Traineeprogramm Ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft

Lust auf ein Traineeprogramm?

Oftmals hört man von Traineeprogrammen als Einstieg in die Berufswelt. Derartige Programme werden inzwischen von vielen Unternehmen angeboten. Wir stellen Euch heute das „Traineeprogramm Ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft“ vor, das im Rahmen des Bundesprogramms Ökolandbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) läuft. Wir freuen uns sehr, dass wir mit Frau Ann-Sofie Henryson sprechen konnten, die beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) gemeinsam mit Ihrem Kollegen Johannes Augustin dieses Projekt leitet.

Frau Henryson, können Sie uns in Grundzügen das Konzept und die Idee hinter dem Traineeprogramm des BÖLN erklären?

Die beiden Projektleiter: Frau Ann-Sofie Henryson und Herr Johannes Augustin
Die beiden Projektleiter: Frau Ann-Sofie Henryson und Herr Johannes Augustin

Dahinter steht das Ziel des Förderprogramms BÖLN in dessen Auftrag wir handeln – die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft zu stärken. Zu  den vielen Maßnahmen die im Rahmen des BÖLN verfolgt werden, gehört auch das Traineeprogramm. Der Biobereich wächst kontinuierlich und es braucht qualifizierte und motivierte Fach- und Führungskräfte. Die sollen nicht nur professionell agieren, sondern sich auch mit den Grundlagen und Werten der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft auseinandersetzen.

Umgesetzt wird das dann in jeweils einjährigen Durchgängen: 11 Monate Training on-the-job bei einem Unternehmen der Biobranche mit einer festgelegten Betreuungsperson vor Ort und 1 Monat Training off-the-job in 4 Modulen gemeinsam mit der Traineegruppe. Da geht es dann neben fachlichem Wissen rund um Ökolandbau, Ökolebensmittel und Kontrolle z.B. auch um Projektmanagement, Zeit- und Selbstmanagement, Kommunikation und Moderation. Angebote zum E-Learning ermöglichen darüber hinaus selbstgesteuertes Lernen, um den Lernfortschritt bestmöglich an den Bedürfnissen der Trainees anzupassen.

Für wen ist das Traineeprogramm geeignet? Ist die Teilnahme für die Trainees mit Kosten verbunden?

Das Traineeprogramm ist für Menschen geeignet die am Anfang ihres Berufslebens stehen. Wir legen Wert darauf, auch Raum für persönliche und berufliche Orientierung zu geben, die sich viele junge Einsteiger*innen wünschen. Meist werden Personen mit Abschlüssen in Agrarwissenschaft, Gartenbau, Ernährungswissenschaft, Lebensmitteltechnologie, Betriebswirtschaft und Marketing oder verwandten Abschlüssen gesucht. Es werden aber auch immer wieder Absolvent*innen mit anderem fachlichen Hintergrund bei der Auswahl berücksichtigt. Die dynamische Entwicklung der Biobranche bietet hier zunehmend mehr Optionen.
Für die Trainees entstehen keine Kosten. Die Kosten für die zusätzliche Ausbildung werden im Wesentlichen durch die Förderung des BÖLN abgedeckt und durch einen Eigenanteil der teilnehmenden Unternehmen ergänzt.

Welche Zulassungsvoraussetzungen gibt es und wie sieht der Bewerbungsprozess und Start jedes Jahr aus? Wie viel Plätze gibt es jährlich?

Es ist ein abgeschlossenes Fachhochschul- bzw. Hochschulstudium oder ein vergleichbarer Abschluss wie Meister oder Techniker notwendig.
Im Vorlauf bewerben sich die Unternehmen bei uns, anschließend werden mit einem Team aus erfahrenen Vertreterinnen und Vertretern der Biobranche in Abstimmung mit dem Auftraggeber die teilnehmenden Unternehmen ausgewählt. Ab Dezember stehen dann die Stellen für alle Absolventinnen und Absolventen online und es kann losgehen mit den Bewerbungen für die Traineestellen. Interessierte können sich dann im Onlinebewerbungsverfahren, das zentral über unsere Webseite läuft bewerben. Es können jedes Jahr 25 Unternehmen und damit ebenso viele Trainees teilnehmen.

Wie lange geht das Programm und gibt es einen konkreten Ablauf?

Wir begleiten die Trainees aktiv ein Jahr lang bei ihrer Arbeit im jeweiligen Ausbildungsunternehmen und nutzen dafür diverse Materialien und Methoden, Online-Lerneinheiten und ganz wichtig: die vier Präsenzmodule bei den sich die ganze Gruppe trifft. Zu Beginn der Traineezeit und gegen Ende – und eben noch zweimal dazwischen.
Uns ist wichtig dass die Arbeit im Unternehmen und das Geschehen auf den Modulen eng verknüpft sind, so dass eine Übertragbarkeit und echte Lerneffekte ermöglicht werden. Das erfordert immer eine Vor- und Nachbereitung der Module seitens der Trainees – Zeit, die im Rahmen der Arbeitszeit aufgebracht werden sollte.

Welche und wie viele Kooperationspartner gibt es aktuell? Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und den Unternehmen aus? Wie kann ein neues Unternehmen am Programm teilnehmen?

Wie immer wurden 25 Unternehmen ausgewählt, die diesen 17. Traineejahrgang mit uns durchführen. Wir begleiten auch die Unternehmen während des Traineejahres – das fängt damit an, dass wir für die Traineestellen jeweils eine Betreuerin oder Betreuer verlangen, die nicht nur für den oder die Trainee sondern auch für uns Ansprechperson ist. Uns ist wichtig, dass wir es schaffen eine Verbindlichkeit herzustellen – nicht nur mit dem Unterschreiben einer Kooperationsvereinbarung sondern auch z. B. mit einem Auftaktworkshop für alle Betreuer*innen, Anleitung und Unterstützung zu Planungs- und Feedbackelementen während des Jahres oder auch der Unterstützung, wenn es mal Konflikte gibt.
Bewerben können sich alle Unternehmen und Organisationen der ökologischen Land- Lebensmittelwirtschaft z. B. aus Erzeugung, Beratung, Handel, Verarbeitung, Zertifizierung, Verbänden, Forschung oder Dienstleistung. Wir achten dabei auf eine ausgewogene Verteilung entlang der gesamten Bio-Wertschöpfungskette.

78% der Trainees

bleiben in der Biobranche.

Was passiert nach dem Traineeprogramm? Welche Chancen haben die Kandidaten auf dem Arbeitsmarkt und ist eine Übernahme des Trainees durch den Kooperationspartner geplant?

Der Großteil der Trainees bekommt von den Ausbildungsunternehmen ein Angebot zur Übernahme. Die hohe Übernahmewahrscheinlichkeit ist für uns auch ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl der Unternehmen. Auch wenn sich die Trainees nicht für das Unternehmen entscheiden, bleiben doch 78% in der Biobranche. Die Hälfte aller Teilnehmenden ist auch nach Jahren noch beim Ausbildungsunternehmen angestellt. Das Traineeprogramm hat innerhalb der Branche einen Bekanntheitsgrad erlangt, der für eine fundierte und qualitativ hochwertige Zusatzausbildung steht – die Chancen stehen hier also gut.

Wie viele Absolventen gibt es inzwischen? Gibt es eine Art Netzwerk, um die anderen kennen zu lernen?

Mittlerweile gibt es fast 400 Absolventinnen und Absolventen. Wir ermöglichen jedes Jahr aktiv das Netzwerken unter allen Alumni, insbesondere mit Aktionen auf der Biofach – der Weltleitmesse für Bioprodukte in Nürnberg – oder mit dem Abschlussworkshop des aktuellen Jahrganges, zu dem alle Alumni eingeladen sind. Wir bauen diesen mit spannendem Fachinput und Workshop so auf, dass es einen Weiterbildungscharakter hat und für die Ehemaligen attraktiver ist. Natürlich können wir damit nur einen kleinen Teil erreichen und binden – aber es ist jedes Jahr aufs Neue spannend, wer vorbeikommt und welche Gespräche und Verbindungen sich ergeben.

Traineeprogramm Ökolandbau

Im Zuge von Businessnetzwerken wie Xing und LinkedIn – wie wichtig ist das Netzwerken im Berufsleben?

Wir halten es für sehr wichtig – überall und vielleicht auch ganz besonders in einem Bereich wie der Biobranche, der aus einer Bewegung gewachsen ist und viele Verbindungen zwischen Organisationen, Verbänden und Unternehmen bestehen. Deswegen wenden wir auch einige Energie auf, um das Netzwerken auch zwischen den verschiedenen Jahrgängen zu unterstützen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass mir die Kontakte über das Traineeprogramm schon die eine oder andere Aufgabe erleichtert haben – denn ich habe selbst vor Jahren das Programm absolviert und bei vielen Gelegenheiten gewusst, wen ich jetzt zu welchem Thema fragen kann. Auch bevor ich die Projektleitung übernommen habe, habe ich gerne die Weiterbildung der Abschlussworkshops genutzt und mich bei den Trainees informiert, an welchen Themen sie aktuell dran sind. Das ist ein sehr spannender Einblick, der sonst nicht so einfach von 25 Unternehmen zu bekommen ist.
Weitere Informationen zum Traineeprogramm Ökolandbau findest Du hier.

Autor: Dagmar Pfeiffer
Bildquelle: FiBL Projekte GmbH

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