Interview mit Lisa Essich, Gewinnerin des diesjährigen internationalen DLG-Preises

Die Masterstudentin Lisa Essich hat den diesjährigen, mit 4.000 Euro dotierten internationalen Förderpreis der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) erhalten. Im Interview hat sie uns erzählt, was sie an der Grünen Branche bewegt. Wir freuen uns sehr.


Zusammenfassung


Interview mit Lisa Essich

Lisa, du wurdest kürzlich mit dem Internationalen DLG Preis ausgezeichnet. Was bedeutet dir dieses Stipendium?

Mir bedeutet die Auszeichnung sehr viel. Ich bin der DLG sehr dankbar, dass sie meine bisherigen Leistungen damit nicht nur wertschätzt. Sie eröffnet mir damit auch ganz neue Möglichkeiten für meine fachliche Qualifikation.

Das ist unglaublich motivierend. Ich schätze außerdem die neuen Kontakte, die sich daraus ergeben sehr, etwa zu den anderen Preisträgerinnen und Preisträgern.      

Du hast gerade deine Masterarbeit abgegeben und damit endet dein Studium der Agrarwirtschaft. Was hat dir an dem Studium am meisten gefallen?

Die große Vielfalt. Jeder, der in der Landwirtschaft tätig ist, weiß, dass es nie langweilig wird. Es gibt so viele Fachgebiete, in denen man sich auskennen muss. Das zeigt sich auch im Studium, das so viele Disziplinen vereint und viele Möglichkeiten für interdisziplinäre Forschung bietet.

Das habe ich sehr genossen. Ich bin mit der Landwirtschaft aufgewachsen und naturwissenschaftliche Fächer haben mir in der Schule am meisten Spaß gemacht. Dadurch interessiere ich mich sehr für die Theorie hinter den landwirtschaftlichen Produktionsmethoden.

Preisträgerin Lisa Essich auf der Weide mit einer Kuhherde
Lisa möchte die Landwirtschaft für Außenstehende verständlicher machen.

Mein Studium an der Hochschule Neubrandenburg hat zusätzlich meine Begeisterung für Kommunikation und Marketing geweckt. Die Landwirtschaft ist so komplex und die Zusammenhänge für Außenstehende unmissverständlich zu kommunizieren ist eine große Herausforderung.

Davon können wahrscheinlich viele Landwirtinnen und Landwirte, die in der Öffentlichkeitsarbeit aktiv sind, ein Lied singen.

Ich finde es außerordentlich spannend und wichtig, sich mit dem Bild der Landwirtschaft in der nicht-landwirtschaftlichen Bevölkerung auseinanderzusetzen. Daher habe ich mich auch in meiner Bachelor- und Masterarbeit mit dieser Thematik befasst.

Was war denn das Thema deiner Masterarbeit?

Ich habe in meiner Masterarbeit untersucht, wie die Landwirtschaft in Schulbüchern dargestellt wird und wie das Thema Landwirtschaft im Schulunterricht umgesetzt wird.

Preisträgerin Lisa Essich bei der Arbeit in der Landwirtschaft
Lisa möchte das Fördergeld in weitere Fortbildungen investieren.

Was möchtest du mit dem Fördergeld machen? 

Erst im Studium ist mir bewusst geworden, wie viel im Agrarbereich geforscht wird. Die Agrarwissenschaften sind außerhalb der Hochschulen aber nur begrenzt sichtbar. Dabei bieten die Erkenntnisse sowohl für die Debatte um die zukünftige Ausgestaltung der Landwirtschaft als auch für die praktische Landwirtschaft selbst einen hohen Mehrwert.

Im vergangenen Jahr habe ich an einer Summer School zum Thema „Grüne Wissenschaften in der Öffentlichkeit teilgenommen“ teilgenommen. Sie hat sich unter anderem mit der geringen Sichtbarkeit der Agrarwissenschaften in den Medien beschäftigt.

Auf die Veranstaltung kam ich durch unseren Dekan und Professor für Unternehmensführung und Beratungsmethodik/Kommunikation, Prof. Rainer Langosch, der die Veranstaltung mitorganisiert hat.

In dieser Woche habe ich unglaublich viel über Kommunikation gelernt, was mein Interesse für dieses Gebiet nicht nur vertieft, sondern um den Bereich Wissenschaftskommunikation erweitert hat.

Mir war klar, dass ich mich auch über die Hochschule hinaus in dem Bereich fortbilden möchte.  Um diese Fortbildungen realisieren zu können, habe ich mich für den Internationalen DLG Preis beworben. Prof. Langosch war es auch, der mich für den Preis vorgeschlagen hat.

Bist du auch ehrenamtlich engagiert?

Ja, denn im Studium ist ehrenamtliches Engagement eine wunderbare Möglichkeit, etwas an der Hochschule zu bewirken. Während meines Bachelorstudiums habe ich zusammen mit KommilitonInnen im Rahmen des Jungen DLG – Teams Neubrandenburg Veranstaltungen und Exkursionen für landwirtschaftliche Nachwuchskräfte organisiert.

Außerdem habe ich mich in meinem Studium an der TH Bingen im Fachbereichsrat und dem Studierendenparlament (StuPa) und in Neubrandenburg im AStA (allgemeiner Studierendenausschuss) eingebracht.

Auch nach meinem Studium möchte ich weiter ehrenamtlich arbeiten und habe mich dafür entschieden, das Bildungsprogramm „GemüseAckerdemie“ zu unterstützen. Es verfolgt das Ziel, Kindern anhand praktischer Erfahrung zu zeigen, wo Lebensmittel herkommen und wie man sie anbaut. Aufgrund der Corona-Pandemie musste ich den Plan allerdings vorerst verschieben.

Eine für mich ganz neue Art der ehrenamtlichen Tätigkeit hat sich für mich in diesem Frühjahr ergeben, denn da durfte ich Teil der Jury eines regionalen Literaturpreises sein. Das war eine sehr wertvolle Erfahrung für mich.

Was sind deine künftigen beruflichen Pläne?  

Aktuell bin ich Junior-Redakteurin in einem Forschungsprojekt der Hochschule Neubrandenburg, das sich mit Wissenstransfer und der ländlichen Entwicklung in der Region befasst. Meine Aufgabe ist es unter anderem, Forschungsprojekte und -ergebnisse der Hochschule für die breite Masse verständlich aufzuarbeiten und beispielsweise über Social Media zu kommunizieren.

Für mich ist das der ideale Einstieg ins Berufsleben, da ich dort sehr viel über Kommunikation und Public Relations lerne und es sämtliche meiner Interessensgebiete vereint. Grundsätzlich sehe ich meine berufliche Zukunft auch in dem Bereich.

Falls ich aber auf ein passendes Thema stoße, kann ich mir auch sehr gut vorstellen „die Seite zu wechseln“ und selbst in der Wissenschaft zu arbeiten und zu promovieren.

Die weiteren Gewinner des DLG-Preises

Insgesamt vier Preisträgerinnen und Preisträger sind die glücklichen Gewinner des diesjährigen DLG-Preises. Sie sind allesamt als besonders qualifizierte Nachwuchskräfte der Agrar- und Ernährungswirtschaft. 2020 kommen die Gewinner aus Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und den Niederlanden.

Die Gewinner des diesjährigen internationalen DLG-Preises
Anna Katharina Menger, Lisa Essich, Marie van den Berg und Philip Müter (v.l.n.r.) sind die diesjährigen Gewinner des DLG-Preises.

Die Gewinner der Forbildungspreise (mit 4.000 Euro dotiert) der DLG sind:

Die Gewinner der mit 2.500 dotierten Juniorenpreise sind:

  • Phillip Müter, 24, Arnhem, Niederlande
    Student der Lebensmitteltechnologie M. Sc. an der Wageningen University & Research.
  • Marie van den Berg, 22, Vreden, Nordrhein-Westfalen
    Studentin der Agrarwissenschaften M. Sc. an der Uni Göttingen.

Der internationale DLG-Preis

Einmal jährlich vergibt die DLG den internationalen Fortbildungspreis. Mit dem Geld will es die DLG vielversprechenden Nachwuchskräften der Agrar- und Ernährungsbranche ermöglichen, sich im beruflichen sowie außerberuflichen Bereich weiter zu qualifizieren.

Logo des internationalen DLG-Preises

Der Preis wurde 1985 anlässlich der 100-jährigen DLG-Feier ins Leben gerufen und gliedert sich so auf:

  • Juniorenpreis: für junge Fachleute zwischen 18 und 24 Jahren: 2.500€ für Fortbildungsmaßnahmen während der Berufsausbildung.
  • Fortbildungspreis für junge Fachleute unter 36 Jahren: 4.000€ für die Abrundung des Fachwissens, den Erfahrungsaustausch und die Vertiefung der beruflichen Qualifikation.

Folgende Voraussetzungen solltest du erfüllen, um dich für den Preis zu bewerben:

Mehr Informationen und zur Bewerbung: www.jungedlg.org/Nachwuchsförderpreise

Der Wilhelm-Rimpau-Preis der DLG

Neben dem internationalen Fortbildungspreis vergibt die DLG außerdem einmal jährlich den Wilhelm-Rimpau-Preis für innovative und praxisnahe Masterarbeiten in der Pflanzenproduktion. Die Gewinner der diesjährigen Preisverleihung sind Manuel Jaufman (TUM) mit seiner Arbeit über hiesigen Süßkartoffelanabau, Hubertus Kleuter (Universität Hohenheim) und Elena Zopes (Universität Bonn).

Mehr Informationen: www.dlg.org/wilhelm-rimpau-preis

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Autor: Maya Rychlik
Bildquellen: Lisa Essich, DLG

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