschlands. Mit annähernd 6.000 Unternehmen ist sie der viertgrößte deutsche Industriezweig. Selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gilt diese Industrie als sicherer Arbeitgeber für ihre Beschäftigten. In der Nahrungsmittelindustrie absolvieren aktuell rund 4.200 Azubis ihre Ausbildung (Quelle: Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss e.V, ANG). Die zahlreichen kleinen und großen Unternehmen der Branche bilden in vielen anspruchsvollen Berufen aus. In den ernährungstypischen Berufen zum Brauer/in, Mälzer/in, Brenner/in, Destillateur/in, Fachkraft für Lebensmitteltechnik, Fachkraft für Süßwarentechnik, Molkereifachfrau/-mann, Müller/in und Verfahrenstechnologe/in, Fleischer/in und Bäcker/in. In den kaufmännischen Berufen, zu denen Bürokaufleute, Industriekaufleute, Fachkraft für Lagerlogistik und Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistung zählen, sowie in den gewerblich-technischen Berufen zum Elektroniker/in, Industriemechaniker/in, Maschinen- und Anlagenführer/in und Mechatroniker/in.

Große Auswahl an Ausbildungsbetrieben

Wer in der Lebensmitteltechnik seine Ausbildung startet, arbeitet beispielsweise in Betrieben der Fisch-, Fleisch- oder Obst- und Gemüseverarbeitung, in industriellen Großbäckereien, Molkereibetrieben oder der Getränkeindustrie. Dabei sind die großen Namen der Branche wie Nestle, Unilever, Oetker und andere vielen Schulabgängern bekannt, doch auch etliche mittelständische und kleinere Unternehmen bilden aus. Es lohnt sich also zu recherchieren, ob in der Umgebung eine Ausbildungsstelle zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik angeboten wird.

Profil: Fachkraft für Lebensmittel

Grundsätzlich sind Auszubildende in der Lebensmitteltechnik vom Eingang des Rohprodukts bis zum fertigen Produkt in der Verpackung an allen Stationen der Verarbeitung beteiligt. Ob in der Verarbeitung von Getränken, Gemüse, Fleisch, Wurst, Milchprodukten oder bei der Herstellung von Margarine und anderen Nahrungsfetten sie geben nach festgelegten Rezepturen die Zutaten ein, überwachen die Verarbeitungsschritte und kontrollieren die Qualität der Zwischen- und Endprodukte, ob sie den Qualitätsanforderungen wie auch den gesetzlichen Richtlinien entsprechen.
In der Verarbeitung von Getränken bildet beispielsweise die größte ostdeutsche Brunnenmarke aus, die Lichtenauer Mineralquelle im sächsischen Lichtenau. 210 Mitarbeiter und 15 Lehrlinge stellen mehr als 60 alkoholfreie Getränkesorten her wie natürliche Mineralwasser, Schorlen, Limonaden, Wellnessgetränke, kalorienarme Fruchtsaftgetränke, Brausen und Bittergetränke. In drei Hochleistungsanlagen werden täglich die drei Marken die Hausmarke Lichtenauer, Margon und Vita Cola in etwa 140 verschiedene Produkte abgefüllt. Ausbildungsleiterin Sabine Beckert: Da die Getränke an automatisierten oder computergesteuerten Maschinen und Anlagen hergestellt werden, sollten die Bewerber technisches Interesse mitbringen. Denn sie müssen Störungen erkennen und eingreifen können.

Qualität der Lebensmittel prüfen

Die Azubis durchlaufen bei der Lichtenauer Mineralquelle verschiedene Abteilungen: von der Laborausbildung und Ansatzbereitung der verschiedenen Zutaten für die Getränke bis zur Abfüllung und Qualitätskontrolle, bei der beispielsweise das Mineralwasser auf den Kohlensäuregehalt sowie auf Mineralstoff-, Mangan und Eisengehalt kontrolliert wird.
Je nach Branche und Nahrungsmittel spielt bei der Qualitätskontrolle auch die sensorische Prüfung eine große Rolle. Ein guter Geruchs- und Geschmackssinn ist für die angehenden Fachkräfte für Lebensmitteltechnik wichtig, wenn sie mit Fleisch und Wurst zu tun haben,  sagt Peter Dornseifer, Geschäftsführer der Dornseifer Unternehmensgruppe. Der Betrieb mit mehr als 1.000 Mitarbeitern in vier Produktionsstätten und diversen Supermarktfilialen bildet derzeit 90 Azubis aus. Ob Currywurst, Steak oder Grillspezialitäten: Am Ende der Ausbildung begleitet und steuert die Fachkraft für Lebensmitteltechnik den Prozess von der Produktsicherheit und Herstellung bis zur Verpackung in Vakuum- oder Atmospackungen. Sie stellt die Lebensmittelqualität sicher, setzt Hygienevorschriften um, kontrolliert und bewertet die Produkte.

Ausbildungsgehalt

Voraussetzung für die Ausbildung zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik ist der Realschul- oder ein guter Hauptschulabschluss. Darüber hinaus sind die Erwartungen der Ausbildungsbetriebe unterschiedlich. So spielen bei der Lichtenauer Mineralquelle gute Schulnoten der Bewerber nicht unbedingt eine Rolle. Aber da die angehende Fachkräfte für Lebensmitteltechnik auch die Volumen- und Mischungsverhältnisse berechnen müssen, sollten sie einen Draht zur Mathematik haben, betont Sabine Beckert. Wer sicher gehen will, ob er alle erforderlichen Voraussetzungen für seinen Wunschbetrieb mitbringt, kann sich vorher telefonisch informieren.
Die Vergütung in der Ausbildung liegt je nach Lehrjahr und Unternehmen zwischen 500 und 860 Euro (Quelle: BIBB).

Christiane Siemann

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